| Entry |
| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
Leider muß ich Euch mitteilen, daß von unserer Seite vorläufig keine E-Cards mehr versand werden können. Obwohl Ihr diesen Service stark genutzt habt, läßt uns die tolle deutsche Gesetzgebung keine andere Wahl!
|
|
München (fs) - Anbieter
von E-Cards und Newslettern müssen unter Umständen ihre Technik
umstellen. Nach geltender Rechtssprechung müssen sie ein Ordnungsgeld
in Höhe von 250.000 Euro fürchten, wenn sie E-Mails direkt von ihrer
Webseite verschicken lassen.
Das Problem: Jeder kann theoretisch jedem völlig anonym eine E-Card
schicken und bei einem Newsletter anmelden. Einfach die fremde E-Mail-Adresse
eingeben, fertig. Bei den meisten Diensten wird nicht geprüft, ob der
angebliche Absender auch wirklich existiert - eine erdachte E-Mail-Adresse
wie test@test.de reicht fast immer, um eine E-Card anonym zu versenden.
Verfügungen gegen Grüne und SPD
Genau das ist der Knackpunkt, weshalb die Gerichte dem Münchner Rechtsanwalt
Günter Freiherr von Gravenreuth in zwei Fällen gegen die Grünen
und gegen die SPD Recht gaben. Von beiden Seiten konnte man anonym E-Cards
verschicken - und diese sind genau betrachtet nichts anderes als Werbemails.
Die Landgerichte in München (Az: 33 0 17030/02) und Berlin (Az. 15 0
560/02) stellten fest, dass auch die Filter wirkungslos waren, die die Parteien
angeblich eingebaut hatten, um Fake-Adressen zu erkennen.
Online-Anbieter in der Pflicht
Konsequent weitergedacht bedeutet das: Der Anbieter von E-Cards oder Newsletter
muss sicherstellen, dass der angebliche Absender auch wirklich existiert und
- mehr noch - die E-Mail tatsächlich in Auftrag gibt.
Betroffen sind nach einer kurzen Recherche von CHIP Online neben fast
allen Parteien auch Produktwerbe-Sites großer Firmen und sämtliche
Inhalte-Anbieter im Web - ganz gleich ob Entry, Spiegel Online, Focus Online,
Heise oder auch CHIP Online selbst. In einem Gespräch mit CHIP Online
räumte Gravenreuth aber ein, er werden "nun keinen Rechtstreit mit großen
Medienunternehmen anstreben".