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Jerémie "Misery Loves Company"
Nun, seien wir doch mal ehrlich, als klassische Rockformation hat man es derzeit nicht gerade einfach. Schon dieser Umstand ist nicht eben begrüssenswert, wenn man nun aber auch noch aus dem Heimatland Ihrer Infernalischen Majestäten – alias H.I.M. kommt, trifft es einen gleich doppelt hart. Völlig ungeachtet der Qualität muss sich momentan jede Rockband an dem "gemachten Erfolg" eben jener Lieblingscombo aller kleinen Gothic Girls messen lassen.
Wen wundert es da, das demzufolge erschreckend viele schlechte "Ville Valo & Co.-Kopien" im Umlauf sind und versuchen, auf fremder Weide zu grasen. Nicht eben innovativ und eigenständig. Doch wo setzt man hier den Masstab an, um die Spreu vom Weizen zu trenn und sicher zu stellen, dass die qualitativ guten oder sogar besseren Bands nicht durch das Raster sausen. .. und dann war da ja noch die Frage, ob Qualität derzeit überhaupt eine gefragte Komponente ist?
Wir meinen ja und daher möchten wir euch das Debüt einer neue finnische Band vorstellen, über deren Musik wir erst kürzlich - durch Zufall – gestolpert sind.
Jerémie, das sind vier junge Musiker Anfang zwanzig, die sich erst vor kurzem zusammengetan haben, um neuen Schwung in die finnische Rockgilde zu bringen. Metall und klassischer Rock sind in Finnland quasi unverzichtbares Kulturgut und erfreuen sich daher grosser Beliebtheit. Das sie den Rhythmus bereits mit der Muttermilch - offensichtlich in hohen Dosen – infiltriert bekommen haben, merkt man schon bei den ersten Akkorden ihres kleinen Debütalbums mit Namen "Misery Loves Company". Der gleichnamige erste Song ist eine druckvoll gestaltete Komposition aus schroffen Gitarrenriffs, kraftvollen Basslines unterlegt durch einem Keyboardklangteppich. Den unverwechselbaren Touch erhalten alle drei Songs durch die markante Stimme des Sängers A.D., dessen Stimme in puncto Reichweite durchaus mit der eines Ville Valo konkurieren kann. Textlich haben alle Stücke eine melancholisch düstere Grundstimmung gemein, die aber immer auch ausreichend Raum für Hoffnung lässt .
Den grössten Earcatcher gibt dabei "Sunburn" ab, ein Song mit Clubhitpotential. Eingängiger Rhythmus und eine Melodie, die man so schnell nicht wieder aus dem Sinn bekommt.
Erstaunlicherweise präsentieren uns die vier Finnen ein, für ihre jungen Jahre schon sehr ausgefeiltes Album, was dazu noch eine Menge Potential im Hinblick auf die Zukunft erkennen lässt. Die ausdifferenzierte textliche Gestaltung ist ein weiteres grosses Plus dieser vielversprechenden Formation.
Das Schlusslicht dieses Silberlings bildet "Distance" ein, durch hervorstechende Keyboadsequenzen und aggressive Gitarrenriffs geprägter Song, mit einem vergleichsweise zurückhaltenden, vorsichtigen Gesang.
Klingt gut? Ist es auch und für alle, die nach dem Abfall der H.I.M.schen Leistungskurve schon kein Licht mehr gesehen haben, Anlass zur Hoffnung. Nebenbei bemerkt stehen die Jungs erst am Anfang und wenn sie ihren Weg so beibehalten, dann können sie qualitativ sicher länger als so manch anderer in der oberen Liga mitspielen.
Mareike
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Diese Rezension könnt Ihr Euch auch im Internet als MP3-Stream anhören auf den Seiten des RESISTANCE! Radios unter: http://www.resistance-radio.de/ohren.html ! |
JABBA - A SLEEPER'S DANCE CD / Schwarzrock - SPV Unbelievable!
Diese Frau hat eine Stimme jenseits der szeneüblichen Klischees. Weg von den elfig-nymphenhaften Glockenklängen der schwarzen Szene trumpft Maren Konn mit einer facettenreichen Stimme auf, die stellenweise "kurz vor männlich" zu liegen scheint. 1994 gegründet haben JABBA eine (fürs Musikbusiness) rasante Karriere hinter sich. Und das verdientermaßen. Die fünf Musiker legen mit ihrem Debütalbum A SLLEPER'S DANCE eine wirklich tolle Arbeit vor, die ein bißchen anders als der bisher gewohnte Goth-Metal klingt. Mit relativ klassischer Instrumentalisierung (keyboards, drums, bass, guitar & - klar - vocals) klingt die Musik noch ziemlich handgemacht, was sicherlich mit ein Grund für die abwechslungsreichen Arrangements ist. Vergleiche zu ziehen erübrigt sich, da sie von Lied zu Lied unterschiedlich ausfallen würden bzw. gar nicht angebracht wären. Mich persönlich überzeugt neben der musikalischen Vielfalt vor allem die Stimme - die sich wie gesagt kraftvoll und bedeckt in ohrschmeichelnden Lagen bewegt. Endlich mal wieder was Neues, das ohne lange Gewöhnungszeiten schnell in Kopf & Ohr geht und bei manch einem sicherlich auch in die Beine. Zum Reinhören: Pray, Sünde und Oblivion. Dann kaufen, hören und aufs nächste Album freuen. TK
Jack Or Jive - Kenka Drag & Drop/Target
Mit diesem Konzeptalbum haben die aus Japan stammenden Jack Or Jive sich dem Thema des großen Erdbebens von Kobe angenommen. Dementsprechend düster ist die Atmosphäre des gesamten Albums. So könnten die melancholischen Pianoballaden durchaus die akustische Untermalung einer Totenmesse für die Opfer sein, während die Stücke mit industriellen Einschlag, die aber dennoch tiefdüster und bedrohlich sind, die akustische Umsetzung von der von Naturkatastrophen ausgehenden Bedrohung sein könnten. Über allem schwebt die klare, ausdrucksstarke Stimme von Chako, die der Musik von Jack Or Jive ihren melancholischen und unverwechselbaren Stempel gibt. "Kenka" wird so zu einem intesiven, wehmütigen und bedrohlichen Ausflug in den japanischen Kulturkreis, der sich von jeher den Folgen von Katastrophen auseinandersezten mußte. LS
JACK OR JIVE - lights - A Picture Of A Dancer - MCD, Elves / Rough Trade
Das Projekt JACK OR JIVE "lights"ist die poppigere Seite des Hauptprojektes von Chako und Makato Hattori. Die beiden in Japan ansässigen Künstler verstehen es wie nur wenig andere, schwebende Popsongs zu produzieren die ihresgleichen suchen. Der schwebende Gesang von Chako trägt dazu bei, "A Picture Of A Dancer" als Pop-Monument für weiblichen Gesang gelten zu lassen. Die Songs wirken nicht überladen und laden zu einer leicht verdaulichen ,aber dennoch anspruchsvollen Musikstunde ein. Das Cover wurde übrigens von Chako selbst gezeichnet. Anspieltip: "After The Pein".
Armin Kessel
JAG PANZER - The Fourth Judgement - Century Media
Das alte Century Media - Problem: Entweder die Sachen hauen mich von Sockel (z.B. die aktuelle TIAMAT), oder ich kann gar nichts mit dem Kram anfangen. So auch hier: JAG PANZER machen furchtbar anachronistischen Metal mit Kopfstimme und allem, was seit IRON MAIDEN und JUDAS PRIEST so dazugehört, gewürzt mit etwas Speedmetal soweit ich das einschätzen kann. Als ich dreizehn war, hätte mich das begeistert, aber heutzutage? O.K., JAG PANZER sind schon seit rund fünfzehn Jahren im Geschäft und somit immerhin keine Plagiate, aber das ist auch schon alles, was ich ihnen zugutehalten kann. Leider halte ich nichts vom Festhalten an alten Errungenschaften. Das Album hat sicherlich ganz nette Melodielinien und bietet den perfekten Sound für Rockerparties, denn auch MANOWAR schimmern hier und da durch (so von wegen Helden-Metal und so). Vielleicht tue ich der Band unrecht, aber für mich ist das die Schnittmenge schnelle Motorräder, willige Frauen, blutrote Sonnenuntergänge, blitzende Schwerter und biertrinkende Männer - nicht meine Welt, sorry, aus der Pubertät bin ich entwachsen! 2xR Note:4
James Ray and the Performance - Best of James Rays' Performance & Gangwar
James Ray, ehemaliger Sisters of Mercy-Gitarrist, gibt sich die Ehre via dieser Best-of-Sammlung, die von Monsieur Eldrich himself produziert wurde. Verewigt wurden hier gesuchte Tracks, unter anderem die bekannten Hits "Texas", sowie das herrlich melodische "Dust-Boat". Das musikalische Gewand könnte man als "Sisters meets Electro" umreißen, dazu gesellen sich dunkel markante Vocals (und bekannte, denn old Andrew trällerte bei einigen Songs ebenfalls munter drauf los). jaa, da kommt Nostalgie-Feeling hoch. Also Leute, Taschentücher raus und hinein in das 14 Songs umfassende, größtenteils energiereiche Vergnügen. Songs wie "Edie Sedgwick" werden Dich auf unerklärliche Weise fesseln, wenngleich minimal arrangiert und mit monotonen Sounds, dieses Stück versteht es, Dich durch diese gewisse Dunkelheit in Lähmung zu versetzen. Ein anderes Mal wirst Du mit Panflöten-Einsatz konfrontiert ("Mexico Sundown Blues"), dann wieder erklingen auffallend psychedelische Gitarren aus den Boxen ("Rev Rev Lowrider"). Ich frage mich allerdings, wo ein Stück wie "Assassin 64" geblieben ist. Stiftung Warentest: Pflichtkauf für alle Sisters-Anhänger und Leute, die musikalisch auf einen Hauch vom vergangenen Jahrzehnt wert legen. Note: 2 - 3, AX
James Ray´s Gangwar - Psychodalek CD - Out Of Line / Semaphore
Gerade erst wurden wir mit der "Best of James Ray´s Performance & Gangwar" beglückt, da erscheint auch schon der nächste Lauschangriff des ehemaligen Sisters-Gitarristen. Mr. Ray zeigt sich auf diesem Album äußerst elektronisch, beschreitet Pfade in Techno-Trance-Wäldern und versieht den Wegesrand seiner Tonierungen nur selten mit Gitarrengräsern ("Chemical Erection") Geschickt inszenierte Melodieabläufe und spacige Sounds packen den Hörer direkt an den Hörnern und schleudern ihn unverzüglich in die Planetenansammlung fernab unserer Erdkugel, schwuppdiwupp. Dies geschieht zumeist auf prickelnd lebendige Art und Weise ("Psychodalek" (Tip!!!), "The Downblade"), was neben starkem Kaffee eine weitere geeignete "Hallo wach-Droge" gegen den allmorgendlichen Müdigkeitsvirus darstellt. Daneben gibt's natürlich auch BPM-gedrosselte Nummern wie die fesselnde Neu-Version vom ewig genialen "Edie Sedgwick" sowie sphärisch trancige Instrumentalstücke wie "Azreal". Ein Album, welches Elektronik-Anhängern gefallen wird, wenn den nicht so sein sollte, gehe ich ins Kloster! Note 2, AX
Janus "Vater" (Innovation/NovaTekk)
"Der Vater wartet auf seine Kinder!!!" Jawohl, selten kann mich ein Album so begeistern, wie es "Vater" von Janus getan hat und immer noch tut. "Vater" ist übrigens das Debüt-Album von Janus und verdient somit noch mehr Anerkennung (wenn das überhaupt geht). "Vater" ist keine Musik, "Vater" ist Kunst. Das Album wird niemals langweilig und es gibt auch keine Aussetzer, die einen dazu verleiten könnten, den einen oder anderen Track zu überspringen. Die Musik an sich kann ich nicht beschreiben - man muß sie hören. Man muß die texte und die Musik in sich aufsaugen . Vielleicht kann man es besser verstehen, wenn man mal sieht, mit welchen Bands Janus in der Presse verglichen werden: Ministry, Rosenstolz, Das Ich, Deine Lakaien, Depeche Mode, Type o Negative, Totenmond, Laibach, Pankow, Recoil, Nine inch nails, Tiamat, Einstürzende Neubauten, Oomph!, Die fantastischen Vier, Devil Dolls, Stendal Blast, Rammstein und Interzone. Also, vielfältiger geht's wohl nicht, oder? Holt´s Euch, holt´s Euch, holt´s Euch!!! Note: 1 AD
Janus - Vater CD - Eigenvertrieb
Irgendwie scheint es bei "kleinen" Bands (speziell wenn sie ihre Platten selbst produzieren) so zu sein, daß man ein bestimmtes Vorbild bis ins letzte Detail imitiert oder sich an gar keine Spielregeln und Genregrenzen hält. Janus gehören zum Glück zur letzten Gruppe und stellen mich vor die recht schwierige Aufgabe, ihre Musik zu beschreiben: eine eher düstere Grundstimmung trifft hier aus Elemente des Industrial, Metal, teilweise aber auch Electro oder sogar Swing und Jazz (!). Dafür bedient man sich auch verschiedenster klanglicher Mittel von Gitarren, Synthies, Bläsern, Streichern, Samples, einige exotische Instrumente (Sitar und noch "schlimmere" Sachen) und vor allem der Stimme von Sänger Rig, die das Erscheinungsbild der meisten Songs doch entscheidend prägt. Das bringt uns direkt zu den Inhalten und Texten der Musik von Janus, bei denen sich eher ein roter Faden ausmachen läßt, den Tobias (Programmierung) selbst folgendermaßen beschreibt: "Lieder von Janus handeln von Menschen, die ihren Verstand verlieren." Bei einigen Songs wie dem swingenden "Knochenhaus" wirken Janus frisch und eben be'schwingt', bei "Dreizehn Bestien" dominiert der harte Gitarren-Industrial, bei anderen Songs eher nachdenklich und etwas kopflastig. Hervorheben sollte man auch das sehr aufwendig und interessant gestaltete Booklet, das den Eindruck einer sehr professionellen Eigenproduktion abrundet. Insgesamt bieten Janus mit "Vater" ein interessantes, ambitioniertes und sehr abwechslungsreiches Album, für das sie hiermit einen Sackvoll Lob von mir erhalten. Steckt also 25 Deutsche Mark in eine Briefumschlag Eurer Wahl und schmeißt ihn in den nächstgelegenen Postkasten. Wenn dann nach Wochen des Wartens immer noch kein Exemplar des Albums "Vater" bei Euch angekommen ist, liegt das wohl hauptsächlich daran, daß folgende Adresse nicht auf dem Umschlag stand: Janus, Lessingstr. 5, 55118 Mainz Z
JENKINS, KARL - ADIEMUS III - DANCES OF TIME (CD - Karl Jenkins Music / Virgin)
Karl Jenkins, der bis in die 80er-Jahre Mitglied der Prog-Rock Band SOFT MACHINE war, verdient sein Geld mittlerweile mit Filmsoundtracks und Werbekompositionen. Am bekanntesten dürfte seine Sounduntermalung des in 1995 gelaufenen Delta-Airlines Werbespots sein, das zugehörige Album 'Adiemus - Songs Of Sanctuary' verkaufte sich immerhin 1,5 Millionen mal. Auf 'Adiemus III' hat er sich nun den verschiedensten Tänzen gewidmet. So handelt es sich bei 'Corrente' um die Umsetzung eines italienischen Tanzstücks, 'Kaya Kakooya' ist eine kubanische Rumba und auch ein Wiener Walzer, Bolero- und Square Dance-Stücke sind vertreten. Überzeugen kann diese CD aber eher durch solche Stücke, die an rituelle Musik verschiedener Naturvölker erinnern ('Dawn Dancing' und 'Rain Dance'). Th. K. (Note: 3)
Jerusalem Syndrome - The Book of Days CD Apollyon
Apollyon, ein für seine Bandauswahl ohnehin vielgerühmtes Label , führt diese schöne Tradition auch mit seinem jüngsten Signee, JERUSALEM SYNDROME, fort. Das australische Gitarren-Wave Projekt um IKONs Chris McCarter und SUBTERFUGE Sänger Cliffort Ennis legt mit "The Book Of Days" eine ausgereifte und ohne Ausnahme hörenswerte CD vor, die nicht nur jeden Schnuckelgruft (Danke, Reiner!) durch ihren melodiösen, kraftvollen und ausdrucksstarken Sound begeistern und auf die Tanzflächen treiben sollte, sondern auch für eher elektronisch Veranlagte ihre Reize besitzt, sind die klassischen Wave/ Gothic Arrangements der Songs schließlich durch typische Elemente aus dem Electro-Bereich nuanciert und bereichert worden; vor allem "Waves Of Sorrow" besitzt durch diese Symbiose nennenswerte Club-Hit Qualitäten. Wer sein Geld nun einmal ausnahmsweise sinnvoll anlegen möchte, wäre mit dem Kauf dieser CD wohl beraten, ich hoffe jedenfalls, daß man von diesem Projekt noch viel mehr hören wird. H.M. Note: 2
JOACHIM WITT - Das geht tief MCD - Zeitbombe
Bereits in der letzten ENTRY wurde bei den Rezis das neue Zeitbombe-Label erwähnt, auf dem ausnahmslos deutsche Musiker ihre deutsche Musik, sprich mit deutschen Texten, veröffentlichen. Neu dabei ist nun jener goldene Vorreiter deutscher Musikkunst, Joachim Witt! In einem synthie-poppigem Gewand präsentiert er seine neue Maxi mit dem aussagekräftigen Titel "Das geht tief". Viel hat sich eigentlich nicht zu der damaligen NDW-Zeit verändert. Selbst seine Stimme ist noch ganz die alte, vielleicht etwas weicher, aber sonst unverkennbar. Ich denke und hoffe mal, daß auch bereits ein neues Album in den Startlöchern steht. Man darf also gespannt sein. Auf der hier nun vorliegenden Maxi sind neben dem Titelstück auch noch 2 andere Songs und ein Pitchfork-Remix des Titels "Das geht Tief".... Ich bevorzuge da aber eher das Original.... T.C.Note: 1
Joe Jackson & Friends - Heaven and Hell CD Sony Classical
Eins vorab - einfach zu hören ist die mir hier vorliegende CD von Joe Jackson nicht. Was aber auch nicht verwundern sollte, handelt es sich doch um die musikalische Inszenierung der 7 Todsünden, und zwar Geiz, Völlerei, Neid, Trägheit, Wollust, Hochmut und Zorn. Der schon als Sänger/Songwriter bekannte Jackson (Blaze of Glory, Look Sharp) hat sich bei diesem Werk einige Gastsänger und -musiker dazu geholt, u. a. Brad Roberts (Crash Test Dummies), Suzanne Vega oder die Sopranistin Dawn Upshow. Klassische Elemente wie Violine, Viola, Cellos oder Bongos werden mehr oder minder gut mit Popelementen vermischt. Dabei sollte das Stück "Right" erwähnt werden, das zwar keinen Hitcharakter hat, aber doch recht ansprechend für Freunde der Popmusik ist. Das ganze Album ist ein Hin- und Herschwanken zwischen schnell und langsam. Wer Klassik mag, damit meine ich vor allem moderne Klassik, der sollte mal reinhören. Für alle anderen, auch wenn das Konzept interessant klingt, ein Muß ist diese Platte nicht. Für Anhänger eingängiger Musik schon gar nicht. Einzig die guten Sänger/ -innen sowie der Multimedia-Extra-Track, abspielbar auf dem PC, auf dem jedem Track einer Todsünde zugeordnet ist, machen die Scheibe hörenswert. F.M. Note: 3
JONES - Valuable Stuff Sonus Records
Das ist Punkrock, wie er nur aus Skandinavien kommen kann. Voller Energie und Lebensfreude zucken die Songs des Debütwerkes "Valuable Stuff" nur so durch die Gehörgänge und erzeugen Wohlbehagen und Frohsinn, vorausgesetzt natürlich, man läßt sie... Dabei unterliegen sie nicht dem Druck, die Schnellsten im Land zu sein - Melodie ist angesagt! So hat das schwedische Trio JONES insgesamt 14 Songs für ihren Longplayer eingespielt, wobei Stücke wie "Wasting my life" oder "I've seen better days" die eigentlichen Speerspitzen bilden und das Potential offen zur Schau tragen. T.C.
JONNY L - 2 OF US EP xl-recordings / intercord
Es soll ja Leute geben, die mit Breakbeats überhaupt Nichts anzufangen wissen. Diese Menschen sollten lieber die Finger von diesem Werk lassen, denn was die sechs Songs gemein haben, sind vor allem diese peitschenden Beats, die jedoch teilweise eine Prise zurückgenommen werden, um dann meist noch dynamischer zurück zu kommen. Scheinbar landet jeder, der sich mit "Tanzmusik" auseinander setzt irgendwann beim beliebten Stakkato-Rhythmus, und so ging es auch Mr. Jonny L aus der Heimat intelligenter Dance-Music, nämlich England. Sein Umgang mit diesem Metier ist aber nicht so plump, wie das bei deutschen Plagiaten schon einmal vorkommen kann, meist setzt er auf dieser EP die Energie der Rhythmussektion einer schwebenden Melodie entgegen. Im Titelstück gibt es sogar einen Gesangspart, der mit einer zauberhaft klingenden Sängerin besetzt wurde, wer Alex Reece´s "Candles" kennt, der weiß ungefähr, was ihn oder sie hier erwartet. Die restlichen Stücke sind Instrumental und leben von der Spannung zwischen den Soundflächen und der Dynamik der Beats, Eigentlich könnte man zu dieser Musik sowohl tanzen als auch relaxen, aber vielleicht ist der Rhythmus zum Relaxen doch zu hektisch. Wer sich also mit typisch englischer Trendmusik ausrüsten möchte, die nicht nur clever, sondern auch noch smart ist, der macht mit "2 Of Us" keinen Fehler. Außerdem kommt das ganze Teil im aufwendigen Outfit daher, denn zu jedem Song gibt es auch noch eine grafische Umsetzung, die auf Pappkarten abgedruckt wurde. CC
JUD - Innermission - CD - Nois-O-Lution
JUD sind typische Grenzgänger, bei denen man sich fragt, ob sich noch in die ENTRY passen oder nicht, denn der Ursprung ihrer Musik liegt irgendwo in den psychedelischen 70ern. Sie erinnern mich stellenweise an Bands wie THE TEA PARTY, dann wieder an Singer-/Songwriterzeug im Stil von NEIL YOUNG mit akustischem Geklampfe. Auch JON BON JOVI klingt hier und da durch (vgl. "psychotic, lost & twisted"). Alles in allem nicht mein Ding, aber immerhin bittersüß (hier paßt dieses Wort wirklich). Und der letzte Song ist dann richtig bluesig! Irgendwie ist die Scheibe ganz gut gemacht, aber auch langweilig. Note: 4 R.I.R. = 2xR
Judith - Föhn/ Sahara Seas CD/ MCD Amphion Music
Noch eine Band, die mir leider bisher verborgen blieb, aber das hat sich nun schnell geändert: Judith machen American Gothic vom Feinsten, etwas sperriger als der vieler ihrer Kollegen zwar, aber gerade dies macht vielleicht den Reiz von "Föhn" aus. Ein potentieller Hitsong ist auch nicht gleich zu erkennen, da jedes Stück auf dem sehr homogenen Album songwriting- wie auch soundtechnisch auf dem gleichen hohen Niveau liegt. Dennoch liegt mir gleich der Opener "Les Sylphes" besonders am Herzen...um alles auf den Punkt zu bringen: Judith steht für ausgezeichneten Gitarren Gothic, der einfallsreich arrangiert und sauber produziert wurde, die Songs sind angenehm rauh und dunkel, die tiefe, ungekünstelte Stimme des Sängers für Gothic einfach perfekt, und die Stimmung des Albums läßt von Zeit zu Zeit die berühmte Gänsehaut über den Rücken laufen...schaurig schön! Ähnlich sieht es auch mit der MCD "Sahara Seas" aus, die neben dem Titelstück und "Future" noch drei bereits auf dem Album enthaltene Tracks, teilweise als Remixversionen, aufführt. Wer Judith gehört hat, wird jeden, der meint, daß es keine guten Gothic Bands mehr gibt, Lügen strafen können! H.M. Note: 2
JUICY - Surface - CD - Mad Butcher Records
Ziemlich bunt und trotzdem unscheinbar kommt die CD "Surface" des Düsseldorfer Quintetts JUICY, aber gewaltig in einem geeigneten Abspielgerät! Das, was hier abgeliefert wurde, hat wirklich Hand und Fuß, Punkrock vom Feinsten, melodiös, abwechslungsreich und kraftvoll, alles was dazugehört. Gewisse Einflüsse aus Übersee lassen sich natürlich nicht verbergen, aber wer kann sich davon schon lossprechen. JUICY machen einfach gute Laune. Allerdings hätte man "Surface" ruhig ein bißchen deftiger produzieren können. T.C. Note: 2
Jungschnecken - Jungschnecken CD Nova Tekk
Seltsam. Abgedreht. Schräg. Neu!!! - Dies sind wohl die Gedanken, die den meisten nach dem ersten Hören der Bayreuther Jungschnecken durch den Kopf schießen werden. Die Band um Sängerin Juliana Ihl, die ihre ersten Lorbeeren schon als Gastsängerin auf Erblast I sammeln durfte, macht Musik jenseits von Gut und Böse und allen stilistischen Schubladen, deshalb vielleicht nur die Eckdaten: Ihr Stil sei "eine Synthese aus Nina Hagen, Grunge, Folk und dem 80iger Jahre Pop", produziert wurde das Album von den berufenen Herren Vladimir Ivanoff und Oswald Henke, und von den meisten Kritikern wird diese CD heißgeliebt werden. Hier kann ich mich nur anschließen, und jedem, der (wie Tom jetzt sagen würde) "open minded" ist, empfehlen, selbst in das Album reinzuhören, es könnte sein, daß Ihr bei den Jungschnecken genau das findet, was andere Bands vermissen lassen: den Mut, neue Wege zu gehen und überschäumende Kreativität! H.M.
JUNKIE XL - Saturday Teenage Kicks Roadrunner
Big Beats meets Chemical Beats meets Drum'n'Bass meets Rock = JUNKIE XL. Es ist schon verrückt zu sehen, was für musiktechnische Kombinationsmöglichkeiten es gibt. "Saturday Teenage Kicks" heißt das Erstlingswerk des Niederländers Tom Holkenberg, der bereits als Remixer von Acts wie KONG, FEAR FACTORY oder NERVE in Erscheinung getreten ist und im Vorprogramm der letzten PRODIGY-Tour gespielt hat. Und tatsächlich, JUNKIE XL steht "Big Beat"-Größen wie CHEMICAL BROTHERS und eben PRODIGY in nichts nach. Dabei hat er sein Augenmerk nicht nur auf Samples gerichtet, sondern eine Vielzahl aller verwendeten Sounds mit "realen" Instrumenten eingespielt, seien es nun Gitarren, Keyboards oder eben Drums, wobei die meisten Gitarrenparts von Dino Cazares (Fear Factory) und der Gesang von Rude Boy (Urban Dance Squad) übernommen wurden. 2 T.C.
JZ BARRELL - Here's the Surprise - CD - Ng Records ??????????????
Der Typ erinnert mich an BECK. Die Musik ist auch irgendwie so, wobei BECK ja angeblich cool sein soll. Ich glaube, JZ BARRELL ist doch nicht wie BECK. Egal. Schlechter, nerviger, schrebbeliger Gitarrenpop. Null Substanz. Null. Selten so eine langweilige CD gehört. Tut mir leid, aber ich kann mir das nicht länger geben! Note: 5 R.I.R. = 2xR
JOY DIVISION - Here Are The Young Man - Video, Factory / IKON
Live-Mitschnitte von JOY DIVISION als kultverdächtig zu erkennen, dürfte Fans dieser Band keine Schwierigkeiten bereiten. Auf diesem 60-minütigen Tape werden Live-Mitschnitte von verschiedenen Konzerten präsentiert, die zwar nicht gerade durch guten Sound und tolles Bild glänzen, aber Ian Curtis Bewegungen sind schon einen Blick wert. Sämtliche Kult-Trucks sind auf dieser Kassette zu finden, z.B Day Of The Lords, Love Will Tear Us Apart, Transmission oder auch She's Lost Control. Ein Joy Division-Fan sollte sich dieses Tape nicht entgehen lassen. Wer mit den Wurzeln des DeproBatcave-Stils nichts anfangen kann, dem wird dieses Tape (noch) nicht eines besseren belehren.
Armin Kessel