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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Filmrezensionen - Spider |
COLUMBIA PICTURES und SONY
PICTURES CLASSICS
präsentieren eine
Catherine Bailey LTD/David Films/
Artists Independent Network/Grosvenor Park
Produktion
einen Film von
DAVID CRONENBERG
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Stab |
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| Regie |
DAVID CRONENBERG |
| Drehbuch | PATRICK McGRATH (Nach seinem eigenen Roman) |
| Produktion | DAVID CRONENBERG, SAMUEL HADIDA,
CATHERINE BAILEY |
| Ausführende Produzenten | LUC ROEG, CHARLES FINCH, MARTIN KATZ, JANE BARCLAY, SHARON HAREL, HANNAH LEADER, ZYGI KAMASA, SIMON FRANKS, VICTOR HADIDA |
| Kamera | PETER SUSCHITZKY |
| Ausstattung | ANDREW SANDERS |
| Schnitt | RONALD SANDERS |
| Kostüm | DENISE CRONENBERG |
| Musik | HOWARD SHORE |
| Casting | SUZANNE SMITH |
| Deutsche Bearbeitung | HERMES SYNCHRON |
| Deutsches Dialogbuch/Dialogregie | LUTZ RIEDEL |
BESETZUNG |
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| Dennis "Spider" Cleg | RALPH FIENNES |
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| Mrs. Cleg | MIRANDA RICHARDSON | |
| Bill Cleg | GABRIEL BYRNE | |
| Mrs. Wilkinson | LYNN REDGRAVE | |
| Terrence | JOHN NEVILLE | |
| Spider als Kind | BRADLEY HALL | |
| Freddy | GARY REINEKE | |
| John | PHILIP CRAIG | |
| Bob | CLIFF SAUNDERS | |
| Nora | TARA ELLIS | |
Ein Bahnhof in London. Dennis Cleg (Ralph Fiennes), den seit seiner Kindheit jeder nur "Spider" nennt, verlässt einen Zug und beginnt einen Fußmarsch in eine ungewisse Zukunft. Nach vielen Jahren in einer Anstalt für kriminelle Geisteskranke soll er in die Gesellschaft resozialisiert werden. Der Staat hat ihn in die Obhut der resoluten Mrs. Wilkinson (Lynn Redgrave) gegeben, die in einem schäbigen Stadtteil eine Pension für Menschen wie Spider betreibt.
| Spider ist ein Wrack. Wirr murmelnd und unendlich langsam schlurfend zieht er durch die Stadt. Er trägt vier Hemden übereinander, darüber noch einen alten Trenchcoat. Sein einziger Besitz ist eine Tabakdose, aus der er unermüdlich Zigaretten dreht, und ein zerschlissener Koffer, der nichts enthält außer einem Wecker, vielen Bindfäden und ein dünnes Heftchen, in das Spider in einer unidentifizierbaren Krakelschrift seine "Tagebuch"-Eintragungen macht. | ![]() |
In der "Pension", die kaum mehr ist als ein besseres Obdachlosenasyl, bleibt Spider für sich. Einzig der verschrobene Terrence (John Neville) redet unermüdlich auf ihn ein und scheint sich nicht daran zu stören, dass Spiders Reaktion auf sein Geplapper kaum der Rede wert ist.
Doch so still Spider an der Oberfläche auch sein mag - in seinem Inneren brodelt es. Spiders Hirn ist voll von Erinnerungsfetzen an seine schreckliche Kindheit und das blutige Geheimnis, das ihn zu dem gemacht hat, was er ist. Jetzt, da er aus der Abgeschiedenheit der Anstalt heraus und an den Ort seiner Vergangenheit zurückgekehrt ist, beginnt ihn der Albtraum wieder einzuholen. Spider sieht sich selbst als Kind und erlebt das Grauen noch einmal:
Spider war ein stiller Junge. Er hatte keine Freunde und seine ganze Liebe gehörte seiner Mutter (Miranda Richardson), einer herzensguten, sanften, aber auch latent depressiven Frau. Spiders Vater (Gabriel Byrne) war anders: Ruppig, grob und wortkarg. Mit seinem Sohn kann er nicht viel anfangen. Er ist ihm zu ruhig, zu seltsam, nicht Kerl genug. Gelegentlich muss Spider seinen Vater aus dem Pub zum Abendessen abholen. Dort sitzt stets auch Yvonne (Miranda Richardson) - eine laute, vulgäre Person, die selbst der Wirt nur als "die dralle Schlampe" tituliert. Hysterisch lachend zeigt die betrunkene Yvonne dem Kind eines Abends ihre nackte Brust. Spider ist angeekelt.
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Doch was den Jungen abstößt, zieht seinen Vater an. Mr. Cleg beginnt eine Affäre mit Yvonne. Es beginnt mit einem kurzen, fast geschäftsmäßigen sexuellen Intermezzo unter irgendeiner Brücke und weitet sich schon bald zu regelmäßigen Treffen aus. Spider zieht sich immer mehr zurück. Er beginnt, Bindfäden durch sein Zimmer zu spannen. Er versteckt sich in einem Netz. Wie bei einer Spinne. Mit immer mehr Fäden. Das Netz wird immer dichter und Spider sitzt mitten drin. |
Irgendwann scheint auch seine Mutter zu ahnen, was ihr Mann treibt. Als sie ihn im Pub aufsuchen will, ist er nicht da. Mrs. Cleg macht sich auf den Weg zu ihrem Schrebergarten. Als sie die Tür zu der kleinen Bretterbude öffnet, entdeckt sie dort ihren Mann und Yvonne in eindeutiger Pose. Ohne zu Zögern erhebt sich Mr. Cleg, nimmt eine Schaufel, holt weit aus und erschlägt seine Frau. Lachend verscharren Yvonne und der Mörder danach ihr blutüberströmtes Opfer im Gemüsebeet.
Von da an lebt Yvonne als neue Mutter in Spiders Haus. Alle tun so, als hätte sich nichts geändert. Als Spider es einmal wagt aufzubegehren und seinen Vater einen Mörder schimpft, kassiert er eine schallende Ohrfeige. Spider ist ein kluger Junge und er beginnt mitzuspielen. Er tut so, als wäre diese entsetzliche Frau, die nur aus Alkohol und Sex zu bestehen scheint, tatsächlich seine Mutter. Sein Vater glaubt, er hätte seinen Sohn im Griff. Doch Spider sitzt in seinem Zimmer, umgeben von einem immer dichteren Netz aus Fäden.
Spider schmiedet einen Plan...
PRODUKTIONSNOTIZEN
Als Drehbuchautor Patrick McGrath 1988 die Arbeit an dem Roman "Spider" begann, stellte sich ihm die Frage, aus welcher Perspektive er die Geschichte erzählen sollte. Er beschloss, die Figur des Dennis "Spider" Cleg als Erzähler fungieren zu lassen, der die schrecklichen Ereignisse als Kind selbst erlebt hat und sie nun als Erwachsener rekapituliert.
| McGrath erinnert sich: "Von da an war es nur noch ein kleiner Schritt zu der Frage: Was wäre, wenn Spiders Erinnerungen allesamt falsch sind? Was, wenn er seine Kindheit völlig verzerrt und verdreht erinnert? Warum verfälscht er seine Erinnerungen? Was, wenn er einfach nicht fähig ist, die realen Ereignisse seiner Kindheit zu rekapitulieren? Und je mehr mich diese Fragen faszinierten, desto mehr wurde mir klar, dass meine Figur ein schizophrenes Wesen besitzt. | ![]() |
Und so verwandelte sich meine Geschichte von seiner ursprünglichen Idee in eine Studie des schizophrenen Geistes. So entstand Spider'".
McGrath kennt sich mit Fragen der Geisteskrankheiten bestens aus. Er wuchs auf dem Gelände des Broadmoor Hospitals auf, Großbritanniens größter Einrichtung zur Aufbewahrung und Therapie geisteskranker Gewalttäter. McGraths Vater war hier als Leiter der medizinischen Abteilung tätig. Später, als Erwachsener, arbeitete McGrath selbst in einer psychiatrischen Klinik in Kanada, bevor er sich schließlich dem Schreiben zuwandte.
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Als McGrath das komplexe Gerüst seiner Geschichte zu konstruieren begann - all die Ausflüchte, Verdrängungen und Störungen - tauchte das Bild eines Spider, der ein Netz aus Lügen um sich selbst wob, vor seinem Auge auf. Es gab auch eine gewisse physische Ähnlichkeit zu einer Spinne an dem Jungen. Selbst als er erwachsen war, webte er immer noch seine Netze. Und so bekam der Roman seinen Namen: "Spider". |
Für Regisseur David Cronenberg ist "Spider" der Spitzname, den seine Mutter ihm gegeben hat, da er schon von klein auf so fasziniert von ihren Geschichten über Spinnen und Spinnennetze war. "Ein Spinnenetz wird gemeinhin als die traditionelle Metapher dafür benutzt, dass man gefangen wird", erklärt Cronenberg. "Doch ein Spinnennetz besitzt durchaus auch eine Schönheit. Und man ist nicht immer die Beute, man kann dieses Netz sehr wohl auch selber weben."
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"Das Kind Spider reagiert sehr speziell, einzigartig, bizarr - und dennoch auf verstörende Art hochgradig logisch - auf die ambivalenten Gefühle, die ihn aufgrund seiner traumatischen Erlebnisse erfassen", fügt Cronenberg an. "Spiders Leben ist eine einzigartige und kraftvolle Geschichte. Und sie ist trotz aller Extreme doch immer noch so nah an der Wirklichkeit, an den sexuellen Spannungen ganz normaler Familien, dass sie jeden von uns packt und verstört." "Der erwachsene Spider musste von Ralph Fiennes gespielt werden, weil er die seltene Gabe besitzt, einen gestörten, von der Realität entfremdeten Charakter zu spielen und gleichzeitig doch die Anteilnahme und Sympathie des Publikums zu gewinnen", lobt der Regisseur seinen Hauptdarsteller. |
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"Spider ist ein verletzlicher Mensch, ein sanfter Mann - und dennoch hochgradig gefährlich. Er ist sonderbar, dieser Spider, und doch ist er einem seltsam vertraut.
Obwohl der Roman in den 30er bis 50er Jahren
spielt, transportierte das Filmteam die Geschichte in die 60er bis 80er Jahre.
Nicht zuletzt, weil SPIDER die Geschichte eines Mannes erzählt, der viel
zu früh aus der Psychiatrie entlassen wird, zu einem Zeitpunkt als sein
Geist noch viel zu verwirrt und zerbrechlich ist, um in der realen Welt einer
Großstadt zu bestehen.
"Es ist ein sehr aktuelles Problem, dass Geisteskranke aus der psychiatrischen
Obhut entlassen werden, bevor sie dazu auch weit genug sind", erklärt
Autor McGarth. "Das ist ein Fakt, auf den wir hinweisen wollten. Spider
ist wie einer dieser zahllosen Männer, die wir alle jeden Tag leise und
irgendwie bedrohlich vor sich hinmurmelnd durch die Städte streunen sehen.
SPIDER ist die Geschichte solch eines Mannes."
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Produzentin Catherine Bailey war die treibende Kraft hinter diesem Film. Sechs Jahre lang schob sie das Projekt SPIDER an. Sie erklärt: "Man sieht Männer wie Spider ziellos herumirren und mit sich selbst sprechen. Dafür gibt es einen Grund. Sie alle haben eine Geschichte. Dieser Film will helfen zu verstehen, was in den Gehirnen solcher Menschen vorgeht. Ich glaube, alles, was einem einen Einblick in die menschliche Psyche und das menschliche Verhalten gibt, ist eine Bereicherung. |
Wir alle fühlen: Das wirklich Beängstigende an Spider ist die Tatsache, dass er nicht so weit von uns selbst entfernt ist, wie wir glauben. Wir alle bewegen uns in unserem Leben manchmal am Rande des Wahnsinns und können jederzeit umkippen. Ich glaube, dass ist es vor allem, was mich an SPIDER so gereizt hat. Die Geschichte ist sehr kraftvoll und gleichzeitig sensibel."
M.V.