Entry
Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Filmrezensionen - THE GATHERING

 

Universum
präsentiert eine Produktion von
Samuelson Productions und Granada Film Production

The Gathering - Logo

 

Kinostart: 24. Juli 2003

Laufzeit: ca. 92 Minuten
Format: Cinemascope

 

Stab

Regie Brian Gilbert
Produktion Marc Samuelson, Peter Samuelson, Pippa Cross
Drehbuch Anthony Horowitz
Ausführende Produktion Steve Christian
Jerome Gary
Anthony Horowitz
Patrick McKenna
Duncan Reid
Kamera Martin Fuhrer
Produktionsdesign Caroline Amies
Schnitt Masahiro Hirakubo
Musik Anne Dudley
Line Producer Steve Clark-Hall
Casting Sarah Bird
Kostüme Nic Ede
Maske Elizabeth Tagg

BESETZUNG

Cassie Grant Christina Ricci   THE GATHERING Plakatmotiv
Dan Blakeley Ioan Gruffudd  
Simon irkman Stephen Dillane  
Marion Kirkman Kerry Fox  
Luke Fraser Simon Russell Beale  
The Bishop Robert Hardy  
Michael Harry Forrester  
Emma Jessica Mann  
Frederick Argyle Peter McNamara  
The Gathering Mark Bagnall
Clare Bloomer
Mackenzie Crook
Richard Evans
Roy Evans
Paul Hamilton
Jason Morell
Fenella Norman
Diana Payan
Jacqueline Phillips
Eugene Walker
Anatol Yusef
 
Mrs. Groves Bridget Turner  
Dr. Byworth Madhav Sharma    
u.v.a.    

 

Story

Ein ungewöhnlicher Unglücksfall, der einem jungen Pärchen in Glastonbury das Leben kostet, fördert eine seit langem vergrabene, antike Kirche zu Tage. Der sakrale Bau aus dem ersten Jahrhundert nach Christus wirkt derart mysteriös, dass der Priester Luke Fraser (SIMON RUSSELL BEALE) den Kunstexperten Simon Kirkman (STEPHEN DILLANE) zu dessen genauerer Erforschung herbeiruft. Zwischen den uralten Mauern findet sich auch ein die Kreuzigung Christi darstellendes Wandgemälde. Aber: Das Fresko wurde aus einer verstörenden Perspektive gemalt. Statt des Abbildes Jesu und der beiden Schächer an seiner Seite sieht man lediglich die finsteren Gesichter derjenigen, die sich damals versammelt hatten, um der Hinrichtung beizuwohnen.

Christina Ricci & Ioan Gruffudd Währenddessen fährt Simons Ehefrau Marion (KERRY FOX) auf einer verschlafenen Nebenstraße versehentlich eine junge amerikanische Rucksacktouristin an. Im Krankenhaus stellt sich später glücklicherweise heraus, dass die junge Frau nahezu unverletzt geblieben ist. Nur an ihr früheres Leben kann sich die verirrte Fremde nicht erinnern. Eins weiß sie aber. Nämlich, dass sie Cassie Grant (CHRISTINA RICCI) heißt. Kurz entschlossen nimmt Marion Cassie mit zu sich nach Hause.

Dort stellt sie erleichtert fest, dass sich das Mädchen auf Anhieb gut mit ihren Stiefkindern Emma (JESSICA MANN) und insbesondere dem extrem verstörten Michael (HARRY FORRESTER) versteht und auch gerne auf sie aufpasst.

In der Folgezeit erkundet Cassie die Ortschaft, bewährt sich als Kindermädchen und schließt Freundschaft mit dem freundlichen Touristen Dan Blakeley (IOAN GRUFFUDD). Immer wieder wird sie jedoch von verwirrenden Visionen und Halluzinationen sowie sinistren Fremden aus der Ruhe gebracht, die ihr auf Schritt und Tritt zu folgen scheinen. Halluziniert die junge Frau? Leidet sie unter den Spätfolgen des Zusammenstoßes?

Cassies unheimliche Vorahnungen kreisen vor allem um Fred Argyle (PETER MCNAMARA), einem Mechaniker und schüchternen Einzelgänger mit unerfreulicher Vergangenheit. Sein merkwürdiger Ruf hängt mit einem heruntergespielten, verdrängten Skandal im ehemaligen, inzwischen aufgelassenen Waisenhaus Lime Court zusammen – eben jenem ausladenden Gebäude, in dem Simon, Marion und die Kinder mittlerweile leben. Stephen Dillane mit Jon Croft (als der Priester)

Allmählich dämmert Luke, dass das Wandgemälde eine Warnung vor einer drohenden Katastrophe sein könnte. Beweise dafür glaubt er in Bildern und Fotografien verschiedenster zurückliegender Unglücke und Hinrichtungen zu finden, auf denen jeweils die selben finsteren Gesichter unter den Schaulustigen zu erkennen sind. Simon, der Wissenschaftler, aber zweifelt – bis Cassie ihm auf Fotos des Wandgemäldes eben jene Personen zeigt, die sie glaubt, im Dorf gesehen zu haben.

Harry Forrester als Michael Lukes Vorgesetzte entscheiden, das Fresko erneut vergraben zu lassen, weil dessen düstere Botschaft in der modernen Welt keinen Platz hat. Als Luke sich auf den Weg macht, um Simon darüber zu benachrichtigen, wird er von drei Gestalten beobachtet, die er von dem Wandgemälde her kennt. Von den Männern, die von einer Autobahnbrücke auf ihn herabsehen, abgelenkt, kommt Luke von der Straße ab und stirbt noch an der Unfallstelle.

Nach dem Erhalt der Nachricht von Lukes Tod zeigt der Bischof Simon die Früchte von dessen Nachforschungen. Schockiert erkennt der Kunstexperte in den Funden den Beweis für Cassies Behauptung, die unheimlichen Gestalten würden sich in Glastonbury versammeln.

Cassie warnt die Polizei davor, dass der labile Argyle versuchen könnte, Michael zu ermorden. Scheinbar wird der zornige Mechaniker von dem Jungen an seine eigenen katastrophalen Kindheitserlebnisse erinnert. Darüber hinaus ahnt Cassie, dass der Sonderling einen Racheakt für seine in Lime Court erlittenen Misshandlungen plant. Als die Amerikanerin auf dem Revier ankommt, liegt der diensthabende Polizist im eigenen Blut. Getötet von Dan, der ganz freundlich sein eigenes schreckliches Geheimnis preisgibt. Die vergrabene Kirche

Derweil sorgt Argyle auf dem örtlichen Jahrmarkt für Chaos und macht sich dann auf den Weg nach Lime Court, um Michael zu töten...

 

Facts and Rumors - Betrachtungen

Produktionsnotizen

 

Die Entstehungsgeschichte von THE GATHERING

Der englische Produzent Marc Samuelson und sein in den USA arbeitender Bruder Peter Samuelson gehören bereits zur fünften Generation einer im Filmbusiness tätigen Dynastie. Bei der Produktion von THE GATHERING kam besonders das gemeinsame Augenmerk der Brüder auf qualitativ hochwertige Filme zum Tragen.

„Die Idee zu THE GATHERING entstand bereits vor einigen Jahren,“ erinnert sich Marc Samuelson. „Die Autoren Ileen Maisel und Anthony Horowitz entwickelten die Grundidee während Ileens Zeit bei Paramount Pictures in London. Anthonys Entwurf unterschied sich zwar nicht viel vom endgültigen Drehbuch, dennoch durchlief das Projekt in der Zwischenzeit einen langwierigen Prozess. Am Ende landeten wir glücklich bei Granada Film, doch zuvor mussten wir bei mehreren Studios durch die Produktionshölle gehen. Man schrieb das Drehbuch wieder und wieder um, mit dem Ergebnis, dass wir jetzt wieder da stehen, wo wir am Anfang waren und ein Drehbuch verfilmt haben, das sich kaum von Anthonys Original unterscheidet.“

Christina Ricci Drehbuchautor Anthony Horowitz bemerkt, dass seine lebenslange Vorliebe für Horror und eine altmodische Geschichte über „unerklärliche Geräusche in der Nacht“ ihn zu THE GATHERING inspirierten. „Ich liebe es, wenn ich mich fürchte und ich liebe es ebenso, andere Leute zu erschrecken. Ich liebe die Dunkelheit – solange sie in einer kontrollierten Situation stattfindet – wie etwa in einem Film, Buch oder Theaterstück.“

„Das Projekt nahm seinen Anfang damit, dass die Menschen schreckliche Dinge einfach lieben,“ fährt Horowitz fort. „Irgendetwas im Menschsein, in unserer Psyche treibt uns dazu, dass wir wenig angenehme Dinge ansehen wollen. Warum etwa halten wir an, um Unfälle zu beobachten, wenn wir im Auto sitzen? Diese Gedanken bildeten den ursprünglichen Antrieb, schließlich ist ja die Idee, sich einen Horrorfilm im Kino anzuschauen, Teil dieser Wahrheit. Sobald das Publikum diesen Film sieht, gehört es gewissermaßen selbst zu THE GATHERING.

Horowitz gibt zu, quasi „sein halbes Leben lang“ von THE GATHERING besessen gewesen zu sein. Er schrieb das Drehbuch ziemlich schnell, und die Puzzlestücke fügten sich problemlos zu einem Ganzen, doch die nächste Stufe erwies sich als äußerst langwierig. „Ein Zeitspalt öffnete sich, innerhalb der Jahre kamen und gingen mehrere Drehbuchautoren, bevor alles zu dem zurückkehrte, was ich am Anfang geschrieben hatte.“ Horowitz denkt an diese Odyssee, während er auf den Stufen der 1st Century Church in den Elstree Film Studios sitzt. Christina Ricci

„Das Gefühl, wieder hier zu sein, ist seltsam, denn schließlich war diese Kirche meine erste Inspiration.“

„Der Grundgedanke des Films trägt die Geschichte sehr stark,“ erklärt Horowitz. „Ich entfernte mich nie weit davon. Die Ausschmückung erwies sich wie das Beladen eines fahrenden Zugs und das Schreiben fiel mir nie schwer. Selbst als ich bei Entwurf 309 angelangt war, kamen mir immer noch neue Ideen.“

Als schließlich Brian Gilbert mit an Bord des Projekts genommen wurde, hatten Marc und Peter Samuelson, Anthony Horowitz und Pippa Cross von Granada Film schon mehrmals am Skript herumgedoktert. „Aber in dem Moment, in dem ein Regisseur das Ruder übernimmt, erreicht man automatisch ein anderes Entwicklungsstadium. Denn dann hat man es mit einen Mal nicht mehr nur mit gedrucktem Papier zu tun,“ bemerkt Cross.


Die Dreharbeiten

Für die neunwöchigen Dreharbeiten reiste das Team von THE GATHERING zu einer Reihe von atemberaubenden Schauplätzen in ganz England. Für das fiktive Dorf Ashby Wake benötigte man einen idyllischen englischen Ort. Die renommierte Motivsucherin Emma Pill schaffte es überraschenderweise, das in Oxfordshire gelegene Dorf Northleach für zwei Wochen zu buchen. Die dortigen Bewohner und Geschäftsleute erwiesen sich nämlich als überaus kooperativ. Viele Einheimische verpflichtete man als Statisten für die Jahrmarkt-Szene und das örtliche Pub diente als Basis für die Dreh-Pausen.

Christina Ricci wird von einem Mitglied der The Gathering gejagt Emma Pill hatte die Gemeinde Northleach entdeckt, als sie im April 2001 auf Location-Suche durch England reiste. „Ich sollte ein bezauberndes Dorf finden, bei dem man bereits beim Betreten Gänsehaut bekam.“ Die Idee bestand darin, dass der Ort ein Gefühl dunkler Mächte hervorrufen sollte, die unter einer schönen und idyllischen Fassade lauerten. „Wir arbeiteten hart daran, dass dies auch funktionierte, denn Northleach entsprach einfach absolut unseren Anforderungen. Doch die Dreharbeiten bedeuteten auch einen großen Einschnitt ins tägliche Leben.

Denn die Szenen, die wir dort filmen wollten, konzentrierten sich auf das Ortszentrum, die Haupteinkaufsgegend und die dazugehörigen Parkplätze. So mussten wir mit den verschiedenen Ladenbesitzern und Geschäftsleuten sprechen und sie alle auf unsere Seite bringen.“ Doch die Einheimischen empfingen die Crew mit offenen Armen und mehr als 600 Menschen reagierten auf einen lokalen Casting-Aufruf, um sich zur Verfügung zu stellen. Auch vom PR-Standpunkt aus erwiesen sich die Filmarbeiten in Northleach als Volltreffer, denn örtliche Würdenträger schrieben Dankesbriefe an Produzent Marc Samuelson, in denen sie ihm zum reibungslosen und störungsfreien Ablauf der Produktion gratulierten. Und obwohl die Produktion für eine Szene, in der ein Lieferwagen explodiert, den Großteil von Northleach mit einer beinahe zehn Zentimeter dicken Schicht aus weißem Staub, Kies und einer Art Papierbrei überzog, wurde Hauptdarstellerin Christina Ricci gefragt, ob sie nicht im nächsten Jahr das Dorffest eröffnen wolle.

Vor etwa fünf Jahren, als sich Emma Pill für eine andere Produktion auf Location-Suche befand, entdeckte sie vor den Toren Oxfords die Wytham Abbey. „Ich erkannte in dem Gebäude die perfekte Location. Ein Schriftsteller lebt dort mittlerweile mit seiner Familie. Er zeigte sich anfangs nicht interessiert. Ich gab ihm trotzdem meine Nummer und suchte weiter. Plötzlich aber bekam ich aus heiterem Himmel einen Anruf, in dem er mich für ein Gespräch zu sich bat. Ich schnappte mit also Produktionsdesignerin Caroline Amies und wir fuhren hin. Sie war von dem Bauwerk auf Anhieb begeistert und weil die Besitzer am nächsten Tag nach Frankreich verreisen wollten, kam Brian Gilbert noch in der selben Nacht vorbei, um es sich anzuschauen.“

Die Dreharbeiten in Wytham Abbey brachten einen unerwarteten Bonus mit sich. Emma Pill fährt fort: „Als ich das Drehbuch in Locations aufteilte, gab es auch eine Szene, für die wir ein Maisfeld brauchten. Wytham Abbey erwies sich zufälligerweise als Volltreffer, denn gleich neben dem Haus erstreckt sich ein von der Oxford University für wissenschaftliche Zwecke genutztes Maisfeld. Das war schon beinahe unheimlich.“ Christina Ricci mit Harry Forrester & Jessica Mann

Zum Schluss zog der gesamte Produktionstross auf die Isle of Man. Die Insel avancierte in den letzten Jahren zu einer beliebten Location, nicht zuletzt weil die Isle of Man Film Commission gegründet wurde, die in Spielfilme investiert. Die Samuelsons verfügen dank ihrer letzten Produktion GABRIEL & ME (2001, Regie: Udayan Prasad), die ebenfalls auf der Insel Man stattfanden, bereits über gute Kontakte zu Filmminister David North sowie zu Steve Christian und Hilary Dugdale von der Isle of Man Film Commission. Die in der Irischen See vor der Nordwestküste Englands gelegene Insel gehört zwar zu Großbritannien, verfügt aber über eine eigene Regierung und Währung. Neben finanziellen Überlegungen bot die Insel durch ihre vielfältigen Landschaftsbilder und das Mikroklima weitere Vorteile für die Produktion.

Mit THE GATHERING drehte Christina Ricci bereits ihren vierten Film in Großbritannien und avanciert somit beinahe zu einer Ehren-Britin. „Ich habe in den letzten drei Jahren eine Menge gedreht, deshalb habe ich mich schon daran gewöhnt. Vieles kommt mir bekannt vor und ich habe jetzt schon öfter mit den selben Leuten zusammengearbeitet. Wenn man ständig zwischen zwei Städten pendelt, kommt einem alles nicht mehr so fremd vor. Hier zu leben und zu arbeiten ist schon fast Normalität für mich. Doch ich bin mir sicher: Wenn ich mir ein Apartment in London kaufen würde, dann kriege ich hier nie wieder einen Job!“

Obwohl Ricci während ihrer Karriere eine Reihe von Grusel- und Horrorfilmen gedreht hat, ist sie im wirklichen Leben keineswegs frei von Furcht. „Ich habe vor allem Möglichen Angst... ich hasse die Dunkelheit, mag keine Spinnen und kriege Panik, wenn ich spät nachts durch die U-Bahn-Station laufen muss.“

The Gathering

Trotz der gruseligen Ausrichtung des Films erwies sich die Arbeitsatmosphäre zwischen Cast und Crew keineswegs als kühl. „Es war großartig,“ schwärmt Christina Ricci. „Ioan und ich verstanden uns super. Auf der Isle of Man gingen wir nach Drehschluss immer ins Fitnessstudio. Auch mit Kerry Fox hat es toll geklappt. Wir mussten einmal zusammen einen gesamten Drehtag im Auto ausharren – da haben wir die meiste Zeit geraucht und Kekse gegessen!“

Habt Ihr je auf der Autobahn die Geschwindigkeit verlangsamt, um einen Blick auf den furchtbaren Unfall auf der Gegenfahrbahn zu werfen? Oder Eure Augen nicht von einem blutigen Fernsehbericht voller menschlichen Leids abwenden können? Das unwiderstehliche menschliche Verlangen nach der Beobachtung des Unerträglichen, die Faszination für Tod und Zerstörung manifestierten sich bereits vor langer Zeit in der Beliebtheit öffentlicher Hinrichtungen. In der gespannten Aufmerksamkeit, die beispielsweise strickende Frauen den Aktivitäten von Madame Guillotine schenkten...

Dieser morbiden Lust kann bei THE GATHERING wieder gefrönt werden. Wenn finstere, übernatürliche Mächte Besitz von einem vertrauten, modernen Ort nehmen, lösen sie in den Köpfen der Menschen im verdunkelten Zuschauerraum einen ganz besonderen Schauder aus. Ein unheimliches Gruseln durchströmt den Körper, das Herz rast, die Hände werden feucht und natürlich meldet sich das schlechte Gewissen... Horror pur! Also ab ins Kino...

M.V.

Home Zurück