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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Archiv Rezensionen - M - |
In vergangenen Zeiten sahen Sterndeuter in den Himmel und erkannten anhand von Sternbildern die Zukunft, diesen Gedanken verarbeiteten Megadump plastisch auf ihrer CD "Futura". Sie haben ein Sternsystem als Verzierung der CD-Oberfläche benutzt.
Tolle Idee, denn sie steht im Gegensatz zu dem, was auf dem CD-Cover ist, nämlich eine Raumstation auf einem Planeten, was vielleicht für uns Zukunft bedeutet.
Diese beiden Gegensätze "Zukunft damals" und "Zukunft heute" werden auch auf dem Album musikalisch deutlich. Die Sounds sind sehr computerlastig und erinnern etwas an science fiction sounds aus dem TV, die Stimme jedoch ist menschlich wie eh und je.
Die Lyrics des Albums pendeln zwischen den Fragen nach dem Sinn des Lebens, die sich schon die Philosophen im alten Rom gestellt haben, und den Gedanken an eine zukünftige Welt, die von Maschinen regiert wird. Der Gegensatz ist Megadump auch hier gelungen.
Allerdings muss ich sagen, dass die Jungs sich zu weit in die Zukunft hinausgelehnt haben, denn bei aller Menschlichkeit wirkt die Stimme wenig melodisch, man könnte sagen fast verzerrt. Zu innovativ und zukunftsorientiert sollte man manchmal nicht sein, auch wenn das Album "Futura" heisst.
Marta Bock
The Mushroom River Band - Simsalabim - Century Media
Am 25 März diesen Jahres war es endlich soweit. The Mushroom River Band um den Frontmann Spice (Ex - Spiritual Beggars) und seinen Mannen Saso, Chris und Anders präsentieren uns ihren neuen Longplayer "Simsalabim". War schon das erste Album "Music for the world beyond" ein echter Schweinerockknaller, so kommt die zweite Platte mit ebenso viel Rotz rüber. Ich habe das Glück schon mal vorab reinzuhören. Als begeisterter Stoner Rock Hörer war meine Erwartung an das zweite Album der Schweden sehr hoch und ich muß sagen, die Jungs haben ihren Job sehr gut erledigt. Kommt das Album doch mit sehr viel groovendem Tempo rüber, satte Gitarren, ein speediges Schlagzeug und powernder Bass runden das Bild ab. Wer langgezogene psychedelische Effekte oder sonst in irgend einer Weise Stonerrocktypische Jointventure erwartet, wird hier nach vergebens suchen. "Simsalabim" ist von vorne bis hinten ein Temporock Album. Auf Experimente wird in jeder Beziehung verzichtet, was sehr gut ist.
Ein Minuspunkt für die Dauer des Albums. Rund 35 Minuten ist mir persönlich noch immer zu wenig für dieses gute Album. Aber c´est la vie. Den Hörer erwarten zehn Rocksongs, die den ganzen Körper erbeben lassen. Spice unverkennbare Stimme verleihen den Songs einen treibenden Rhythmus. Mushroom haben es verstanden den Riffgewittern Soliparts mit zu geben, die das groovendeTempo und den Melodienstrang nicht im geringsten beeinflussen. Hut ab!
Besonders herausragende Songs sind auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Da alle in bestechender Form eine Energie an den Tag legen, die sich gewaschen hat. Der Opener "Simsalabim" kracht ordentlich powervoll los und zeigt dem Hörer sofort was ihn erwartet: Ein Kraftwerk, das kurz vorm zerbersten steht. "Bugs", das sich unheimlich locker leicht in den Ohren manifestiert, "Make it happen" zieht als nachfolgender Song ebenso gleich, geht so gar noch schneller ins Blut und vor allem in die Beine. Der vierte Song "Change it" wartet mit einem uberraschend langsamen Part auf, der jedoch durch das folgende Soli in seine angestammte, temporeiche Art zurückfindet. "My vote is blank", "Tree of no hope", Proud of being cool" kommen mit sehr viel Speed und Groove über den Teich , durchsetzt mit Rhythmuswechseln sowie dazugehörigen Gitarrensolis. "The big sick machine" tut sich mit einer Mixtur aus rockigem Groove, einem teilweise schleppendem Part und einer abgedrehten Mischung aus Gitarrensolo und Mundharmonikasequenzen hervor. Der achte Song "Time-laps" ist einer der schwächsten Songs meiner Meinung nach, aber ist ja Geschmackssache. Der letzte Song "Run, run, run" ist einer meiner Lieblingssongs, da hier eine Verwebung aus Mid-Tempo Rock und Powergroove gespielt wird, dazu noch das echomäßig eingebaute Soli und die Art, wie Tempo-, Rhythmus- und Melodiewechsel miteinander harmonieren.
Abschließend ist zu sagen, das "Simsalabim" der ersten Scheibe von Mushroom in Nichts nachsteht. Ein Album, welches ich jedem empfehlen kann, der mal wieder die Sau so richtig rauslassen will. Von mir gäbe es auf einer Punkte-Skala von 0-10 eine fette 8. Also checkt diese Scheibe auf jeden Fall an.
Und noch was. Am Ende der Scheibe hört ihr ein Schnarchen. Stammt höchstwahrscheinlich von Spice, der sich eine kleine Ruhepause nach der vielen Arbeit gönnt. Na ja ist ja auch ein Klasse Album geworden. Also, gutes Nächtle....
Edmund Flakowski
Machine Head – Supercharger - Roadrunner
Mit 14 neuen Songs melden sich Machine Head zurück und ich muß zugeben, sie machen es gründlich. Fette Mischung aus Groove und druckvollen Sound zeigen uns auf Supercharger, dass sie immer noch ganz oben mitspielen. Ich könnte mir vorstellen, dass Machine Head den einen oder anderen Clubhit mit dieser CD landen werden. Auf jeden Fall solltet ihr rein hören und immer schön den Kopf bängen !! Tip: Bulldozer
Borg
Jaaa! Es gibt noch Gothic-Rock, der nicht wie
die x-te Neuauflage von SoM klingt. Genau diesen und das vom Allerfeinsten bieten
My Insanity auf der CD Solar Child. Fette Gitarren wechseln sich ab mit
Keyboardsounds, wobei je nach Song die Dominanz verlagert wird. Cleane männliche
Vocals werden vermischt mit vereinzelten Growls, welche aber nie zerstörerisch
oder disharmonisch wirken, sondern ein homogenes Ganzes ergeben. Herausgekommen
ist eine abwechslungsreiche CD, die Härte,
Melancholie und Melodik in sich vereint und zum Zurücklehnen und Genießen
einlädt. Als Anspieltipp empfehle ich das bombastische "Monument".
Andrea
Der Belgier Eric van Wonterghem, alias "Monolith" legt mit "Labyrinth" sein nunmehr drittes Album vor. Das ehemalige "The Klinik"-Miglied beweist einmal mehr, dass purer Industrial nicht unbedingt nerven muss. Im Gegenteil, das neue Material erweist sich sogar streckenweise als sehr tanzbar. Anspruchsvolle Beat-Fragmente wechseln sich mit Samples ab, wie in "The Wisdom And The Prophet". Hinzu kommen athmosphärische Ambient-artige Stücke wie z.B. "Even When We Sleep". Bestimmte Melodien und Themen werden hier und da in anderen Songs wieder aufgegriffen und lassen das Album eine Geschichte erzählen, als sei es ein Konzeptalbum. Ob es als solches geplant war, lässt sich nur erahnen. Allerdings wirkt es definitiv so.
"Labyrinth" könnte mit seinen düster-treibenden Klängen durchaus für Filme wie "Matrix" herhalten, kann aber auch ganz alleine, ohne visuelle Unterstützung wirken, obwohl diese doch auf den Live-Gigs des Belgiers sehr gerne per Videoleinwand mit selbstproduzierten Bildern eingesetzt wird. Ein wahrer Künstler also.
Jedoch kann man diese CD nicht uneingeschränkt auf die Fangemeinde loslassen, denn z.B. das dem "Memories Of Sound"-Zweiteiler folgende Stück "Out Of Memory" stellt hervorragend die Schattenseite des Albums dar. Sofern man nicht ein Verehrer der technischen Seite der Industrial-Musik ist, wird es schnell langweilig, sich (wie in diesem Fall) 5 Minuten und 2 Sekunden einen sich nur selten wirklich verändernden Beat in den Kopf pumpen zu lassen.
Wie auch immer, selbst Goa-Fans dürften stellenweise, besonders an den ruhigeren Passagen der Scheibe Gefallen finden, sind diese doch wunderbar für Chill-Out-Areas geeignet und werden da mit großer Gewissheit auch sicherlich ein ums andere Mal zum Zuge kommen. Gut gemacht!
Dominik Schröder
MEIN FREUND DER BAUM - MARIACKA / LP - MAD BUTCHER RECORDS
Ebenfalls nur auf Vinyl erhältlich sind DIE BÄUME aus der Kölner Ecke. Schwer zu beschreiben, was da aus der Rille kommt. Ganz spontan fallen mit die frühen IDEAL oder NICHTS ein, auch LIVE SKULL mit ihrem Album "Dusted"...vielleicht noch etwas Punk. Ich kreiere die Schublade "NDW der Neuzeit", obwohl das sicherlich nicht im Sinne der Bäume ist. Die Songs, überwiegend provokant, aber gar nicht so direkt, wie sie beim ersten Hören vielleicht klingen mögen, eher verwoben und verdeckt. "Mariaeka"-Gasse in Danzig und eine Hommage an G.G.`s Butt - „Man geht ein Leben lang durch die Frauengasse". So steht's im Info. Ordnung gibt's bei den Bäumen nur als Wort, auf zwei A3-Infoseiten ein Durcheinander aus Text und Bild - erinnert mich an die Pink Dots - genial! Was bleibt noch zu sagen...? "Mariacka" sollte man gehört haben - egal wie... Note: 2
T.C.
MORS SYPHILITICA - APOCALYPTIC VISIONIEFA
Im Gothic darf man MORS SYPHILITICA wohl ansiedeln. Mit einem recht anzüglichen, aber trotzdem erotischen Cover präsentiert die Gruppe ihre CD. Der Gesang bleibt bei diesem Projekt einer Frau überlassen, und diese glänzt mit einer wahnsinnig tollen, klaren Stimme. Vorzugsweise Sopran und unheimlich durchdringend. Die Stücke werden untermalt von Gitarrenklängen und einer gut durchdachten Rhythmik, die das Herausfinden des Taktes erheblich kompliziert- aber das ist ja so völlig nebensächlich. MORS SYPHILITICA ist einfach gut gemacht und gut durchdacht. Von Langeweile keine Spur, alleine schon die Gesangsmelodien entwickeln ein unsagbar breites Klangspektrum. "Mystisch" ist für die Schallwellen dieser CD eine Bezeichnung, die durchaus zutreffend ist. Grob vergleichbar mit DEAD CAN DANCE. Für Gothic Fans ist diese CD bestimmt eine sinnvolle Ergänzung in der Sammlung, aber auch Elektroniker sollten es nicht versäumen hier mal reingehört zu haben! Musikalisch echt wertvoll!
L.H.
MORGOTH - FEEL SORRY FOR THE FANATIC - CD CENTURY MEDIA
Wow .... ich traute meinen Ohren nicht. Das sind MORGOTH? Was in aller Welt ist geschehen, daß die einst so harten Metal-Acts sich eines besseren besinnen, einen Gang zurückschalten und dafür mehr auf Melodien, Harmonien oder besser Disharmonien achten. Gut so... Auch wenn diese Musik mit "Schwarz" eigentlich nichts zu tun hat, wird sie sicherlich auch in diesen Gefilden bei einigen Nicht-Festgefahren auf Gehör stoßen. Eines der genialsten Stücke ist das schleppend-düstere 'Last Laugh' mit einer Kombination von sägenden Gitarren, krachenden Drums und analogen Synth, das in seiner Art an LEAD INTO GOLD oder die älteren CONTROLLED BLEEDING erinnert. Aber auch die restlichen 8 Gitarren-Tracks, besonders Curiousity-, überzeugen durch druckvolle Arrangements. Was allerdings das gar nicht mal so tolle Techno-Stück'...and if s amazing consequences' auf dieser Platte verloren hat, ist mir ein Rätsel. Hört einfach mal rein und laßt Euch überraschen... Note: 2-3
T.C.
MY BALLOON - Perfect View - Turbo Beat / BMG
Was an My Balloon zuerst zu begeistern vermag, ist die ausdrucksstarke, teilweise ein wenig an Keith Caputo (ex - Life of Agony) erinnernde Stimme des Sängers. "Leidenschaftlich, aber verzweifelt" trifft wohl am besten die Stimmung, die der Opener "Never let you go" zu erzeugen vermag. Gestützt wird der Gesang duch modernen melodischen New Metal im Stile von Creed und Konsorten. My Balloon müssen sich hinter ihren üblicherweise amerikanischen oder englischen Kollegen nicht verstecken; wer beispielsweise besagte Creed oder aber auch Bush mag, wird von "Perfect View" sicherlich auch nicht enttäuscht sein. Eine gute Mischung aus Uptempo-Nummern "und ruhigeren, balladeskeren Stücken wie "Come around", durch die sich als roter Faden eine immer vorhandene Melancholie zieht. Neben dem Opener ist "Great Big Days" mein Anspieltip, aber die Wahl viel wirklich schwer!! Genau wie man sich auch bei einem üppigen Buffet nie so richtig zu entscheiden vermag... 2xR
MASSIV IN MENSCH - BELASTENDES MATERIAL - AETNA/WPR
Bei "Belastendes Material" handelt es sich um deutschsprachigen EBM, der sich fast ausschließlich um Krieg und Kampfhandlungen dreht, was schon durch das Blicken auf das Cover und das Durchlesen der Lied-Titel einige Verwirrung beim Käufer auslösen dürfte. Denn die politische Richtung der Texte wird leider auch beim Hören der einzelnen Songs nicht deutlich. Das flaue Gefühl im Magen wird hierbei auch durch oberflächliche Lyrics, wie z.B. "Mein Job ist töten, das tut nicht weh..." ("Die Natter") nicht gerade gelindert. Musikalisch erinnert die Band stark an ebenfalls militärisch orientierte Kombos, wie z.B. Funker Vogt, jedoch stechen die nervig-gebrüllten Phrasen des Sängers Daniel Logemann und die etwas dünnen Vocals der Sängerin Sarah Follers heraus. Leider können die Elektroniker zu keiner Zeit an ihre Vorbilder, wie z.B. die oben genannten Funker, herankommen. Bei dem instrumentalen Track "Verlust", lässt sich dann zum ersten Mal so etwas wie eine schöne Melodie vernehmen, jedoch nehmen auch hier die ewigen Kriegs-Film-Samples keinen Abbruch...Auf Dauer gesehen gehen einem dann auch die flachen Texte und der stur gleich bleibende Beat, sowie die beiden Leute am Mikro irgendwann so auf die Nerven, daß man die CD in die Ecke wirft und nur noch Bilder aus schlechten Nazi-Kriegs-Filmen vor Augen hat. Für Elektroniker-Fans von Filmen wie "Die Brücke von Arnheim" und Konsorten, könnte diese CD durchaus ein Tip(p) sein, auf die meisten anderen wird sie eher lächerlich wirken...Danke nein! (ds)
Achtung: Zu dieser Rezension liegt eine Gegendarstellung vor!
Gothic aus Rußland? So exotisch wie es sich anhört, Moon Far Away stellen schon seit mehreren Jahren eine der bekanntesten Bands der wachsenden russischen Gothic Szene dar. Und mit ihrem aktuellen Album "Sator" stellen sie das einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis. Dabei darf man hierbei nicht von Gothic ausgehen, wie man ihn hierzulande kennt. Vielmehr ist die Musik von Moon Far Away durchsetzt von folkloristischen Elementen ihrer Heimat und E-Gitarren sucht man auf dieser Veröffentlichung vergeblich. So entsteht eine mystische Atmosphäre, die teilweise entfernt an Dead Can Dance erinnert. Viele der Stücke wären zudem sicher gut dazu geeignet, als Untermalung zu Horrorstreifen zu dienen. Empfehlenswert.
Kontakt: Andrei Turusinov, P.O. Box 215, Arkhangelsk, 163061 Russia.
Thorsten Kübler
THE MURENDOES - There is no salvation - SPV / Rebel Records
Etwas neues gibt's auch in der Gothic-Schiene zu verzeichnen. Neu ist zum Beispiel die Band THE MORENDOES aus dem tiefsten Norwegen. The Morendoes wurden im Frühjahr 1991 von Tommy Olsson, Mr. Barkved und einer Roland-Drum-Machine gegründet. Mittlerweile sind sie zu einem beachtlichen Sextett mutiert. Düster und getragen ist ihre Musik, manchmal auch ein wenig verzweifelt melancholisch. Die langen Winternächte in Norwegen sind bestimmt nicht ganz unschuldig daran. Ihr Debüt nennt sich "There is no salvation", was soviel bedeutet wie: Es gibt keine Rettung. Ein langsamer, destruktiver und immer fortlaufender Abstieg in die Gefilde des Sterbens. Nur die Wasser des Styx verheißen Linderung der Qualen.
Thomas Czernetzki
THE MOON LAY HIDDEN BENEATH A CLOUDCD "A new soldier follows the path of a new king"World Serpent / Discordia
Eigentlich schon für Februar geplant, veröffentlicht das geheimnisvolle Mittelalterprojekt The Moon... erst jetzt seine neue, nach dem selbstbetitelten Debut und "Amara Tanta Tyri", CD. Um es kurz zu machen: ein weiterer Geniestreich; die auf den ersten beiden CD's noch stark vorhandenen experimentellen Passagen wichen eingängigeren Arrangements, die das Durchhören der CD zu einem Vergnügen machen. Auf eine Betitelung der 20 enthaltenen Stücke wurde wiederum verzichtet, womöglich, um die Komplexität des Albums nicht zu stören. Auch der Sound ist besser geworden; The Moon... transponieren in absolut überzeugender Art und Weise bruchstückhafte Fragmente alter Musik in unsere Zeit und präsentieren so ihre ganz persönliche Vision eines dunklen Zeitalters - es bleibt nur die Frage, ob wirklich (nur) das Mittelalter gemeint ist. H.M.
THE MOON LAY HIDDEN BENEATH A CLOUD - Amara Tanta Tyri - World Serpent / Discordia
Der unsäglich lange Bandname ist nur eine von vielen Besonderheiten dieses äußerst interessanten Schweizer Projektes, welches mit "Amara Tanta Tyri" seine zweite CD vorlegt. Um es einmal kurz zu machen: Mittelalterfreunde mit Industrialinteressen sollten unbedingt zugreifen. Vergleiche mit Dead Can Dance werden nicht ausbleiben, "The Moon..." bieten jedoch weitaus mehr. Die Songs beruhen nicht etwa, wie bei vielen Bands dieses Genres, auf sakral-höfischen, sondern vielmehr folkloristischen Strukturen. Man fühlt sich beim Hören der CD in die Zeit der Magier, Gaukler und Hofnarren, aber auch in die des Schwarzen Todes, der Pest, versetzt. Da befinden sich "Saltarello"-mäßige Stücke; ich bin versucht zu sagen:, Relikte; neben solchen, die beinahe Hörspielcharakter annehmen und gehen eine perfekte Verbindung ein. "Amara Tanta Tyri" enthält 23 Stücke; auf eine Betitelung wurde gänzlich verzichtet, das liebevoll gestaltete Digipack ist außerdem eine Erwähnung wert. Schwachpunkt ist sicherlich der Sound, der durchaus transparenter hätte sein können, dieses Faktum wird jedoch durch die überlegene Qualität des Songmaterials mehr als weltgemacht. Wer sich einen Gefallen tun will, der besorgt sich diese CD, die auf dem Mittelaltersektor eine ganz eigene und außergewöhnliche Position einnimmt.
Holger Meyer
MYTHOS - MYTHOS - Higher Octave Music / Virgin
Hinter MYTHOS verbergen sich die beiden Kanadier Paul Schmidt und Bob D’Eith. Sie begeben sich auf musikalische Pfade irgendwo zwischen DEEP FOREST und ENIGMA, vermischen klassische westliche Musik mit Weltmusik. Wirklich schön, etwas zum träumen und sich fallen lassen ...
Thorsten Kübler
M.J.HARRIS & MARTYN BATES - Murder Ballads (Passages) - CD - Musica Maxima Magnetica
"Murder Ballads" (Passages) entstand im Rahmen der Collaboration der beiden Musiker Harris und Bates und schließt nahtlos an "Murder Ballads" (Drift) aus dem Jahre 94 an. Sie selbst beschreiben Ihr Werk als Post-Isolations-Musik ("Isolationism is the sound of an innate respect for silence....a symbiosis between rapidly advancing technology, the sampler, and the alchemical isolation of the recording studio enviroment"). Ein Versuch, die Musik mit nur einem Satz zu beschreiben.... schwebende Synthieflächen im typischen Ambientstil untermalen den fast schon schüchtern wirkenden Gesang. Viel passiert eigentlich nicht in den 4 Songs, die immerhin mit einer Laufzeit von über 55 Minuten zu Buche schlagen. Ich würde sagen, selbst reinhören und selbst entscheiden. T.C.Note: 3
Madre - Mesmerismo - Schwarzrock/Alice in...
Deutschlands wohl beste Gothic-Band ist wieder da! Haben es Madre del Vizio bis 1996 geschafft, alle anderen deutschen Gothic-Bands in ihre Schranken zu weisen, führen Madre, so wie sie sich jetzt nennen, kontinuierlich diesen Weg fort. Und wie ich meine, ist "Mesmerismo" wohl das beste Album dieser genialen Band um den italienisch/englisch singenden Fulvio. Den Umbruch mit neuem Line-up und Label merkt man diesem Album im positiveren Sinne an. Die surrealistischen Texte von Fulvio, die er mit leidender Stimme vorträgt, so daß sie wirklich unter die Haut gehen, die eingängigen Gitarrenmelodien, der treibende Baß und die düster-psychedelischen Synthie-Sounds mit Hilfe von Samples machen "Mesmerismo" zu einem der besten Platten der Neunziger. Besonderer Anspieltip, Track 7: Tre volte morte FM 1
MADRE DEL VIZIO - ALL AROUND - MCD Apollyon
MADRE DEL VIZIO haben sich mit ‘All Around..‘ wirklich massig Zeit gelassen. Grund war zum Teil auch der Ausstieg des Bassistin Lilith Ende letzten Jahres. So mußten alle Stücke auf nur noch vier Leute umgeschrieben werden. Das Ergebnis ist allerdings so hervorragend, daß man es gar nicht merkt. In alter Manier krachen MADRE DEL VIZIO mit der Up-Tempo-Nummer ‘Entra nel Mondo‘ aus den Schallwandlern, gefolgt von dem ruhigeren ‘Reprise‘, die mir von irgendwoher bekannt vorkommt ;-)... Ebenso gelungen ist auch das CHRISTIAN DEATH-Cover ‘Cavity‘, welches sich eigentlich fast nur durch den Gesang vom Original unterscheidet und trotzdem so klingt, als wäre es schon immer von MDV gewesen. MADRE DEL VIZIO verstehen es, die Hörerschar auf das (hoffentlich) bald kommende Album neugierig zu machen. Note: 1 T.C.
MALAISE - FIFTY-TWO WAYS - CD Memento Materia/Synthetic Product Rec.
Die skandinavischen MALAISE spielen für ihre Region eine ziemlich untypische Musik. Sie selbst bezeichnen sie als Electro-Gothic, wobei sie sich an Größen wie SISTERS, KRUPPS oder A SPLIT SECOND ohne abzukupfern anlehnen. Ganz klar stehen bei den 10 Songs des aktuellen Albums ‘52 Ways‘ die Synthies im Vordergrund, auch wenn im Laufe der Zeit die Gitarre einen recht hohen Stellenwert eingenommen hat. Teils kombinieren MALAISE einfache Ohrwurm-Melodien aus dem Synthie mit prägnanten, dynamischen Gitarrenriffs, teils werden auch umgekehrt um ein Gitarrengerüst reichhaltige elektronische Verziehrungen vorgenommen. Das Album ist durchweg angenehm anzuhören, doch leider fehlt irgendwie der nötige Kick oder Hit. Note: 3, T.C.
MANIPULATION - TUMOR (CD - Divension Christine / EFA)
MANIPULATION starten nach langer Schaffenspause, die auf eine Erkrankung des Sängers Andreas Steckmann (siehe Albumtitel) zurückzuführen ist, direkt mit tanzflächenkompatiblen Synthiemelodien durch und erinnern dabei an gute alten AND ONE-Zeiten. Das könnte allerdings auch an dem Produzenten Andreas Koerber liegen, da er auch für obige Band schon tätig war. Sehr gelungen ist das Stück ‘Tausend Sterne’, welches mit weiblichen Vocals aufwartet, wobei die kalte elektronische Stimme so ähnlich auch bei DIE FORM zu hören ist. Ansonsten bewegt sich das sowohl in Deutsch, als auch in Englisch gehaltene Album zwischen härteren EBM-Stücken und softem Synthie-Pop. Mir fehlt hier irgendwo die nötige Innovation, um sie aus der Masse von Veröffentlichungen herauszuheben, denn die Musik reicht leider nicht an die zum Teil recht anspruchsvollen Texte heran. Th. K. (Note: 3)
Manipulation – Sense é Sation – Synthetic Symphony / SPV
Zwei Berliner Manipulatoren auf EBM-Pfaden, laut Info ließen sie sich von Bands wie NITZER EBB oder FRONT 242 inspirieren. Dreizehn Songs befinden sich auf diesem Longplayer, die überwiegend tanzbar und energiereich ausgefallen sind, dabei eingängig und ohne große Schwierigkeiten konsumierbar. Ganz nett anzuhören ist die Scheibe ja, der Sänger hat eine angenehme und gute Stimme, es gibt hübsche Melodien und hier und da auch kreative Ansatz in der Komposition: Den großen Coup werden die zwei jedoch nicht landen können, dafür fehlt der innovative Aspekt. Die besten Songs sind meiner Meinung nach „Feet the Same" und „Secret force of pain", beim Rest fehlt mir irgendwie der entscheidende „Kick". Nett, aber nicht 100%ig überzeugend.
AX
MANTRA - Painted Red - CD - Resurrection Records
Dunkel und bedrohlich, ein kalter Schauer rennt über den Rücken, spätestens zum 4’ten Song dieser CD. MANTRA, ein Trio aus britischen Gefilden, versteht es geradezu perfekt, getragene Stimmungen zu erzeugen und zu pflegen, aufzubauen, bis zum Exodus, und Dich so bis an den Rande des Wahnsinns zu treiben, es ist unbeschreiblich. Der Gesang von Yvonne Neve erinnert mich etwas an Gitane Demon, nicht so die Stimme selbst. "Painted Red" ist eine phantastische Collage von Songs aus der Schattenwelt, jenseits von Gut und Böse. Eine Welt, in der die Illusion regiert, das Denken nebensächlich, das Fühlen jedoch essentiell ist. Zu MANTRA fällt mir wirklich nichts Vergleichbares ein. Nur, daß sie mich genauso beeindrucken, wie es seinerzeit NICO, THE BEL AM oder DsorDNE getan haben. T.C. Note: 1
MARILYN MANSON - Mechanical Animals - Universal
Was soll ich sagen, diese Scheibe ist einfach nur geil! Nicht mehr ganz so hart, aber immer noch mächtig schräg und straight in your face.... wie gewohnt wird jeder der "Mechanical Animals"-Songs Fans in Scharen auf die Tanzfläche pilgern lassen und man wird sich wieder sagen hören: ‘Die sind doch alle krank - richtig krank!’, aber auch ‘Ist dies die Zukunft des Rock’n’Roll?". MARILYN MANSON haben die Welt für sich entdeckt, egal ob Gospel, Folk oder schnulzige R’n’R-Balladen. Aber keine Angst!!! Irgendwie schaffen sie es immer wieder alles so auszulegen, daß es in ihren Kram (Konzept?) paßt. Außerdem haben MM ihr Herz für elektronischen Spielereien entdeckt. Meines Wissens nach hat bei "Mechanical Animals" auch Pumpkins-Mastermind Billy Corgan helfend zur Seite gestanden, was man bei einzelnen Rhythmen auch hört. Die Welt ist grausam, dann sind auch MM grausam zu der Welt.... TC 1
MARK’OH VS. JOHN DAVIES - THE SPARROWS AND THE NIGHTINGALES (MCD - Orbit Records / Virgin)
Jaja, kaum schafft eine Indieband den Durchbruch, schon sind irgendwelche dubiose Musiker zur Stelle, die von sich behaupten, schon immer Fan dieser Band gewesen zu sein und diese schamlos covern. So nun auch bei WOLFSHEIM geschehen, die MARK’OH noch aus seiner Teenagerzeit faszinieren, als er auf Synthie-Popbands stand. Schon komisch, vor ein paar Jahren hieß es mal, er wäre aus der Heavy-Szene zum Techno gestoßen. Heavy & Synthie, interessante Kombination. Naja, was soll’s, geblieben ist vom Flair des Originals in allen fünf Versionen leider nichts, wenn man mal davon absieht, daß einem der Text sehr vertraut ist. Der Rest ist lediglich noch stupides Techno Bumm Bumm. Was hat WOLFSHEIM nur dazu bewogen, dieses Machwerk zu genehmigen? Sollte ich mal in die Verlegenheit kommen, eine Technodisco zu besuchen und dieses Lied dort hören, ich werde auf die Tanzfläche gehen und dort Wave tanzen (drei Schritt vor und drei zurück). Th. K.
Marquee Moon - Desert House Alice in...
So, so die Digitalanzeige meines CD-Players zeigt 90 Stücke an. Diese halbstündige Mini-CD enthält natürlich weniger, nämlich drei neue Studiotracks, sowie zwei Live-Mitschnitte, die als Ghosttracks "getarnt" sich über Nr. 4 bis 90 erstrecken. Die Musik erinnert an die letzte Veröffentlichung "Angst & War" und spiegelt wieder die recht eigene Auffassung der Band von Gothic wieder. Die Stücke sind zwar atmosphärisch, aber auch recht hart und treibend, was der Veröffentlichung jedoch keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. Kein Wunder bei den vielen einschläfernden Gothic-Produktionen, die es sonst gibt. L.S.
Martin Hall - Random hold - Public Propaganda
Das erste Stück Cradlemoon wavet dem Hörer, zu seicht und sehr kitschig/verspielt, fast einschläfernd entgegen. Höhnisch bezeichnet Kuschel-Wave für Black People. Aber warten wir es erstmal ab. Vielleicht ist eine Steigerung des doch im Presseinfo so sehr hochgelobten Herrn Hall zu erwarten. Das zweite Stück Performance erfreut mit dem exzellent und gefühlerdrückendem Intro, jedoch verfällt es sogleich wieder in das bereits erwähnte merkwürdige Klangbild...um auch so fort zu fahren. Dieses Tape ist nur als Hintergrund Musik für einen gemütlichen Abend mit der Liebsten zu gebrauchen, oder als Schlummer-Sound des Nachts. Also ich weiß bis jetzt nicht, was der Macher uns mit diesen Soundcollagen vermitteln wollte. Scheint mir auch für längere Zeit verborgen zu bleiben, da die verwandten Stilelemente und Sounds keinerlei Fusion, zu einem gelungenen Gesamtbild ergeben. Schlußresümee: Ein zu seicht dahinplätscherndes Werk, mit einem zu hohen Aufwand, und zu geringem Endresultat . Nicht unbedingt erwehnenswert. YO. (in Vertretung. für H.B.)
Martyr Whore - Roseydolvet Ballet -CD - Apollyon - EFA 12161
Die Musik dieser französischen Formation zu beschreiben ist sehr einfach: Eine perfekte Kopie des frühen Christian-Death-Stiles. Oft sind die Nachahmer irgendwelcher Musik schlechter als das Original; diese Band stellt jedoch eine absolute Ausname dar. Das Trio, das seit Anfang 1994 zusammenspielt, bewahrt sich eine bestechende Eigenständigkeit, so daß sich ohne Weiteres sagen läßt, sie haben den Stil hervorragend aufgenommen und erweitert. Die Thematik der 9 Songs dreht sich um mystisch-erotische Themen, die musikalisch sehr überzeugend untermauert werden. Allen Fans der frühen Christian Death-Veröffentlichungen und Rozz Williams sei dieses Album besonders ans Herz gelegt, es lohnt sich, mal ‘reinzuhören. M.W.
MASCHINENZIMMER 412 - CD "Macht durch Stimme" - (Dark Vinyl Records, DVLR 7)
Dies ist also das Re-Release der auf 555 Exemplare limitierten Auflage aus 1991, und es vereint Tracks der ersten Tapes mit einigem Live-Material. Für jemanden der Maschinenzimmer 412 noch nicht kennt ist das aber höchst uninteressant, weil: wen kümmerts? "Macht durch Stimme" ist ein Album aus der Abteilung Death-Industrial, aber auch das sei nur am Rande erwähnt. Denn eigentlich ist dies nichts anderes als Maschinenmusik. Maschinenzimmer 412, der Name allein ist Programm und besagt so ungefähr alles, was Mensch sich darunter vorzustellen vermag. Es ist schlicht und ergreifend Maschinenmusik, sonst nichts, ein Soundtrack zur industriellen Revolution und ihren Folgen. Einzig für derlei Musik schuf Watts seinerzeit die Dampfmaschine Also greif dir eine Bohrmaschine, eine Stichsäge, schmeiß den nächstbesten Motor an und musiziere daheim vor deinen Lautsprechern gemeinsam mit Maschinenzimmer 412, bis du selbst als Maschine im Takt der großen Maschine, welche uns als Leben verkauft wird, mitschwingst. Und vielleicht wird dann "August Picards Nightmare" dein ganz persönlicher Alptraum, und was kann es erstrebenswerteres geben? Wenn du danach auf die Fragmente einer alten Rede, gehalten vor über 50 Jahren, stößt, wird dir langsam klar, was es bedeutet: Macht durch Stimme. (F.H.)
MASSIVE ATTACK - ANGEL - MCD - Circa Records / Virgin
Auf der aktuellen Single von MASSIVE ATTACK findet man mit ‘Angel’ wohl eines der düstersten und ansprechendsten Stücke ihrer Fulltime-CD wieder. Das Stück, welches diesen Sommer (welcher Sommer?) übrigens auch als Begleitmusik zur Adidas-Werbung über die Bildschirme flimmerte, schleicht sich langsam und bedrohlich in die Gehörwindungen und man kann sich ihm nur schwer entziehen. Der recht minimalistische Remix von BLUR-Head Damon Albarn erscheint dagegen dann doch um einiges schwächer, während das abschließende ‘Group Four’ dann wieder mit einigen Klangspielereien überzeugen kann. Th. K. 2
Master’s Hammer - Slagry -CD - Kron-H/Osmose - SPV
Das große Vorbild der tschechischen Ex-Death Metal-Kapelle (oh ja, Kapelle!) Master’s Hammer beim Erschaffen dieser CD war wohl die Moulinette von Moulinex: Wo diese sich in der Küche aus diversen Zutaten entweder eine schmackhafte kulinarische Komposition oder aber eine ekelige Pampe zusammenmixt, da haben wir jene eben dieses Prinzip auf musikalischem Sektor für sich entdeckt, um so ihre Death Metal -Wurzeln quasi aus den ganzen längst überfälligen, angegammelten Zutaten herauszureißen und artgerecht zu kompostieren (in der Moulinette). Was aus dieser Biomasse entstanden ist, läßt sich nur schwer in Worte fassen: Eine Mixtur aus tschechischer Volksmusik (umarrangiert zum militärischen Marsch), Industrial, E-Musik (völlig durchgeknallt interpretiert, wie z.B. Verdis "Nabucco"), Laibachkunst (als grobe Orientierung), Weihnachtsliedgut ("Jujdem spoln do Betléma") und einer Prise Death Metal. Aber kann sich schon nur aufgrund der bloßen Aufzählung der Zutaten einer Essenz dessen Geschmack vorstellen? Insofern bleibt mir nur zu sagen: Diese Platte muß man eigentlich gehört haben, um einmal wieder einen Eindruck von musikalischer Anarchie zu bekommen (Moulinette for President!). Ob man sie aber auch gleich kaufen muß, das ist eine ganz andere Frage. Eine Bewertung für dieses Opus abzugeben, erscheint mir jedenfalls unmöglich oder doch zumindest unangemessen. R.I.R.
MATTER OF FACT - Infacted - CD - Zoth Ommog
"recording, mixing: sevren ni-arb & m.o.f. at t.g.i.f." - das ist für mich ein Zeichen, besonders gut hinzuhören, denn was der gute Sevren im Allgemeinen verzapft, ist immer mehr als hörenswert: gut produzierte elektronische Klänge allererster Güte sind schließlich sein Markenzeichen - egal ob nun mit X.M.T.P. oder als Producer. In diesem Fall verhält es sich folgendermaßen: Die Produktion ist satt wie immer, nur die Songs sind mir persönlich teilweise etwas zu gewollt. Daß M.O.F. Synthiepop machen, ist ja keine Neuheit. Dennoch stört mich an so manchem Song etwas: Bei "I don’t need your love" z.B. stört mich dieser typisch teutonische Touch, der scheinbar inzwischen auch Synthiepop-Bands verpflichtet, wenigstens ein paar "böse" Elemente zu verwurschten: eigentlich ein melodiöser Popsong, machen M.O.F. meiner Meinung nach den Fehler, gesamplete Gitarren und einen Gesang im Stile von "Aggro im Versuchsstadium" einzusetzen und dadurch etwas albern zu wirken. Da klingt z.B. "The last Man on Earth" wesentlich konsequenter und kompakter. "Destination" dagegen ist das Gegenstück zu "I dont’t need your love" und mir persönlich zu schmalzig-abgelutscht. "I want to leave you" stellt (zusammen mit dem bereits erwänten "The last Man on Earth") den obligatorischen potentiellen Clubhit dar. Der Rest ist unprätentiöses Pop etc. Ganz nett, jaja... (und, bitte bitte!, macht andere Fotos, Jungs!) 2xR Note: 3
MAYHEM - Wolf’s lair Abyss - MCD - Misanthropy Records
Meine Güte, das geht ab. Dagegen sind CRADLE OF FILTH ja wahre Waisenknaben. "Wolf’s lair Abyss" ist der neueste Output der Blackmetal-Combo MAYHEM, veröffentlicht übrigens an Halloween. "Wolf’s lair Abyss" sind 25 Minuten Haare fliegen lassen, oder die komprimierten Herztöne eines ganzen Tages in weniger als einer halben Stunde. Brachial, gewaltig, Geprügel - Das ist eigentlich alles, was mir zu dieser Mini-CD einfällt. Daher keine Bewertung, ABER: Das 2-minütige Intro ist ausgesprochen gut! T.C.
MEAT BEAT MANIFESTO - Actual Sounds + Voices - PIAS
Kaum eine andere Band hat soviel Einfluß auf die heutige Big Beat oder Chemical Beat Generation genommen wie Jack Danger alias MEAT BEAT MANIFESTO. Viele Bands haben von ihm gelernt und mit seinen Soundz und Beatz eigene Hits gelandet. Und nun.... "Actual Sounds + Voices" - abgrundtiefe Bässe, Meat Beatz, schräge Soundz, Drum’n’Bass & Dub, und trotzdem kein reines Dancefloor-Projekt, obwohl diese Grooves jeden Muskel gezielt wie bei einer Elektroschockbehandlung in Bewegung setzen. MBM geben sich experimentell, kein roter Faden, nichts, an dem man sich festhalten könnte, einfach nur Digital Drumming mit noisigen Flächen, skurrilen Klanggebilden und Wortfetzen - Der Science Fiction Soundtrack für’s nächste Jahrtausend... TC 1
MEDICINE RAIN CD "Native" - MA CDL 945
Diese Gruppe ist geradezu prädesziniert, sie in gewisse Töpfe der Uneigenständigkeit zu werfen. Es benötigt keiner langen Überlegungen um eindeutig festzuhalten, daß es sich bei Medicine Rain um folgende Konstellation handelt: Billy Idol aus seinen besten Tagen, gemischt mit Merry Thoughts und einer Prise Cain Principle. Sonst noch Fragen?
Um noch einen draufzusetzen, enthält dieses Album auch Coverversionen wie "1969" oder "Things you said". Warum (?) mag man sich da fragen, aber dieses wird wohl unbeantwortet im Raum stehen bleiben. Fest steht, daß jeder, der sich nur halbwegs in diesem Musikmetier ausdenkt, die favorisierten Bands sofort herausziehen kann. Sprich: Mission, Depeche Mode etc. und natürlich die o.g. Gruppen. Bleibt nur eins zu sagen: An den Vorbildern haben sie durchaus eine gute Wahl getroffen, nur die Umsätzung zu etwas selbst Erdachtem blieb ein wenig auf der Strecke. S.H.
MEGAHERZ - Wer bist Du? - CD - ZYX
MEGAHERZ nennt sich der Münchener Hardcore-Act, der nur allzu leicht mit RAMMSTEIN in einen Topf geworfen werden kann - Provokante, deutschsprachige Texte, krachige Riffe a‘la Peppers & Body Count, funky Gitarren und einfache, aber groovige Melodien. Einige Songs liegen sogar qualitativ über dem Rammstein-Niveau, andere wiederum weit dahinter, wobei ich da besonders an die Songtexte denke. Die ganze Platte ist leider etwas schwach auf der Brust, die Dynamik läßt zu wünschen und die Bässe hätte man ruhig auch etwas mehr reindrehen können. Gerade bei so einem finanzstarken Label wie ZYX hätte ich doch etwas mehr erwartet. Vielleicht liegt’s aber auch daran, daß ZYX kaum harte Gitarrenmusik verlegen. In Songs wie "Gott sein" oder "Wer bist Du?" steckt weitaus mehr als man hört.... leider. T.C. Note: 3
Megaptera - Disease - Art Konkret
Nicht nur in der Electroszene ist der Mord ein gern behandeltes Motiv. Auch bei Megaptera, einem seit 1991 existierenden Projekt, welches mit "Disease" ihre zweite CD vorlegt, steht ein solches Konzept im Mittelpunkt. Genauer gesagt, wird der psychische Hintergrund eines Mannes behandelt, der seine Frau ermordet. Entsprechend krank, düster und morbide ist auch die Musik der vier Titel (52 Minuten Laufzeit) gehalten, die die vier Phasen darstellt, die der Mann bis zur Durchführung seiner Tat durchlebt. was soll man auch anderes von einem Death Industrial-Projekt erwarten, als diabolische Collagen, die den Soundtrack zu jedem guten Horrer-/Splatterfilm darstellen könnten. Bestellen kann man dieses sinistere Werk übrigesn bei dem vertrieb Art Konkret, Adresse siehe Drape Excrement-Review. L.S.
Meletron "Möderwerk" CD "Dein Meister" – CD-Single - (Connected/Zoth Ommog)
Nun ja, was soll ich bloß zu Melotron schreiben? Die Single "Dein Meister" ist wirklich genial. Für mich ist es die perfekte Mischung aus And One und S.P.O.C.K. Wirklich hörenswert. Leider hat mich das Album "Mörderwerk" ein wenig enttäuscht. Es gibt zwar Songs, die durchaus hörenswert sind, aber überwiegend finde ich das Album schlichtweg langweilig. Nun, Geschmäcker sind verschieden, aber ich denke, daß mehrere Leute meiner Ansicht sein werden. Ich habe Melotron auch live gesehen und dachte, daß die Musik auf der Bühne vielleicht besser rüberkommt, aber, ehrlich gesagt, live gefiel mir Melotron noch weniger. Ich weiß nichteinmal genau, was mich an der Musik so stört, aber im Großen und Ganzen finde ich, daß man sich die Single ohne Bedenken zulegen kann, aber in das Album sollte man unbedingt vorher gründlich reinhören. Note: Single 2, Album 4 AD
M.E.L.T. - Mother Earth love truth - CD - Whampire Records
"Including HIGHLANDER TV-Themes Alpha et Omega & Steps" - Dieser Aufkleber hatte mich, als alten Highlander-Fan, mehr als neugierig gemacht, hinzu kam dann noch das Label, Whampire Records. Doch die Ernüchterung kam schon nach den ersten Takten. Mal abgesehen, daß ich die so groß angekündigten Songs noch nie im TV gehört habe und ich mich ein wenig getäuscht vorkam, konnten die übrigen Songs meine Meinung über diese CD auch nicht ändern. M.E.L.T. spielen einfach ordinäre Rockmusik, nicht schlecht, aber irgendwie fehlt doch der Kick. Etwas mehr Progressivität hätte dem Ganzen sicherlich gut zu Gesicht gestanden. Die Songs plätschern einfach nur so dahin, ohne jeden Höhepunkt, ohne jeden Reiz - nichts sticht hervor. Schade eigentlich, denn das musikalische Potential ist gegeben. T.C. Note: 4
MENTAL GUSH - THIS IS NOT A LOVE SONG - MAXI
John Lydon (Sex Pistols/P.I.L.) alias Johnny Rotten ließ in den Jahren 84/85 mit "This is not a love song" die Ur-Punk-Ära sanft entschlummern und noch immer wird diesem Klassiker in den Clubs gehuldigt. Ein Grund mehr für MENTAL GUSH, sich des Songs anzunehmen und ihn auf den Stand des 20’ten Jahrhunderts zu bringen. Ergebnis sind insgesamt 6 verschiedene Tracks, davon 2 House-Mixe, 2 Techno-Versionen und noch 2 Break-Beat-Varianten à la Prodigy...bislang wurden meines Wissens nach ausschließlich DJs mit diesem genialen Stück Vinyl versorgt. Nervt einfach Euren lokalen Plattendealer und fragt mal nach der Scheibe! Viel geiler hätte man es kaum machen können. T.C., Note: 1
Mentallo & The Fixer - False Prophets - MCD - OffBeat / SPV
Nach der Vroabauskopplung "Centuries" gibt es mit "False Prophets" nun die zweite Auskopplung aus dem jüngsten Album "Burnt Beyond Recognition" der beiden texanischen Brüder Dwayne und Gary Dassing. Der Titeltrack im Full Frontal Lobotomy Mix ist der aggressivste und meiner Meinung nach überzeugendste auf dieser Maxi, denn alle guten Mentallo-Eigenschaften sind in ihm vereint: eingängige Melodien, komplexe Soundstrukturen und aggressive Samples. Aber auch die anderen Songs zeugen davon, daß Mentallo & The Fixer immer noch eine der absolut besten US-Industrial-Bands ist. Diese Tatsache hat sich aber wohl noch nicht bei allen Elektro-Köppen rumgesprochen, denn die Tour von Mentallo zusammen mit Regenerator und Seven Trees war wohl nicht so der Knaller. Abgesehen vom kostenlosen Tyrannight-Festival, das 1.500 Leute besuchten, waren die Zuschauerzahlen bei den übrigen Konzerten eher im zweistelligen (!) Bereich, was einem Top-Act wie Mentallo natürlich überhaupt nicht gerecht wird, da sie auch eine erstklassige Live-Band sind. Wer also die Tour verpennt hat, sollte sich zumindest diese CD zulegen, um wenigstens etwas an der Genialität Mentallos teilzuhaben. Note: 2 Z
Diese CD ist eine Art "Best of"-Compilation der Kult-Formation um EX-Christian Death Member Bari-Bari. Sie bietet einen guten Überblick über das bisherige Schaffen der Band. Wer sich mit dieser Band noch nicht auseinandergesetzt hat, dem ist mit dieser Veröffentlichung das Tor geöffnet. Anhängern dieser Combo brauche ich sie wohl nicht weiterempfehlen, sie werden wissen, was sie erwartet. M.W.
MEPHISTO WALZ - MOSAIQUE - CD, LC: 7802, NR: 12160 - Label/Vertrieb: Discordia
Bari Bari alias MEPHISTO WALZ meldet sich mit einer neuen CD zurück ausden Düstergefilden Amerikas. MOSAIQUE heißt das gute Stück, welchesinsgesamt 12 Tracks beinhaltet, die allerdings fast alle schon aufanderen Tonträgern zu hören waren. Man kann also davon ausgehen, dasMOSAIQUE als eine Art `Best Of...` Album konzipiert wurde und einenordentlichen Schnitt durch das Schaffen Mephisto Walz`s zieht. Zwar läßthier und da die Qualität etwas zu wünschen übrig, weil der Mann amMischpult gepennt hat, doch kann man darüber getrost hinwegsehen,wenn man Bari Bari`s Musik kennt und zu schätzen weiß. Mir haben esbesonders die Stücke angetan, die ebenfalls auf dem kommenden AlbumINSIDIOUS bzw. TERRA THALIA sein werden.
MERIDIAN - "Sundown Empire" - CD - Nyctalopia NYMF 110
Absolute Meisterklasse! Australischer Gothic, wie er besser nicht sein könnte. MERIDIAN stellen sich mit ihrem Debutalbum "Sundown Empire" dem totgeglaubten Gothic mit solcher überzeugender Heftigkeit entgegen, daß selbst der Letzte merken sollte, was wirklich los ist. Man kann auch viel zerreden. Gothic ist und bleibt ein Meilenstein in der Musikgeschichte, der weder wegzudenken, noch kurzlebig ist. Man besinne sich an Größen wie FIELDS, SISTERS, ROSETTA STONE etc., die wohl jedem ein Begriff sind. Ich bewundere solche Bands, die sich gegen den kurzlebigen EBM behaupten, denn dort wäre doch viel schneller Geld zu scheffeln (oder?). "Sundown Empire" ist auf jeden Fall sehr ausdrucksstark. Der Sänger zieht den Hörer in seinen Bann und dies sehr intensiv. Die Gitarren unterstützen ihn auf kraftvolle, powergeladene, aber auch melodiöse Art und Weise. Ohne Zweifel, ist dies Album für mich das Beste, was es seit langer Zeit gegeben hat, und wahrscheinlich geben wird. S.H.
MESZADA - ANEPIGRAPHA - CD, LC: 5575, NR: bluNoise 444015 - LABEL: BluNoise Records
Ich habe mir lange überlegt, wie ich die nun folgende Band vorstellen könnte. Eine Band, die in keine Schublade paßt und die keine abgegriffenen Gruftie-Klischees tangiert. Eine Band, benannt nach der israelischen Stadt Meszada, deren Bewohner sich der römischen Eroberung durch kollektiven Suizid entzogen haben. Bisher fehlte Meszada ein Sprachrohr, ein Medium, sich einem größerem Publikum stellen zu können. Aus diesem Grunde haben sich die 5 Musiker aus Paderborn dazu entschlossen, die Debüt-CD ANEPIGRAPHA einzuspielen. Anepigrapha ist mehr als düster und emotional, die CD ist erschreckend bedrückend geworden und dabei sind es doch nur die wandelnden Gefühle eines Menschen, die hier reflektiert werden sollen. Goethes Erben lassen grüßen....Trotzdem bieten Meszada eigenständige Synthi-Rock-Musik, die sich nicht verstecken braucht. Allein die Tatsache, daß diese CD in Eigenregie finanziert und produziert wurde, ist schon ein Lob wert. T.C.
MIASMA 2 - Clear and cold at the higher elevations - CD - Moabit Musik
MIASMA steht für die Symbiose aus Wort und Musik von Gudrun Gut (Ex-Neubauten, Malaria) und Myra Davies (Kunsthistorikerin und ehemals Skinny Puppy Mentorin). Während sich Gudrun Gut mit hochkarätiger Elektronik eindeckt und klaustrophobisch enge Klanggefilde mit technoiden Strukturen und sphärischen Ebenen entwirft, sorgt Myra Davies für die Gestaltung des gesprochenen Wortes in Form von kurzen Geschichten über Käfer, Liebe und Fleisch. Kühl und unnahbar wirkt die Stimme und verschmilzt mit der Musik zu einer Einheit. Ein Meisterwerk des deutsch-kanadische Duos... T.C.Note: 1
MIDNIGHT CONFIGURATION - Funeral Nation - CD - Nightbreed / Alice in...
Es gibt sie also doch noch, die Bands mit dem Gewissen etwas, mit dem Charme eines nächtlichen Friedhofspazierganges. MIDNIGHT CONFIGURATION gehören ohne Zweifel zu den angesagtesten Vertretern der britischen Gothic-Scene der Gegenwart. Elektronische Hilfsmittel , man denke zum Beispiel an Dr. Avalanche, sind natürlich weiter auch in dieses Genre vorgedrungen, Kritiker sprechen gerne von Dancefloor-Gothic. Wie auch immer, die Musik von Midnight Configuration ist durchweg zügig, tanzbar und modern, obwohl sie den Geist des alten Gothics verkörpert. Nach längerem Hören drängt sich eine leichte Monotonie auf, was nicht zuletzt an den zu perfekten Rhythmen aus dem Computer liegt. Ein Drummer aus Fleisch und Blut würde Wunder wirken. Man sollte sich etwas mehr an der aussterbenden Batcave-Generation orientieren (aus der Chefmusiker Trevor schließlich stammt). "Funeral Nation" ist dennoch ein überdurchschnittliches Album, das gerade denen Gefallen dürfte, die auf Bands wie Suspirira & Co. stehen. T.C. Note: 2
MIMETIC FIELD - OVERRATED Moloko / Der Verlag / Megaphon
Hinter MIMETIC FIELD verbirgt sich der Franzose Jérôme Soudan und was der auf seinem Debütalbum zu bieten hat, dürfte so manche alteingesessene Industrial- und Crossoverband alt aussehen lassen. Schon das erste Stück, ein wenig an Opernmusik erinnernd, baut mit seinen Chorälen eine bedrohliche Stimmung auf, die sich durch das ganze Album hindurchzieht. Seien es abgedrehte Sprachsamples, heftige Gitarren, kranke Blasinstrumente oder einfach nur unidentifizierbare Soundcollagen, das Ganze entwickelt sich zu einer einzigartigen Kakophonie des Grauens. Musik die Cthulhu aus seinem feuchten Grab heraufbeschwören könnte oder mit einem einzigen Wort ausgedrückt ... KULT! Th. K. 2
MINDROT - Dawning - CD - NR: NB 138-2 - Relapse Records/Nuclear Blast/East West
Nach einem ruhigen und für Gitarrenmusik schon fast klassischem einführenden Intro eröffnen MINDROT dem Hörer die Welt des Gothic-Grinds. Ruhige Momente werden von tosenden Gitarrenriffs, Drumgewittern und ultratiefem Gesang umgeben. Jedes der sieben Stücke erzählt seine eigene Geschichte, zusammen bilden sie eine Einheit voller Emotionen und seelischer Grausamkeiten, die sich auf diesem Album entladen. Weit im Hintergrund hört man Carl Mc Coy`s Grundgedanken mitschwingen, und manchmal glaubt man sogar, ihn irgendwo zu hören. MINDROT ist eine Band, die den FIELDS trotz aller musikalischen Gegensätzlichkeiten sehr nahe kommt. Es ist nicht gerade offensichtlich, denn bei "Dawning" sind es meistens die Kontraste in der Melodie und nicht die Melodie selbst, die diese bedrückende Atmosphäre erzeugen. So schlagen MINDROT Brücken zwischen dem Gothic und dem Grind- oder Doom-Metal. T.C.
MINISTRY - FILTH PIG CDNR: 9362-45838-2 Label/Vertrieb: Warner Bros. Records
Glaubte man doch gerade erst noch, die PSALM 69 wäre schwer verdaulich gewesen, so belehren uns MINISTRY nach einer Wartezeit von nun mehr als 3 Jahren aufs neue. FILTH PIG heißt das gute Stück, auf dem uns Jourgensen und Barker 10 brachiale, schwergitarrenlastige Midtempo-Stücke um die Ohren schlagen. Wer nach Songs wie "N.W.O." oder "Jesus built my hotrod" schreit, wird mehr oder weniger enttäuscht sein. MINISTRY setzen nun nicht mehr so auf Knüppelmusik, vielmehr treten geschickte Soundarrangements und überdrehte Sound-Effekte in den Vordergrund, was man auch schon nach der ersten Single-Auskopplung "The Fall" vermuten konnte. Im ganzen fehlt der FILTH PIG, wie auch den vorherigen Alben, jeglicher Danceflooraspekt, wenn man es überhaupt so nennen kann. Davon abgesehen ist das auch nicht so wichtig, denn MINISTRY haben mit "Jesus..." eh gegen alle Regeln von StoXX, AitkXX & WaterXXX verstoßen und trotzdem einen riesen Hit gelandet. Vielleicht klappt’s ja auch mit der Bob Dylan Cover-Version des Klassikers "Lay Lady Lay" von 1969??? Wer weiß das schon... MINISTRY sind eben immer für Überraschungen gut. T.C. Note: 2
MISANTROPHE - "Der Schädel des Denkers" - AIW 009
"Eiskalt rinnen unsere Worte durch den Verstand, die sie nicht verstanden haben." Auf diesen und ähnlichen Sätzen basiert der deutsche Gesang von MISANTROPHE. Und wie konnten diese Worte besser zur Geltung kommen, als wenn man diese à la GOETHES ERBEN verpackt? Und so sei es! Und es ist gelungen. Die klassichen Kompositionen, untermalt mit elektronischen Klängen, Schlagzeug und Percussion, wirken auf diesem Album wesentlich ausgereifter, als bei ihrem Erstlingswerk. Dieses, auf 1500 Stück, limiterte Album enthält 16 Tracks und eine weitere Bonus MCD von 4 Songs. Absolut herausragend sind "Eichberg" und "Erben des Untergangs". Wer also diesem Genre nicht abgeneigt ist, sollte sich diese CD auf gar keinen Fall entgehen lassen. S.H.
MISERY LOVES CO. - Not like them - CD - Earache
Der diesjährige Spätsommer hat uns nicht nur viele heiße Tage beschert, sondern auch verdammt viele, verdammt gute CDs, wie auch diese hier. Sie kommt von der skandinavischen Combo MISERY LOVES CO und ist mit "Not like them" betitelt. MISERY LOVES CO spielen hier auf ihrem zweiten Album eine Art von melodiösem Hardcore bzw. Metal, allerdings versetzt mit Unmengen an melancholischen und zutiefst depressiven Elementen. MLC gehören zu jenen Klangmagiern, die es immer wieder schaffen, ihre Hörer in Trance zu versetzen, die Musik derart transparent und unmißverständlich zu gestalten, daß es garantiert niemandem gelingen wird, sich selbst aus dem Bann dieser Musik zu befreien. Wer einmal das Blut dieser Musik geleckt hat, wird nicht mehr von ihr lassen können. Wetten? T.C. Note: 1
mittageisen - ... alles ist anders... nichts hat sich geändert... - Subtronic Rec./Spellbound Records
Um direkt auf den merkwürdig anmutenden Bandnamen zu kommen. Das Wort "mittageisen" ist einer Fotomontage des berühmten Club-Dada Mitgliedes John Heartfielt entliehen, er in den 30er Jahren gegen das Hitler-Regime kämpfte. Die Schweizer New Wave Band, die in Deutschland kaum bekannt ist, hatte sich in den 80er Jahren den Ruf erworben, neben Grauzone die bedeutendste New Wave Band aus der Schweiz zu sein. Was bei uns Lieder wie "Herzlos" oder "Courts or wars" waren und noch sind, ist in der Schweiz ein Titel wie "Automaten" (1985), der auch in zwei Versionen auf der durch Subtronic nun auch in Deutschland erhältlichen CD enthalten ist. Die Musik der bereits seit 1981 existierenden Band ist dabei tatsächlich mehr als typisch für die ‘80er Jahre: Gitarren und Synthesizer erzeugen eine warme, düstere Stimmung, deren eher minimale Komposition eingängige Melodien schafft, in Zeiten, bevor sich die Szene in Gothic und EBM spaltete. Die anspruchsvollen und in deutsch gehaltenen Texte schaffen es, ohne Splattereffekte Gesellschaft zu zeichnen ("Dunkelheit", "Persistande de la Memoire"), ohne die Hoffnung zu verlieren ("Traum"). Warum auch übertreiben, ist der Zustand unserer Gesellschaft doch erschreckend genug. Besonders eindringlich und mutig zeigt sich das in "237 Tage", einem düster-bedrohlichen Lied, dessen Text auf einen Brief von Ulrike Meinhof zurückgeht, den sie während der Isolationshaft geschrieben hat, bevor diese Art der Folter zu ihrem Tod führte. In Zeiten, in denen bei immer mehr Menschen die politischen Wurzeln der New Wave/Punk Zeit in Vergessenheit geraten, und in denen man lieber teure "Szene"-Klamotten kauft und im Konsumläden abhängt, anstatt leerstehende Häuser und Fabriken zu besetzen und dort einen eigenen Szenefreiraum und eine lebendige Subkultur zu erschaffen, ist diese herausragende Veröffentlichung einer Band, die sich und seinen Wurzeln treu bleibt, mehr als wichtig. Dringende Empfehlung, auch an "Neuzusteiger" der Szene. Phantastisches Album. L.S.
MOONSPELL - IRRELIGIOUS - CD - CD77123-2 - CENTURY MEDIA
Endlich liegt es vor mir - das neue Album der portugisischen MOONSPELL. Leute, alle die ihr auch ein Ohr für Gothic habt, dieses Album ist göttlich! Mit dem Song ‘Vampiria‘ starteten Moonspell ihren Siegeszug in die Clubs deutscher Lande. Nun liefern sie auf ‘Irreligious‘ gleich mehrere würdige Nachfolger. Zum einen wären da die ersten 4 Stücke, die eigentlich eine Einheit bilden. ‘Perverse...almost religious‘ ist der ruhige Opener, ‘Opium‘ (Erste Single-Auskopplung&Video) selbst beginnt mit einem DoubleBass-Gewitter und endet im Slow-Part ‘Awake‘, einem Stück, was sehr nahe an die Intensität der alten Fields herankommt, gefolgt vom Powersong ‘For a taste of eternity‘. Mit heulenden Wölfen und zirpenden Grillen im Hintergrund erzeugen sie bei ‘Full moon madness‘ eine wahrlich bedrohlich Atmosphäre...den Ruf der Wildnis. Aber auch die restlichen 6 Tracks ergänzen das Gesamtbild auf einzigartige Weise. Mit ‘Irreligious‘ ist Moonspell nach ‘Wolfheart‘ wieder ein Meisterwerk gelungen, das durch Präzision und filigrane Strukturen besticht. This is the new generation of goth! T.C., Note: 1
MORBUS KITAHARA - eviving the fading light - Alice in... / Semaphore
Hey geil, jetzt habe ich mir in weiser Voraussicht nur eine CD zum Rezensieren geschnappt, und dann ist es schon wieder solch ein Knaller! Also wirklich, wenn ich mir das so anhöre, denke ich mir, daß das doch eine wirklich gelungene Mischung aus Skeleton Family, Aurora Sutra und Anne Clark sein muß. Ich weiß zwar nicht, ob es diese Band schon länger gibt oder nicht, aber eines steht fest: Geile Musik machen sie hier auf ihrer 52 minütigen CD auf jeden Fall. Ursprünglich von dem Bandphoto fast abgeschreckt worden, präsentieren sich Morbus Kitahara, alias Ullie, Kricki, Thomas und André, mit durchaus tanzbaren, impulsiven und auch melodiösen Stücken. Empfehlen kann ich besonders das impulsive 2. Stück "Freakshow", sowie das 5. Stück "Magna Mater . Empfehlenswert ist auch das 8. Stück "The Beast", welches durch seinen mitreißenden Rhythmus wohl zu gefallen weiß. Und Leute denkt nach, was es wohl bedeuten muß, wenn ich diese CD mehrere Tage lang in CD-Player habe und sie sogar gerne höre!! R.R.Note: 1-
MOTHER DESTRUCTION - HAGAZUSSA (CD - Schwarzrock / SPV)
Es sind tatsächlich schon wieder vier Jahre seit ihrer letzten Veröffentlichung ‘Pagan Dance’ vergangen, doch nun kehren MOTHER DESTRUCTION aus der Versenkung zurück, um mit ‘Hagazussa’ einen Schritt in die Zukunft zu wagen. Dieses Album klingt sehr modern, es ist streckenweise recht technolastig (‘Hagazussa’) und animiert zum ekstatischen Tanzen. Irgendwo findet man mehr oder weniger stark ausgeprägte Einflüsse der verschiedensten aktuellen Schubladen. Sei es Trance, Jungle, Trip-Hop, Ambient oder Dance, hier wird alles umgesetzt und zum Teil mit altertümlicher Musik, bevorzugt aus dem Nahen Osten, verbunden. Allerdings mag diese Scheibe für sich alleine nicht so recht zu überzeugen, bleibt über weite Strecken viel zu farblos, erst live in Verbindung mit Amodalis Performances kommt diese Musik so richtig zur Geltung. Th. K. (Note: 3)
MAINESTHAI - Out To Lunch - Zoth Ommog/Semaphore
Das Erstlingswerk "Out To Lunch" von MAINESTHAI ist eine sehr interessante CD aus dem Electro-Wave-Bereich. Eigentlich ist es keine Debut-CD im eigentlichen Sinne, da "Mentallo & The Fixer"-Mitglieder Dwayne und Gary W. Dassing hier maßgeblich mitgewirkt haben. Sänger Michael Green war ausschließlich für die Gesangspans zuständig. MAINESTHAI lassen sich jedoch keineswegs mit "Mentallo & The Fixer" in eine Schublade stecken. Die Sounds unterscheiden sich deutlich von jener Band. Tanzbarkeit wird hier groß geschrieben. Das Album beinhaltet harte und trabende Stücke mit gekonnten Sample-Einlagen, genauso wie ruhige, atmosphärische Songs. Das Stück "Dollars & Sins" dürfte bereits vom "Body Rapture Vol. IV" bekannt sein. Gesamt enthält die CD neun Stücke und vier Remixe der Höhepunkte. Lohnenswert ist diese CD allemal.
Michaela Böttcher
MELLONTA TAUTA - Ocean - MCD, Hyperium / Rough Trade
Kennt Ihr noch die Doppelcompilation Heavenly Voices, die vor etwa einem Jahr erschienen ist? Dann könnt Ihr Euch vielleicht auch noch an eine Band namens MELLONTA TAUTA erinnern. Immerhin ist dieser Name nicht so alltäglich. Denn dieses argentinische Duo setzt nun das erfolgreiche Gedankengut des Heavely Voices-Konzeptes fort und läutet zugleich die zweite, erweiterte Runde ein. Mellonta Tauta zeigen auf der vor kurzem veröffentlichten Mini-CD OCEAN, daß sich rauhe Gitarrenklänge keineswegs mit zartem Frauengesang beißen muß. So etwas mag zwar an Bands wie The Bel Am oder Slowdive erinnern, doch bleibt Ihr persönlicher Charme stets erhalten. Anfang kommenden Jahres wird übrigens das von Fans schon lange erwartete und längst überfällige erste Album erscheinen.
Thomas Czernetzki
MELLONTA TAUTA - Sun Fell - Hvperium
...was für ein seltsames Album ...was für eine Stimme... Leticia Solari kommt uns manchmal daher mit einer Art Kleinmädchenstimme, daß man sich ernsthaft fragt: Kann und darf Frau so naiv-unschuldig singen, ohne daß es ins absurd-lächerliche abgleitet? Eine Frage, die mich auch nachts nicht ruhen ließ und die nun ihrer Beantwortung entgegensieht... Mellonta Tauta sind Leticia Solari, die neben dem Gesang auch für Keyboard und Samples verantwortlich zeichnet, sowie Daniel Lopez Quiroga, der sich um Gitarre, Bass, Drums, Loops und ebenfalls um ein Keyboard gekümmert hat. Das ganze zusammen ergibt immer wieder einen wunderschönen dichten Sound, zumal hier und da auch noch Cello, Flöten und Akustikgitarren zum Einsatz kommen. Mal kommen uns Mellonta Tauta ganz melancholisch daher, mal werden die Grenzen in Richtung Schlager und Pop beinahe fließend, nur um bei nächster Gelegenheit das Gegenteil zu beweisen, in dem sie dann alle Register ziehen und einen herrlichen Lärmteppich ausbreiten, der aber zu keinem Zeitpunkt nervend wird. Sun Fell steckt voller Überraschungen und das im positivem Sinne. Mir haben es besonders die einfachen kinderleichten Melodien angetan, manchmal schon so kitschig, daß sie gar nicht in die Gefahr kommen, als kitschig verstanden zu werden (das verstehe wer will). Besonders gut gefallen haben mir Pull the chariot, Dawn und Over the Ocean. Alles Anspieltips. Wie man aus einer immer gleichen Tonfolge eine Perle der besonderen Art machen kann, zeigen M.T. mit dem Stück Andaponaquiado. Gauchos wiederum sei all denen empfohlen, die von der südamerikanischen Pseudo-Folklore in unseren Städten Kopfschmerzen bekommen. Hinweisen MUß ich noch auf das meines Erachtens nach, beste Stück des Albums: Ballenas. Es ist zugleich das letzte Lied der CD und ich denke, danach hätte auch nichts mehr kommen können. Einfach Augen zu, Kopfhörer auf und Ballenas hören. Ach ja, Leticias Gesang geht in Ordnung... daher 7,9 Gummipunkte von mir.
Frank Hellwig
MELLONTA TAUTA - MCD "Ocean" - LC 6821/Hyperium 39100813-16 / Rough Trade
Kennt Ihr noch die Doppelcompilation "Heavenly Voices", die vor etwa einem Jahr erschienen ist? Dann könnt Ihr Euch vielleicht auch noch an eine Band namens MELLONTA TAUTA erinnern. Immerhin ist dieser Name nicht so alltäglich. Denn dieses argentinische Duo setzt nun das erfolgreiche Gedankengut des "Heavely Voices"-Konzeptes fort und läutet zugleich die zweite, erweiterte Runde ein. Mellonta Tauta zeigen auf der vor kurzem veröffentlichten Mini-CD "OCEAN", daß sich rauhe Gitarrenklänge keineswegs mit zartem Frauengesang beißen muß. Sowas mag zwar an Bands wie "The Bel Am" oder "Slowdive" erinnern, doch bleibt Ihr persönlicher Charme stets erhalten. Anfang kommenden Jahres wird übrigens das von Fans schon lange erwartete und längst überfällige erste Album erscheinen. T.C.
MORGUE - The Mind is a labyrinth und Aghast View - Nitrovisceral - Discordia / SUB
In diesen Tagen erscheinen hier in Deutschland die Debüt-Alben zweier Bands aus Brasilien, die es in sich haben. Das von dort nicht nur der Samba kommt, sondern auch anspruchsvolle Elektronik, beweisen MORGUE und AGHAST VIEW. MORGUE waren vor zwei Monaten schon auf dem TASTE THIS II Sampler vertreten. Ihr Titel "The mind is a labyrinth" kursiert seitdem in den Underground-Clubs Deutschlands. Obwohl das Album mit dem gleichen Titel nicht ganz das halten kann, was der Titel verspricht, ist es dennoch eine interessante Entdeckungsreise durch die Elektronik-Noise-EBM-Landschaft und ist sogar etwas Industrial-like. Anders dagegen verhält es sich mit AGHAST VIEW. Durchweg alle Titel des Albums "Nitrovisceral" sind sehr tanzbar geraten und stellenweise erkennt man bekannte Strukturen von Bands wie FRONT 242, SKINNY PUPPY oder auch NITZER EBB. Obwohl ich durch den Titel "The mind is a Labyrinth" vom TASTE THIS II Sampler schon etwas auf Morgue fixiert war und mich schon auf die CD gefreut habe, muß ich gestehen, daß mir AGHAST VIEW mit ihrem Debüt doch um einiges besser gefallen und ich kann es Euch nur anraten, mal in diese beiden CDs bei Eurem lokalen Record-Dealer reinzuhorchen. Es lohnt sich garantiert. Track 6 von der AGHAST VIEW ist der absolute Knaller, bei MORGUE ist es das letzte Stück ....
Thomas Czernetzki