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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Rezensionen Tapes

 

Absurd Adventures
Anima Mundi
Best Of ZDF
Beyond The Wall Of Sleep
The blues of a lesser god
Chateau De Joile
Claire
Crematron
Dementia
Devon
D.I.B. Freundschaft
Dynamic Masters
Electrope
Experimentum Crucis
Explicit Einsam
Furniture Fun
Gaping Chasm
Girnu Giesmes
Honeychurch
IC 434
Impressions Of Winter
The Guanavaana
Insect Plasma
Jagged Fragment
Lane to the grey
Mental Cut
The Orphobia
Projekt Blauland
Pro Patria
Psychedelic Headshot
The Picture Book
Revenge of Nephthys
Schmoll
Science vs. Nature
Second Disease
Sound of Vision
Sterbende Welt
Stin Scatzer
The Torturer
Wings Of Destiny
Xabec
Zero Defects

 

Absurd Adventures – To be in infancine

Dieses OWL-sche Trio beweist, daß noch lange nicht alle guten Synthie-Bands eine CD herausgebracht haben. Treibende eingängige Stücke mit einnehmenden Charakter - das ist Musik, wie Absurd Adventures sie versteht. Die Stücke klingen ausgefeilt und ausgewogen, hier waren sicher keine Anfänger am Werk. Es ist vielleicht nicht die neueste Idee, die Musik auf diese Art und Weise zu machen, aber auf jeden Fall eine interessante und gut umgesetzte. Allen Synthie-Pop bis EBM-Fans sei diese Band besonders empfohlen. Hoffen wir, daß bald ein Silberling erscheint, damit alle etwas absurde Abenteuer erleben können.

M.W.

 

Anima Mundi – Another World / Richard Gürtler

ANIMA MUNDI ist ein weiteres Projekt vorn „Crewzine“-ler. Bei „Another world“ handelt es sich um einen acht Instrumental-Tracks umfassenden Soundtrack, der den Hörer in eine bizarre Welt mit düsterer Atmosphäre entführt. Man taucht durch dunkelste elektronische Klanglandschaften mit sphärischer Soundkulisse, welche mit Chorälen und anderen Voicesamples angereichert wurden. Ein interessantes Hörerlebnis aus Dramatik und purer Hoffnungslosigkeit, irgendwo zwischen alten Delirium und der Apokalypse. Das Tape kommt mit A5 Booklet, wo jeder Song durch ein stilvolles Bild dokumentiert wird. Well done!!

AX

 

Best of ZDF / Dhyana Records

Hierbei handelt es sich um eine Ein-Mann-Compilation von Sascha Schierloh aus Hamburg und das alleine ist ja wohl schon Grund genug, sich dieses Tape mal anzuhören. Hier wird nämlich alles durcheinander gemischt, was auch so eben geht. Alleine die Hitparaden-Samples sind hörenswert, aber Herr Schierloh vermischt das Ganze noch mit etlichen Noisesequenzen, Beats und Rhythmus, so daß es eine wahre Freude ist. Man hört aus jeder Ecke Fiepsen, Ballern, Knacken usw. Also, wer mal was anderes hören möchte, dem sei dieses Tape wärmstens empfohlen.

AD

 

BEYOND THE WALL OF SLEEP - PSYCHIC BURNOUT

Dieses Trio, dessen Bandname einer Kurzgeschichte H. R. Lovecraft's entstammt, wandelt auf klassischen Gitarren-Gothic-Pfaden. Prägnantes Gitarrenspiel, mal powervoll treibend, mal gefühlvoll melodisch, dunkel-lodernde Bassläufe und ein tiefer, angenehmer Gesang, der doch gewisse Erinnerungen an "Schwester Andrew" heraufbeschwört. Auch musikalisch kann man einen gewissen Sisters-touch nicht ausschließen, vor allem bei den Stücken, wo sie energiereiche, kraftvolle Szenarien kreieren ("Fading..."). Dennoch, die Band läßt auch eigenständiges agieren nicht missen, hier und da haben sie richtig gute Ideen umgesetzt ("Atomic"), teilweise zaubern sie auch sehr stimmungsvolle Atmosphären. Liebhaber dieses Genres werden sicher Gefallen finden an den 6 Songs. Gut, aber nicht umwerfend.

A.X.

 

Chateau De Joile - Friends

Eigentlich ist Synthie-Pop nicht mein Metier, aber wenn eine junge Band gelungen aus den DM-Klonbahnen ausbricht, muß das auch entsprechend gewürdigt werdet. Und schließlich muß man sich auch nach dem heftigsten Electrogewumme mal entspannen. Mit diesem Tape gelingt das vortrefflich. Die junge Band erschafft eingängige und melancholische Melodien, in deren Mittelpunkt die ausdruckstarke Stimme von Farina Baier steht, die einen mit „Mendacious" oder „Midnight" zu einer Reise in ungewöhnliche und warme Klangatmosphären einlädt, ohne dabei zu poppig (schleimig) zu werden. Einfach schön.

L.S.

 

Claire - Claire

Claire ist eine 1-Mann-Band aus dem Hamburger Raum, die seit Ende 1992 besteht. Auf dem Debut-Tape dieser Ausnahme-Band wird dem Hörer eine vor Kraft strotzende Musikwelt offenbart, die stellenweise an DAF erinnert. Dieser Vergleich rührt von der reduzierten Art der Umsetzung, einfache Texte wurden mit eingängigen Melodien verbunden. Das Hauptanliegen von Claire liegt in der Tanzbarken. Die Musik soll Spaß machen und zum Mitsummen und -singen animieren. Mit Stücken wie Freude, Bereit, oder Suck me out, wurde diese Idee einfach fabelhaft umgesetzt, selten gab es eine Band, die mich so spontan fasziniert hat. Claire schlagen ein völlig neues Kapitel der Musikgeschichte auf, die „progressive deutsche Tanzmusik“. Alle 9 Songs dieses Tapes sind für mich Hits. Es bleibt zu hoffen, daß Claire bald den Erfolg haben, den er verdient hat

M.W.

 

Dynamic Masters

Positiv überrascht war ich, als ich das erste Mal das Tape dieser OWL-Band (Raum Paderborn/Detmold) zu hören bekam, wußte ich vorher doch nur, daß sie dem Synthie-Pop frönen, womit sich sofort der Welle:Erdball Vergleich aufdrängt. Und damit liegt man auch nicht ganz so falsch. Und doch gibt es einen ganz großen Unterschied: Den Dynamic Masters fehlt dieser provokant-lächerliche Moment, das mich an Welle:Erdball so stört. Außerdem sind die Songs der Dynamic Masters besser auf den Punkt gebracht und wirken harmonischer. Und das sind gerade die Eigenschaften, die in diesem Genre wichtig sind. Wer also ein Faible für Synthie-Pop hat, sollte auf jeden Fall mal in das Tape reinhören.

R.I.R.

 

D.I.B. Freundschaft

Ja holla, dieses Tape hat es in sich, das ist das perfekte X-max Geschenk für alle verwirten Electro-lndus1rial-Seelen. Drei Bands mit jeweils 6 Songs befinden sich auf diesem Tape. Den Anfang machen SCR aus Italien, die hier eine äußerst hörenswerte Mischung aus Electro und experimentellen Sounds bieten, mal eher monoton gehalten („Time to live"), mal melodischer Natur („Stalingrad"). Anspieltip: „The fight". Es folgt das Electro-Industrialprojekt LPF 12 alias SASCHA LEMON. Harsche Industrialattacken („Anti Physi-cd", „Return") dröhnen aus den Boxen, da fliegen fast die Ohren ab. Der eher ruhige, melodische Dark-Electro-Song „Scanning" liegt mir da schon eher - toll! Schade, daß die Soundqualität bei LPF 12 (wie gewohnt) nicht so super ist. Und nun der Knaller namens TOXIC SHOCK SYNDROME, das gemeinsame Projekt von Johan Van Roy (SUICIDE COMMANDO) und Stephane Froidcoer (FUZE BOXE MACHINE). Alptraumhafter, bedrohlicher Electro mit Industrialeinschlag, dahin tendierend, Dir den Verstand zu rauben. Verzerrte Gänsehautvocals, dunkle Electro-Shockklänge und experimentelle Soundspielereien (es zischt und pfeift aus allen Löchern) - really foxic. Anspieltips sind alle(!) Songs, besonders aber der BPM-reiche Ohruurtn „T.S.S.". Kultig! Ein sehr empfehlenswertes Tape, aber Vorsicht ‑ it's hot man...

AX

 

DEMENTIA

Eins gleich vorweg: Ich kenne die Leute hinter DEMENTIA recht gut, und das gibt vielleicht einen mir unbewußten automatischen Bonus für sie. Dennoch will ich versuchen, möglichst objektiv zu sein, aber dafür glaube man mir bitte auch, was ich schreibe: DEMENTIA sind gut. Erstaunlich gut, wenn man bedenkt, daß sie alle erst so um die 20 sind und aus dem nicht sonderlich inspirierenden Paderborn kommen. Ich möchte DEMENTIA nicht in eine musikalische Schublade pressen, und deshalb werde ich Vergleiche suchen, um ihren Sound zu beschreiben: Gerade die älteren Songs wie "Turning Point" oder "Searcher" erinnern von der Stimmung ein wenig an Life of Agony. Abstrakter gesagt: eine recht depressive Grundstimmung paart sich mit aggressiver Musik. Etwas komplexer arrangiert sind die neuen Songs, bei denen DEMENTIA mehr mit elektronischen Effekten herumexperimentieren und größere Spannungsbögen in ihre Stücke einbauen. Das heißt, daß düstere, schleppende Parts harten Eruptionen kontrastreich gegenübergestellt werden. Und dann ist da noch etwas, was mich sehr positiv überrascht hat: DEMENTIA sind keine Demo-Band, bei denen der Gesang der absolute Schwachpunkt ist. Hier schafft es die Band, der Musik einen in etwa gleichwertigen Gesang gegenüberzustellen, was im Demobereich nun wirklich nicht selbstverständlich ist. Alles in allem sind DEMENTIA also ziemlich gut, und die ganz neuen Songs, die ich gehört habe und die noch nicht auf dem Demo sind, versprechen sogar noch etwas mehr...

R.I.R.

 

EXPLICIT EINSAM - DAS ELFTE GEBOT

Die mittlerweile vierte Tapeveröffentlichung von EXPLICIT EINSAM ist genau das, was man von ihm erwartet. Blöderweise sind von den fünf Titeln auch nur zwei neu, die anderen drei finden sich schon auf dem "Im Paradies der verlorenen Tränen"-Tape. E.E. greift mit ihrer Musik das Band auf, welches von Das Ich und Goethes Erben geknüpft wurde; klassische "Neue Deutsche Todeskunst“. Auf die Dauer etwas langweilig, denn während sich oben Genannte weiterentwickelt haben, läuft E.E. diesem Gruftie-Ideal noch hinterher. Wem's gefällt...

M.W.

 

EXRURIMENTUM CRUCIS - PERE LACHAISE

Dieses Trio, bestehend aus Aljoscha Everding (Gitarre), Mirko Hentrich (Keyboards, Programmierung) und Oliver M. Dahm (Gesang), wurde im Sommer 1995 aus der Taufe gehoben. Musikalisch bewegt sich die Band in Dark-Wave-Gefilden, in denen eingestreute, melancholische Synthiemelodien und Gitarrenarrangements auf nachtschwarze Soundbilder stoßen und von markanten, dunklen Gesangseinlagen untermalt werden. Die vier Darbietungen sind recht unterschiedlicher Natur - es befinden sich ein getragenes, gefühlvolles Stück, ein Intro-artiger Song, der zermalmend finstere Track "Kalt wie Stein", sowie die "tonierte Predigt" "Last Night I met Lee" auf diesem Tape. Bonus also für Abwechslungsreichtum. Weniger begeistert bin ich von der teilweise etwas zu aufgesetzt wirkenden Gruftstimmung, aber das ist letztendlich ja Geschmackssache. Etwas überarbeitet werden sollte allerdings die Soundqualität, klingt doch a bißl dumpf, das ganze. Harren wir also der Dinge, die da noch kommen mögen.

A.X.

 

Furniture Fun / Dhyana Records

Schon etwas älter aber deswegen noch lange nicht verstaubt ist Furniture Fun. Wie schon bei der Schmoll-Compilation ist auch hier alles von ambient, trance, industrial, post-drum'n'bass, noise und silence vertreten. Ich möchte einige Bands und Songs hervorheben: 2000-The-GmbH & Mr. Moto Hypnose, Ajuuca, A green leavy substance drifting in an ocean of blue liquid, Gierno Giesmes Samas Auksakalys, Ma cherie for painting Eurosports (equitation) und Oh. Laika. Dies ist aber nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Tape und wer mehr hören möchte, der wende sich bitte an Dhyana Records.

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Gaping Chasm – Paroxysm / Richard Gürtler

Gaping Chasm ist das Solo-Projekt des „Crewzine“-Schreiberlings Roman „Ergo“ Petro, der mit „Paroxysm“ sein Debut-Tape vorstellt. Grob gesehen kann man das stilistische Wirken wohl am besten als minimalistischen Electro inklusive Industrialsplittern und melodiös sphärischen Soundlandschaften beschreiben. Die musikalischen Einflüsse sind laut Info bei REMYL, MORTAL CONSTRAINT, DIGITAL SLAUGHTER und YELWORC zu suchen, was man hier und da auch hören kann. Das Tape bietet elf düsterstimmige Songs, von ruhigen, mit Samples gespickten Soundtrack-Darbietungen („Tune“. „Death“, „1968“ [inkl. Platoon-Samples]) über die weiblichen Schreien (hier war „Ergos“ Freundin tätig), angereicherten Tracks („The End“, „The End“ [aggre-edit]) bis zu tanzbar eingängigen Stücken (,,The Power“). Das gelbe vom Ei ist das Tape zwar nicht, der Gesang ist oft zu laut abgemischt worden und wirkt zudem teils verkrampft, und stellenweises Rauschen bei den Sampleeinspielungen ist auch zu vernehmen, aber es ist ja noch kein Meister vorn Himmel gefallen, gelle? Was die Songs an sich betrifft, nette Ideen sind da, nun muß das Ganze nur noch besser umgesetzt werden und reifen wie ein guter Wein.

AX

Gaping Chasm – Reflection / Richard Gürtler

,,Reflection“ ist das dritte Tape von Gaping Chasm, und siehe da, es wurde meines Erachtens ein Schritt nach vorne getan. War das „Paroxysin“-Tape von der Grundstimmung her eher depressiv angehaucht, werden die elektronischen Eskapaden auf diesem Tape eher von einem aggressiven Wind heimgesucht, soll heißen, die Songs sind nicht mehr ganz so soundtrackartig und ruhig, sondern oft mit aufpushenderen; brachialblitzenden Elementen versehen. Ein paar Schwächen weist das Werk zwar auf; aber alles in allem ist's doch gut hörbar. Freaks, die auf morbide Klänge á la MORTAL CONSTRAINT abfahren, sollten ruhig mal reinschnuppern. Ein Lob übrigens für das professionelle schwarzweiß-Hochglanzcover. Keep it on, Ergo!

AX

 

Girnu Giesmes -Juodi Vasaros Trimitai / Dangus Productions

Dieses Tape kommt aus Litauen und bietet dem Zuhörer eine außergewöhnliche Mischung aus elektronische Musik und Jazz. Obwohl der Jazz nur gesampled ist und auch nur stückweise in die Songs eingesetzt wurde, ist er teilweise doch sehr dominant. Eigentlich mag ich Jazz nicht besonders, aber in dieser Mischung ist es einfach genial. Manchmal erinnern mich die Songs auch an Big Beat, aber das kann sich beim zweiten oder dritten Hören sowieso wieder ändern, weil die Songs einfach nicht einzuordnen sind und sich jedesmal irgendwie anders anhören. Prädikat: Sehr empfehlenswert.

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Honeychurch ‑ Honeychurch

Diese 2-Mann-Combo aus Stuttgart bzw. Aachen besteht seit 2 Jahren und hat eint Vorliebe für den „Daniel Miller Sound". Musikalisch bewegen sie sich ziemlich genau zwischen Depeche Mode und Depeche Mode. Ich würde deswegen aber nicht gleich von einem schlechten Plagiat reden, sie haben einfach diesen Stil aufgegriffen. So ist es wohl nicht verwunderlich, dass sie einen D.M. Song gecovert haben („But not tonight“). Ich kann eigendlich nichts schlechtes an den 5 Songs feststellen, sie sind alle eingängig und wollen wohl gefallen. Ich muß allen D.M.-Fans sagen: diese Band könnte fast ein Nebenprojekt der fabulosen four sein, also Leute, es lohnt sich, sich dieses Tape zu holen und nun Tschüß!

M.W.

 

IC 434 - Paralyzed Beyond und Drowning by Darkness / Side Line

"Cool", das ist das erste Wort, was mir einfällt, nachdem ich diese zwei Tapes verschlungen habe. Dieses belgische Duo hat's echt drauf, mit ihren elektronischen Kreationen den Hörer zu verführen. Old Pitchfork meets Calva Y Nada meets old Cat Rapes Dog, so die klangliche Erfrischungsmixtur der Band, oder anders formuliert, die gelungene Synthese aus geil fiesen Ohrwunnmelodien, gut ausgetüftelten Synthetic-Cocktails und einem dunkelrauh verzerrten Gesang, der ein wenig an Marc van Duwen (Image Transmission) erinnert. Sowohl "Paraliyzed Beyond" (1994), als auch "Drowning by darkness" (1995) bildeten ein sehr abwechslungsreiches Soundspektrum, mal brodelt und pulsiert es, bis Dir die Ohren rauchen, mal wirst Du in ruhig atmosphärische Gefilde entführt, dann wieder erlebst Du Tempowechsel innerhalb des Songs oder Du wirst mit Instrumentalstücken konfrontiert. Das ist es doch, was eine gute Band ausmacht - variantenreiches Spiel. Wer will schon ewig und drei Tage lang mit immer den selben Beats und Sounds gequält werden? Besonders hochprozentige Knaller sind meiner Meinung nach "Dreams an Distance" vom "Paralyzed Beyond"-Tape, sowie "Horsehead-Vocals" und "Headwatch" vom "Drowning by darkness"-Tape. Wer hier nicht mitgerissen wird, dem kann nur ein Hörgerät empfohlen oder musikalische Abgestumpftheit attestiert werden. Die Tapes sind definitive Einkaufstips für alle Electro-Zombies. Well done!

A.X.

 

INSECT PLASMA - ABOUT THE CRAVING AND THE PAIN / Insect Plasma Fanbase

Einen Tag vor Redaktionsschluß erreichte mich noch dieses Tape der seit 1991 bestehenden Elektronik-Formation INSECT PLASMA (Angus `ne var - Voice & Dramatics, a. Ivcar D - Machinery). Die dargebotene Klanglandschaft kann man wohl ohne Gewissensbisse als Melodie-Dark-Electro beschreiben, dem Hörer eröffnet sich eine Kombination aus tanzbaren, pulsierenden Beats, ausgefeilten Syntharrangements, eingängigen Ohrwurmmelodien und einem guten Gesang. Kein Bumm-Bumm-Proll-EBM, sondern harmonisch dynamische Sounds mit ideenreichen Samples ("Zensiert") und einer gut dosierten Mischung aus dunkler Melancholie und aggressiveren Zügen. Zwar ist derartige Musik heutzutage nicht mehr sehr neu und aufregend, aber es muß ja nicht immer das Innovative vom Innovativsten sein, oder? Bei mir hat dieses 7-Track-Tape jedenfalls einen netten Gesamteindruck hinterlassen, und da auch die Klangqualität sehr ordentlich ist, ist die Anschaffung dieses Werks durchaus lohnenswert. Anspieltip: "In my mind".

A.X.

 

Kaanbalik - AQL 1.5 (G1)

Diese Formation, bestehend aus Leif Künzel und Stefan Bähm, ist nix für Schubladen-Musik-Fans. Die vier Songs bewegen sich zwar alle im elektronischen Bereich, sind jedoch bizarr und ohne richtig erkennbare Songstruktur. "Train" beinhaltet sowohl sphärische, als auch krachig industrielle Momente, diverse Sounds, integrierte Zug-Geräusche und weiblichen (weniger überzeugenden) Sprechgesang. Hat Power! Weiter geht's mit "Excalibur", wo zunächst einmal die Bandbreite des vokalistischen Einsatzes auffällt - mal ultraverzerrt, mal natürlicher, mal Roboter-ähnlich. Sehr beatreich (teils techno-artig), explodierende Drums und abwechslungsreich innerhalb des Songs. "Experience" ist wohl das eingängigste Stück, trancig anmutende Hintergrundmelodie, partielle Technobeats, ruhige Zwischenparts und wieder gesangliches Wechselspiel. Letzter Song ist "Crash", eine instrumentale, leicht collagenartige Geräuschkullisse mit Samples und Ecken und Kanten. Wenngleich mir nicht alle Songs gefallen, so ist dieses Tape doch interessant und ideenreich. Lob auch für das gutgestaltete Hochglanzcover.

A.X.

 

Mental Cut - The Tape

Was Mental Cut mit den 4-Tracks auf ihrem Debut zustande gebracht haben, kann sich wirklich hören lassen. Hier wechseln schnell mitreißende Rhythmen mit langsamen Melodien umrahmt von eindringlichem Gesang. Wer sich mal wieder eine frische, neue Art der Musikinterpretation mit den herkömmlichen Instrumenten Gitarre, Baß und Schlagzeug antun will, sollte bei diesem Tape auf jeden Fall zugreifen - es lohnt sich. Der einzige Knackpunkt dieser Veröffentlichung ist, daß nur 4 Stücke zu hören sind, aber die lassen schon auf mehr hoffen.

M.W.

 

Pro Patria – Militaria / Stillbirth Mailorder

Hinter dem Namen PRO PATRIA stecken zwei Sound-Tüftler aus dem EBM-infizierten Belgien. So ist dann auch diese Band vom elektronischen Virus befallen. und das mit Haut und Haaren (no guitars an this tape). Dieses Tape bietet fünf Songs in klassischer, spätachtziger angehauchter Electronic Body Music-Manier, wobei das Klanggewand eine ausgewogene Mischung aus Melodiösität und Härte, Samples und gutem, unverzerrten Gesang darstellt. Einen gewissen Front 242-Touch kann man sicher nicht verleugnen, dennoch klingt die Band erfreulich eigenständig und entzieht sich so mit Leichtigkeit dem Schicksal, in einem Atemzug mit den vielen erbärmlichen Front-Kopien (Nein, keine Namen!) genannt zu werden. Mein persönlicher Favorit ist das tanzbare, clubtaugliche (DJ´s aufgepaßt!) Stück „Hard Times“, aber auch die anderen Songs, wie z.B. das instrumentale „Discipline“ oder das leicht düstere „Ad Mortem“ sind ganz gelungene Kompositionen. Hörenswertes Machwerk, in das EBM-ler mal reinhören sollten.

AX

 

Psychedelic Headshot - First

Ich habe selten mit so minimalistischer, beinahe kranker Musik, Kontakt gehabt. Was mir auf diesem Band zu Gehört gebracht wird, ist derart einzigartig, daß ich kaum weiß, wie ich es beschreiben soll. Die sterile, monotone Musik erzeugt mehr als Gänsehaut. Sie reißt einen nicht mit, sie beeinflußt den Hörer derart, daß er gar nicht in der Lage ist, abzuschalten. Die wenigen Textstellen faszinieren durch ständiges wiederholen. Man kommt gar nicht auf die Idee, daß vielleicht ein bißchen übertrieben wenig Musik und Text geboten wird. Wer nach diesen 13 Stücken immer noch der Meinung ist, das Leben wäre schön und alle Menschen wären im Grunde gut, ist entweder schon total abgestumpft, oder hat einfach zu wenig Verständnis, um diese Musik gänzlich in sich aufzunehmen. Wer sich dieses Tape nicht bestellt, ist feige!

M.W.

 

The Picture Book - First Page

Mit dem ersten Demotape dieser Schweizer Band tue ich mich etwas schwer. Die Musik ist eigentlich ganz normale Gitarrenmucke, wie sie andere Bands auch machen. Ohne irgendwelche Besonderheiten oder Höhepunkte. Ich würde fast sagen, es ist halt einfach O8/15-Musik, für Leute, die jedoch auf schnörkelose Arrangements stehen wird dieses Tape genau das Richtige sein. Für meinen Geschmack zu glatt.

M.W.

 

PROJEKT BLAULAND - ZEITREISE

Daniela hat eine "Blaulandvision" und schreibt Gedichte. Alexander hat musikalische Ideen und ist sowieso der Meinung, singen zu können. Also gründen sie das „PROJEKT BLAULAND". Alexander interpretiert nun Danielas Gedichte und entwirft einen Soundteppich. Auf ihn stehend gibt er in guter alter Alexander Veljanov-Manier die Texte seiner Mitstreiterin wieder. Ja und??? Ich finde das "Original" besser, in musiaklischer, wie in stimmlicher Hinsicht. Es ist halt das Los des erfolgreichen kopiert und nachgeahmt zu werden. Aber ich glaube nicht, daß hier eine Konkurrenz für unserer aller Lakaien zu befürchten ist; dafür besitzt dieser Alexander wohl etwas zu wenig Eigenständigkeit.

M.W.

 

SCIENCE VS. NATURE - REFLECTION

Wie zum Henker soll ich Euch jetzt erklären, was Ihr von SVN zu erwarten habt? Auf jeden Fall ist es Elektro-Mucke, was angesichts der Bodystyler-Verbindung (in welcher Weise auch immer) ja eigentlich logisch ist. Tja, mit Keyboards und Mikros kann man schon `ne Menge machen. Das haben sich wohl auch SVN gedacht und dreizehn durchaus hörbare Songs auf Tape gebannt. Teilweise verspielt, aber immer tanzbar, hallt es aus meinen Boxen. Ich will die beiden gar nicht mit anderen vergleichen, da im Endeffekt jeder Vergleich irgendwie hinkt. Also - Fazit: nicht der absolute Renner, aber "immerhin" gutes Mittelmaß.

M.W.

 

STIN SCATZER – TALK ABOUT INDUSTRO

Ei, ei, ei, was schneit denn da in meine Gruft? Johan Van Roy (Suicide Commando - greetinx & many thanx) hat mit "Code" soeben sein eigenes Tape-Label gegründet und gibt mit vorliegendem Tonträger seinen Einstand. STIN SCATZERist das Solo-Projekt des Belgiers Stefan Bens, den einige vielleicht schon von Lescure 12, wo er mit Johan zusammen arbeitet, kennen. Bereits nach den ersten Klängen dieses Tapes fühle ich mich wie erschlagen, denn was hier berstend die Boxen entehrt, ist minimaler Electro-Industrial der unbarmherzigsten, morbidesten Sorte. Dive meets Suicide Commando, harsche Rhythmen, knallige Noise-Attacken, kalte Melodie-Parts, endlose Monotonie und ein Gesang, der nicht gerade vor Optimismus überschäumt. Friß oder strib! Tracks wie "Talk about...", "I will die" und "No emotions" haben meiner Meinung nach durchaus das Zeug dazu, die Tanzflächen zu erschüttern und zum brodeln zubringen, während Instrumentalstücke wie "At 00.01 a.m." und "Ancestors" eher fürs häusliche abdriften oder als Untermalung für einen John Carpenter-Film geeignet scheinen. Für Liebhaber ganz extremer Krachorgien gibt's hier auch einen Schmankerl, "The end of the world" ist Lärm pur und klingt wie eine kastrierte Bohrmaschine. Naja, oder so ähnlich, hört es Euch selbst an. Mir persönlich gefällt der Track weniger. Das tut dem Gesamturteil über dieses Tape jedoch keinen Abbruch. "Talk about Industro", das sind 13 Songs mit dem lieblichen Charme frostiger Winternächte, 40 Minuten Analog-Folter für Menschen mit starken Nerven. Das Ganze ist zwar wenig innovativ, aber wen stört 's, es ist geil gemacht. Play at maximum volume!!!

A.X.

 

IMPRESSION OF WINTER - FLORES GELIDI - MC - EIGENPRODUKTION

Gefrorene Blumen, der Titel dieser überaus guten MC. Gefrorene Blumen des Winters, die Melancholie durch gekonntes Umgehen mit Streichersounds und dezentes Einsetzen der Gesangsstimmen vermitteln. Lateinisch klingt es geistlich und schön. Englisch vermitteltes einen Hauch von Wärme. Es ist faszinierend, wie dieses Tape warm und kalt zugleich klingen kann, gesteuert vom eigenen Empfinden, und dadurch ist es wirklich möglich, sich wirklich in diese Musik verlieren. Gesanglich interpretiert werden die gefrorenen Blumen sowohl von Lathka als auch von Joe, die beide zusammen die Formation "IMPRESSIONS OF WINTER" bilden. Das Verwenden des Pianos erzeugt dann noch mal in Gänze einen eigenartigen Schauer auf dem Rücken. Gelungen ist ebenfalls das Cover. Braun- gelbstichige, geheimnisvolle Bilder auf marmoriertem Untergrund. Löblich auch, daß alle Texte sich nachlesen und vor allem auch mitlesen lassen. Sechs Tracks geben IMPRESSION OF WINTER zum Besten, mit einer Spielzeit von etwa 30 Minuten. Schade ist nur die Bandqualität und damit auch die Klangqualität. Ich denke, wer am Cover nicht spart, sollte auch etwas ins Bandmaterial investieren. Die Stücke klingen teilweise drastisch übersteuert. Wäre mit Chrom-Tapes vielleicht nicht passiert. Sind wir mal auf die CD gespannt, da gibt es dann nur noch Kunststoff und gute Musik!!

L.H.

 

WINGS OF DESTINY - FIRST DESTINATION

WINGS OF DESTINY wurden im März 1995 gegründet und bestehen in der jetzigen Besetzung seit März diesen Jahres. Ihre Musik beschreiben sie als "gitarrenorientierte Rockmusik", wobei sie Elemente aus dem Wave/Gothic-Bereich einfließen lassen. Auf dem Tape befinden sich drei Songs mit gradlinigem Charakter, straighte Gitarrenmusik mit Melodietupfem. Leider fehlen die herausragenden Momente, kompositorisch bewegt man sich eher im Durschnittsbereich. Der Gesang ist größtenteils o.k., in manchen Passagen wirkt er jedoch etwas verkrampft. Ich denke, für das "Abenteuer CD" benötigt man noch etwas Reife, aber ansonsten: annehmbare Nebenbeihörmusik.

AX

 

STERBENDE WELT / XOTOX - DÖNOPTIC - Split-Tape, NEUF NOIR Records, A. Davids, Steinkerfeld 7, 59602 Rüthen-Altenrüthen

Nein, mit Dönern hat dieses Tape wirklich nichts zu tun. Naja, vielleicht doch ein wenig, geht es bei STERBENDE WELT doch auch um den Umgang der Menschen mit ihrem Nahrungsmittel Nr. 1, dem Tier. Doch kommen wir zur Musik. Auf der A-Seite gibt es 7 Stücke von eben dieser STERBENDEN WELT, die hier exzessiv minimaler Noise- und Industrialmusik frönen. Für mich ist das Ganze dann doch ein wenig zu minimal, über weite Strecken, gibt es außer atmosphärischen Rauschen nicht viel zu entdecken. Das erinnert mich irgendwo ein wenig an diese Wissenschaftler, die mit ihren hochmodernen Gerätschaften das All nach intelligenten Lebenszeichen belauschen. Da rauscht es auch monoton vor sich hin. Die gelegentlich auftauchenden bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Sprachsamples können da leider auch nicht mehr viel retten.

Interessanter wird es mit der B-Seite und XOTOX. Hier wird nicht auf einen Rhythmus verzichtet und auch Melodien machen sich gelegentlich breit. Zudem scheint hier jemand Spaß daran zu haben Samples mit absolutem Wiedererkennungswert ein wenig durch den Industrial-Fleischwolf zu jagen (ich habe es immer gewußt, die Schlümpfe sind kleine blaue Industrialfans). So gelingt es ohne weiteres, gegen die großen Namen, die aus jeder Szenedisco bekannt sein dürften zu bestehen. Und gäbe es XOTOX auf CD, würde es mich nicht wundern, wenn sich hierzu die Tanzflächen demnächst ebenso füllen.

Thorsten Kübler

 

CREMATRON (Ex-Religious Vision) - Gods Of The Eternal Silence

l3-Treck Tape, Morbid Sound Destruction

Finsteren Gothic-Techno-Industrial bieten uns Crematron, die bei diesem Tape noch unter dem Namen "Religious Vision" experimentierten. Auf den Hörer kommt aber keine Noise-Attacke zugeflogen sondern eher tiefschwarzer, zum Teil auch ruhiger und beatorierter Industrial. Samples gepaart mit "doomigen" Keyboard-Sequenzen. Einige kennen die Formation vielleicht vom der CD-Compilation "Inside Out", auf der das Stück "Come Back, Black Lover" vertreten ist. Über die gesamte Tapelänge erstreckt sich eine gotische bis "murderers mind"-Atmosphäre. Von Berichten über Amokläufer und Horrorszenarios bis zur "Aufarbeitung" des Themas Judenvernichtung wird so ziemlich alles angesprochen, was uns tagtäglich in den Nachrichten oder allgemein im Leben begegnet. Auch das mehrfach klappbare Cover zeichnet sich durch "elementare Todesvisionen" aus, wobei man manchmal an ein Death-Metal Cover erinnert wird. Wer auf Industrial steht findet hier ein weiteres interessantes Tape, aber auch für "normale" Gothic/Wave-Hörer dürfte das Tape ihren Reiz haben. Hier werden fast alle Konventionen des inzwischen zum Konsumermarkt dahinsiechenden Gothic/Wave-Marktes gebrochen und musikalisch völlig anders dargestellt. Spätestens jetzt dürften sich Crematron einen Namen machen, bisher waren sie ja eher ein Tip in der Industrial-Szene.

Auf neuere Veröffentlichungen darf man gespannt sein, ich konnte bereits in das neue Crematron-Material hereinhören und muß sagen, daß sie noch besser geworden sind und einiges für die Zukunft erwarten lassen.

Armin Kessel

 

DEVON - Energy

4-Track Tape

Toll! Lange Zeit habe ich nicht mehr so genialen Industrial-Metal gehört. Das 2. Tape der seit Mitte `92 existierenden Formation "Devon" überzeugt durch äußerst saubere Produktion (Sound sowie Covergestaltung) und kraftvollen, klaren Industrial-Metal, den sie selber als psycho-active lndustrial-Metal" beschreiben. Der Titel "Eergy" drückt genau das aus, was den Hörer erwartet, es handelt sich hier also nicht um Abgefahren"-Metal der XY-Sorte. Wer mit Prong oder Ministry etwas anfangen kann, sollte zugreifen. Hier werden wirkliche neue, zum Teil straighte Sound-Strukturen und Sounds aufgezeigt und nicht irgend etwas aufgewärmt. "Devon" arbeiten bereits an ihrer ersten CD "I.C.U.", die einiges erwarten läßt. Es wird höchste Zeit, daß sich ein Label findet und diese Band unter Vertrag nimmt.

Armin Kessel

 

ELECTROPE Vol. I - Never judge a tape by its cover

Mit der Compilation "ELECTROPE Vol. I; "Never judge a tape by its cover" erschien schon Dezember 1993 eine hörenswertes Tape. Der C-90-Sampler zeichnet sich durch die Vorstellung von 21 Bands aus unterschiedlichen Bereichen der elektronischen Musik aus. Bekannteste Vertreter dürften hier Namen wie "ENDRAUM", .PP?", oder "SABOTAGE - CE QUE C´EST?" sein. Besonders zu erwähnen ist die für Tape-Sampler nicht gerade übliche sehr gute Klangqualität des Tapes. Das Soundgefilde ist sehr unterschiedlich, so tinden Freunde des "Nitzer Ebb"-Sounds in "ZERO DEFECTS" eine Band, die qualitativ überdurchschnittlichen EBM der alten Schule vorträgt. Für Liebhaber des älteren 80's Wave-Sounds stellt sich hier "DUSK TO DAWN" mit einem sauber produzierten "Ashes" vor. Eine im Tape-Bereich bekanntere Band namens "CYBER" stellt mit "Orbit 7914" ein sehr eingängiges Stück vor. Kurz gesagt bietet die Compilation alles was das elektronische Herz benotigt. Bei einigen Stücken werden auch einige Erinnerungen an TANGERINE DREAM oder TWICE A MAN wach.

Armin Kessel

 

Electrope Vol. II - We Came to Trance

20-Track Tape, Electrope

Der Nachfolger des ersten Tape-Samplers von Electrope bietet wieder allerhand synthetische Musik quer durch alle Stilarten. Bekanntere Acts dürften "The Permanent Confusion", "Der Prager Handgriff", "Sleep-walk", "Jagged Fragment" und "Experiance Of Nation" sein. Bei diesem Sampler sind außergewöhnlich viele Newcomer-Bands aus dem europäischen Ausland zu finden, wie "Neuroactive" aus Finnland, "Morbid Fancy aus der Slowakei. Aber auch ein Act aus den USA "Mark Lane" ist vertreten. Wieder einmal ist es gelungen einen qualitativ guten Querschnitt durch die Tape-Synthetic-Szene zu veröffentlichen. Die Klangqualität des Tapes ist sehr gut. Besonders hervorzuheben sind das Stück "Learn To Die" von Jagged Fragment und The Permanent Confusion mit "Stoned Again". Das Cover ist schlicht geraten, das tut aber keinen Abbruch. Er wird sich sicherlich genauso gut verkaufen wie Vol. I - immerhin über 200 mal verkauft.

Armin Kessel

 

JAGGED FRAGMENT - Creature

8-Treck Tape

Dieses Duo hat sich Formationen wie ältere Front 242 und Skinny Puppy klar erkennbar zum Vorbild genommen. Das Tape "Creature" ist ein Konzept-Tape, welches das Leben einer Kreatur beschreibt und dementsprechend mit "Creatures Birth" und "Creatures Death" beginnt bzw. endet. Schwierig bei EBM-Bands ist es, sich von den Vorbildern zu lösen und eigenständische Musik zu machen. Hier jedoch werden vielleicht auch bewußt ältere EBM-Strukturen und Sounds aufgegriffen und zu eigenen Songelementen vermengt. Die Soundqualität ist überdurchschnittlich gut. Da dieses Tape bereits das 3. Tape von Jagged Fragment ist, merkt man den Songs schon eine gewisse Reife an. Die Band sollte sich aber noch einige Zeit nehmen, bevor sie an eine Veröffentlichung in Form eines CD-Debuts denkt. Viele EBM-Bands haben leider viel zu früh an eine CD-Veröffentlichung gedacht und sind im "Überschwemmungsmarkt EBM" untergegangen. Weiter positiv anzumerken ist, daß auch hier ein Text- und Infobooklet beiliegt.

Armin Kessel

 

LANE TO THE GREY - Demos

6-Track Tape

Erstaunliche Qualität bieten LANE TO THE GREY auf ihren Demo-Tapes. Die 5-köpfige Band orientiert sich klar hörbar an den The Fields Of The Nephilim. Während genannte Band schon seit 3 Jahren der Geschichte angehört, setzen I,ane To The Gray genau da an, wo Carl & Co. 1991 aufhörten. Das heißt sie produzieren atmosphärischen Gitarrenwave mit teilweisem Einsatz von schwebenden Keyboard-Flächen.. Ziel der Band ist es, eine düstere jedoch nicht bedrohliche Atmosphäre entstehen zu lassen. Anspieltips: "Dream Of Innocence" und "Talion". Zum Tape wird eine Infobroschüre beigelegt, welche die Band ein wenig vorstellt und die Aussage der Band beschreibt. Leider ist die Aufnahmequalität nicht so gut, man kann dies aber durch entsprechende eq-Einstellungen wieder ausgleichen. Live bieten Lane To The Grey ein ca. 90 minütiges Programm, welches man sich vielleicht demnächst auch schon ansehen kann.

Armin Kessel

 

REVENGE OF NEPHTHYS - Demonstration

5-Track Tape

In der Tradition des Dark Rock/Pop findet sich die aus Braunschweig stammende Band wieder. Das Tape bietet auf der 1. Seite neues Material, das aus der Zeit nach dem Wechsel des Sängers stammt. Die Songs können voll überzeugen. Besonders hervorzuheben sei, daß der Sänger keinesfalls versucht irgendwelche draufgesetzte Tonlagen zu finden, sondern einfach natürlich singt. "Crying Time" und "In Forgotten Past" stechen besonders hervor, der Hörer fühlt sich sicherlich in der Tradition von The Cure in der Mittelphase wieder. Eine Fusion aus Dark Rock und New Wave wird uns im ersten Stück "Senseless" geboten. Die "Rache der Nephthys (Schwester der altagypt. Göttin Isis)" ist seit ihrer Debut-CD ausgereifter und komplexer geworden. Die B-Seite des Tapes spiegelt dies wieder, schon allein ein neuer Sänger kann vieles verbessern. Bei "Take The Dark Train" sang noch Oliver Mika, der doch etwas Probleme hatte, voluminöse und vor allem hohe Tonlagen zu finden. Der Weg, den die Band beschreitet, ist richtig, so daß ich gespannt darauf bin, wie das im Frühjahr nächsten Jahres erscheinende Nachfolgealbum "Crying Time" klingen wird. Die Band hat es geschafft eigenständig zu klingen und vor allem sich deutlich über viele andere Bands gleichen Genres zu stellen. Diese Band stellt ein Beispiel dafür da, wie man 80'er Jahre-Klänge in die 90'er transformiert ohne verstaubt zu klingen, ein warme Beispiel dafür ist "In Forgotten Past". Weiter so!

Armin Kessel

 

SOUND OF VISION - Swelling Of Time

8-Track Tape, Obscura Promotion

Das mittlerweise 4. Tape der Kasseler Elektronik-Band beginnt mit einem treibenden, und auf Flächensounds dominierenden Stück "Realm Of Our Youth". Unterschiedliche Themen finden sich in der Musik von Sound Of Vision wieder. So wird neben dem Thema Ausländarfeindlichkeit in "Der Feind" oder Sozialkritik in "Amok" auch Coverversion von The Cure´s "A Forest" vorgestellt. Das Tape bietet auf 8 Stücken alle Facetten der gemäßigten Elektronik. Bernd Otto, Jens Zymantas und Peter Hilfer setzen vornehmlich auf melodische Einheiten Sie bieten einen eigenständigen Sound, der aber noch verfeinert werden muß. Positiv hervorzuheben ist die gute Covergestaltung des Tapes. Wie viele Newcomer-Bands sind auch Sound Of Vision bestrebt möglichst viele Live-Auftritte zu absolvieren, bei dem sie mit druckvollen Sound aufwarten. Wie sich die Band weiterentwickeln wird, muß sich zeigen. Gelegenheit einer Hörprobe darf man in Zukunft u.a. auch auf neuen Tape/CD-Samplern erwarten.

Armin Kessel

 

THE BLUES OF A LESSER GOD - Groove-T Music

l0-Track Tape

Sänger Andreas dürfte noch von den Dusk To Dawn bekannt sein. Mit "Groove-T Music" präsentiert er nun das 2. Tape seiner neuen Band "The Blues Of A Lesser God". Endlich benutzt eine Newcomerband mal wieder Gitarren und das in dem Maße, daß hier zum Teil richtige Power aufkommt. Zum Teil deswegen, weil auch an tolle Balladen gedacht wurde, die dann hauptsächlich durch Elektronik betont sind und die Gitarre etwas in den Hintergrund tritt. Dieses tut den Stücken aber keinen Abbruch. Von Electrocore bis leichten EBM-Einsätzen wird hier alles geboten, was auch beim Liveeinsatz unheimlich wichtig ist, und das ist der dichte und druckvolle Sound, den die Band bietet. Dieses sehr gut gelungene Tape bietet von Aggressiven über melancholischen bis stimmigen Liedern alles, was das Electro-Herz benötigt. Dabei ist "Blues" nicht falsch zu verstehen, es soll hier aufgezeigt werden, daß die Musik und die Texte eine Art Katalysator der Seele darstellen. Zwei der besten Stücke auf dem Tape sind für mich "All You Angels" und auch "Wuff" (erinnert mich irgendwie an die "I wanna be your dog"-Version von Mephisto Walz...), letzterer ein toller, kraftvoller Electro Punk-Song. Dem Tape liegt ein ausführliches Textbooklet bei.

Armin Kessel

 

The Orphobia - Unchained mephistophelean

The Orphobia betitelt sich eine 4-köpfige Band aus dem ostwestfälischen Raum, deren mystisch-atmosphärische, z.T. aber auch aggressive Musik im Bereich des "Dark Electronic" anzusiedeln ist.

Auf der musikalischen Grundlage von Drum-Pads und Synthesizer kontrastieren Sänger Stefans rauhe und stellenweise recht düstere Stimme mit den hellen Back-Vocals Cassandras.

Die Anfänge der Band wurzeln in Experimenten und Instrumentalkompositionen auf dem Synthesizer, die durch melancholische und mystische Texte von Bibo geprägt wurden, bevor sie begann, auf zunächst selbstgebauten Drum-Pads zu spielen.

Doch nicht nur depressive Themen werden in dem Texten verarbeitet, so werden seitens Stefans auch aktuelle, politische und kritische Themen aufgegriffen. die den Hörer zu eigenen kritischen Denken animieren sollen.

Versinnbildlicht wird textlich wie musikalisch der fortwährende Konflikt zwischen "Gut" und "Böse", wobei das Ende dieses Kampfes offengelassen wird.

Auch die Bedeutung des Namens "Orphobia" zeichnet sich als Leitmotiv sämtlicher Songs ab: abgeleitet von dem griechischen Wort "phobie" (krankhafte Angst) symbolisiert "Orphobia" die ständig wachsende Angst vor einem ungewissen "morgen". Bisher präsentierten sich "Orphobia" auf mehreren Konzerten im regionalen Raum, wo sie auch ihre beiden Demo-Tapes "Necromancy" und "Unchained mephistophelean" vorstellten, die auch privat bestellt werden können. Desweiteren ist die Band vertreten auf verschiedenen Tape- und CD-Samplern, u.a "Art&Clip Edition" und "An Ideal For Living", ebenfalls sind weitere Konzerte geplant.

Armin Kessel

 

Tape-Sampler: The Torturer Vol. 3

Es ist doch immer wieder erfreulich zu sehen, daß es auch in der Tape-Szene interessante Bands und Tonträger zu entdecken gibt. Ein besonderes Kleinod lieg mit diesem Tape-Sampler vor, auf dem 13 Bands aus dem Darkwave / Gothic-Bereich ein Stelldichein geben, inklusive Teilnehmern aus dem europäischen Ausland Geheimnisvolle Klänge von Chateau Royale leiten die musikalische Reise ein, gefolgt von The Faith, die mit The Cage ein flottes Wave-Stück zelebrieren. Cathedral (live) von Dream 8 wandert auf gothic-rockigen Spuren, Dead Souls Rising treiben den Puls mit galoppierendem Rhythmus in die Höhe. Chimson Joy (Andronyme) avancieren zum ersten Höhepunkt, die wissen mit dunklen, intensiven Soundscapes zu überzeugen - gut arrangierter Song. Grass Harp liefern langweiligen Allerweltsrock, kann ich mich nicht mit anfreunden. Die Franzosen Lcie Cies dürften einigen von Euch ein Begiff sein, ihre Mixtur aus Post-ÜPunk, Cold-Wave und Gothic kling sehr interessant. Kiss The Blade (Kind) treiben mittels Up-Tempo-Nummern den Schweiß auf die Stirn, Midnight Configuration (Nightmare Station) kredenzen bedrohlich-agressive Töne, a real nightmare. Melancholie prägt die an den Frühachtziger-Wave angelehnte Tonierung Masquerade von Shadowplay, Passionplay haben Charakterzüge á la Fields und Asylum, eine leicht düstere Stimmg entfachen Realm of Doom mit ihrer Sinfonie. Ein Sampler, den man gerne einmal auf sich wirken läßt...

AX

 

Schmoll / Dhyana Records

Auf dieser Compilation sind Bands wie Hermafrodit, Das Rhythmische Ornament und Depp vertreten (natürlich auch noch viele andere). Das Tape ist sehr vielschichtig, dadurch das alle Bands ihren speziellen Sound einbringen und so macht das Hören von Schmoll durchweg Spaß und wird nicht langweilig. Schön ist auch die Aufmachung und das Cover, aber das ist man bei Releases von Dhyana Records ja gewohnt.

Schmoll bietet bestimmt keine Musik für jedermanns Ohren, aber wer für Musik offen ist, wird sich dieses Tape zulegen und nie mehr aus den Händen geben.

AD

 

Second Disease - Dogma

Eigentlich ist dieses Tape ja bereits 2 Jahre alt, aber sehr geegnet für Leute, die durch das Interview vielleicht neugierig geworden sind. Auf diesem 6-Track-Tape zeigen sich die beiden Klangtüftler, die ihre Musik selbst als „Synthese von mystischen Sounds und hartem Industrial“ beschreiben, von ihrer harten und düsteren Seite. Eingängige Melodien, Samples, harte Beats und experimentelle Klangeteppiche kreieren eine einartige düster-bedrohliche Soundmelange, die nie langweilig wird. Im Gegenteil: Stücke wie das treibend-tanzbare Observation oder das phantastische Angel of Death haben das Zeug dazu, die Eledrogemeinschaft zu begeistern. Ich bin es schon!

L.S.

 

Xabec – Klänge (m)einer Zeit / Verkocht Communications

Xabec benutzen ziemlich außergwöhnliche Instrumente um Klänge und Sounds zu erzeugen, z.B. Sandpapier, Eierschneider, Uhrwerke, Tiere und Steine, aber auch Sampler und Synths. Klänge (m)einer Zeit ist ein Gesamtkunstwerk und entfuhrt den Zuhöhrer auf eine akustische Reise. Einfach nur Zuhören und genießen. Also für micht ist dieses Tape eines der besten, was ich in letzter Zeit gehört habe. Bloß zugreifen.

AD

 

ZERO DEFECTS - Into your lunatic brain

Hier liegt uns nun nach "Into your electric Brain" das 2. Tape der Hamburger Formation vor. Bereits als einer der Höhepunkte vom "ELECTROPE Vol. I"-Sainpler bekannt, präsentieren sich hier ZERO DEFECTS in Album-Länge. Sie selbst bezeichnen ihre Musik schlicht und einfach als "elektronische Musik", wobei der Hörer auf Vorbilder wie Nitzer Ebb oder Front 242 stößt. Hier wird aber nicht einfach kopiert, sondern es werden eigenständische Elemente mit typischen EBM-Strukturen vermengt. Für EBM-Bands eher ungewöhnlich ist der deutliche Gesang, der weitestgehend auf Effektmittel verzichtet. Sascha Kurz (Programming/Voice) und Thorsten Marx (Keyooard/Producing) bieten tanzbaren und teilweise recht harten Techno, deren Beat die Hüften und Beine nach Bewegung rufen laßt. Das Tape wird bei dem noch jungen Tape-Label "ELECTROPE" vertrieben und ist dort für l0,-DM (incl. Porto und Verpackung) erhältlich. Das Auftrittsmanagement sowie die Promotion der ZERO DEFECTS wird komplett. vom ELECTROPE-Management geleitet.

Armin Kessel

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