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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Rezensionen - Videos - Nosferatu - EINE SYMPHONIE DES GRAUENS

 

Originaltitel: NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS Darsteller:
nach dem Roman "Dracula" von Bram Stoker Max Schreck
Regie: Friedrich Wilhelm Murnau Gustav von Wangenheim
Produziert: BRD 1922 Greta Schröder
Produktionsfirma: Prana Alexander Granach
Kinoverleih: offen Georg Heinrich Schnell
Länge: 84 min Nosferatu
FSK: ab 16
Erstaufführung: 4.3.1922
23.6.1969 ARD
4.4.1981 DFF 1
29.12.1988 ZDF (rekonstr. Fassung, die auch die ursprünglichen Farb-Viragen wieder herstellte.) 

 

Story

Der in Wisborg ansässige Inmobilienmakler Knock bekommt den Auftrag, für den in den Kaparten wohnenden Grafen Orlok ein Haus in seiner Stadt zu suchen. Er entscheidet sich für das schnell verdiente Geld und will dem Grafen das verfallene Haus genau gegenüber dem seinigen verkaufen. Er schickt seinen Mitarbeiter Thomas Hutter zu dem Grafen nach Transsylvanien, um ihm das entsprechende Angebot zu machen. Schon kurz bevor Hutter das Schloß erreicht, bemerkt er die Angst der Einwohner, welche ihm heimlich ein Buch über Vampyre zu stecken, was er zuerst amüsant findet.

Hutter lernt den Grafen als einen düsteren, schmächtigen und eingefallenen Mann kennen. Als Graf Orlok ein Foto von Hutter´s Frau Ellen sieht, ist er sofort angetan von deren Schönheit und unterschreibt den Vertrag für das alte Haus. Doch schon in dieser Nacht erkennt Hutter, was er getan hat. Nosferatu

Er hat dem Horror zum Einzug in seine Stadt verholfen, in dem er den Grafen den Vertrag unterschreiben ließ. Am nächsten Morgen bemerkt Hutter zwei Bißmale an seinem Hals, und ihm wird klar, daß Graf Orlok ein Vampyr ist. Tatsächlich erscheint der Graf des Nachts in Hutters Zimmer und will dessen Blut trinken, doch im fernen Wisborg erwacht Hutters Frau Ellen aus dem Schlaf, und merkt, daß etwas nicht stimmt und ruft den Namen ihres Mannes. Graf Orlok bemerkt dies und läßt von Hutter ab. Kurz darauf macht sich der Graf auf einem Schiff auf den Weg nach Wisborg. Auch Hutter beginnt die Heimreise, und fast zeitgleich kommen sie in Wisborg an, wo vom gleichen Augenblick an die Pest ausbricht. Ein auffälliges Merkmal besitzt jedes Opfer: die zwei Wundmale am Hals. Ellen findet das Vampyr-Buch in Hutter´s Gepäck und kann daraus entnehmen, wie man dem Üblen ein Ende bereiten kann. Denn eine unschuldige Frau muß sich opfern, und Ellen beschließt, daß sie dieses Opfers sein wird...

 

 

Facts and Rumors

Nosferatu Für mich ist dieser Steifen viel mehr als ein alter Kinofilm, der von seiner Atmosphäre bis heute nichts eingebüßt hat. Es ist ein Meisterwerk des deutschen Stummfilmexpressionismus, und der Film entstand nach Motiven des romantischen Schauerromans von Bram Stoker und ist der geniale Vorläufer und Maßstab späterer "Dracula"-Verfilmungen.

Mit der Detailverliebtheit des Films ist es gelungen, durch die natürlichen Kulissen eine surreale, beklemmende Atmosphäre hervorzurufen. Murnau nutzt virtuos die technischen, poetischen und emotionalen Effekte des Mediums und entwirft - indem er den Einbruch des Dämonischen in die bürgerliche Idylle schildert - ein düsteres Spiegelbild kollektiver Ängste in der Weimarer Republik. Es wurde fast ausschließlich an real existierenden Schauplätzen gedreht, die manchmal durch einfache Dinge wie besondere Perspektiven und zugefügte Gegenstände stark verfremdet wurden. Der Regisseur Friederich Wilhelm Murnau verfremdete die Bilder auch, indem er mit verschiedenen Ablaufgeschwindigkeiten spielte, wie z.B. bei der rasenden Kutsche oder beim Aufzurren der Särge. Auch verwendete er hier Stop-Motion-Technik, so daß es aussieht, als würden sich die Särge selber aufladen.

In der Szene, als Hutter im Nebenzimmer seines Schlafgemachs entdeckt, das sein Gastgeber ein Vampir ist, kann er sich, obwohl der Vampyr sich ihm auffallend langsam mit der Starre eines Leichnams nähert, nur noch schreiend und mit angstverzerrtem Gesicht in sein Schicksal ergeben. Die Szene wirkt abgesehen von ihrer technischen Brillianz auch ungemein glaubhaft, denn es erscheint völlig normal, das man angesichts eines derart andersartigen und unbegreiflichen Geschöpfes zu keiner auch nur annähernd logischen Handlung mehr fähig ist.

Spätestens seit diesem Meisterwerk der Filmgeschichte ist Murnau der Ruf, einer der besten Filmemacher Deutschlands zu sein, mehr als zu Recht gewiß. Auch seine späteren Werke gehören zu den bedeutendsten Filmen der Kinogeschichte. "Nosferatu" ist wahrscheinlich der beste Film, der je gemacht worden ist, und mit Sicherheit der Kraftvollste, Dunkelste und Dämonischste. Nosferatu

Eine auch nur annähernd ähnlich intensive Bildersprache können im höchstfall noch Wienes "Das Cabinett des Dr. Caligari" mit Conrad Veidt und Dreyer's "Vampyr" aufweisen. Werner Herzog ist 1979 ein gelungenes Remake geglückt, das vor allem durch die darstellerische Leistung von Klaus Kinski in der Rolle des titelgebenden Vampir beeindruckt.

Alles in allem ist dieser Film mehr als ein absolutes Muß, denn er ist sowohl ein Genuß für die Sinne als auch ein zutiefst aufwühlendes Erlebnis.

Aquarius

 

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