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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Archiv Rezensionen - Z -

 

Zeraphine
Zeromanzer
Zoon Politicon
Zwischenfall - Gestern Und Heute
Zero Tolerance
Die Zukunft des deutschen Schlagers
Zwischenfall

 

Die Zukunft des deutschen Schlagers - Live im Spinnrad, Gelsenkirchen - Walkmanaufnahme

Die sogenannte Zukunft des dt. Schlagers kann zwar nur besser werden, denkt sich der geschulte Hörer, doch ist er ja noch nicht informiert über Kellergeister wie die sich selbst als die "Zukunft des deutschen Schlagers" bezeichnende Combo bzw. unregelmäßige Männergruppe. So gut wie die Grundidee gewesen sein mag, am Ende kommt nur Scheisse raus. Von der Qualität der Aufnahme mal abgesehen beschreibt sich der Sound am besten gar nicht. JBO nach 45min Sauerstoffentzug wäre hochwertiger als die Schlagerjungs, die wohl schon in der ersten alleine in der Bank saßen, da sich den geistigen Dünnschiss wirklich niemand ernsthaft guten Gewissens anhören kann.

Schlecht gemachter Schlagertrash ohne Rücksicht auf Verluste (Track 14: "Hände weg von Lady Di"). Die wohl schlechteste Helgeschneiderkopie hat hoffentlich keine Zukunft im deutschen Schlager.

Sebo

 

Zwischenfall - Gestern und Heute – Subtronic / SPV

Gestern und Heute ist eine Zusammenstellung älterer Tracks, Raritäten und Remixes der belgisch-deutschen Electro-Combo Zwischenfall, die, zumindestens seit dem Erscheinen des gleichnamigen Samplers und dem darauf enthaltenen Stück Flucht, in aller Munde sein dürfte. Flucht ist dann auch gleich in drei verschiedenen Versionen vorhanden (in der `82er Originalversion, als `84er englische Version und als `94er Remix) und ist auch gleichzeitig das beste Stück der CD, wobei aber Katastrophe und Tausend Jahre nicht verschwiegen werden dürfen, die, genau wie Flucht, herausragende Relikte einer Zeit sind, die heutzutage schon weit zurück erscheint und die doch oft bessere Musik zutage gebracht hat, als man manchmal vermutet: die 80er. Wer also - um es einmal nur ungefähr zu beschreiben - eine Mischung aus KRAFTWERK, NDW und FRONT 242 steht, sollte unbedingt `mal `reinhören. Es lohnt sich.

H.M.

 

Zeraphine - Kalte Sonne - Drakkar / E-Wave Records

Zeraphine ist der Plural des aus dem hebräischen stammenden Wortes "seraph" und benennt ein himmlisches Wesen mit sechs Flügeln, Händen und einer menschlichen Stimme. Gute anatomische Voraussetzungen, um gute Musik zu machen – würde ich sagen. Genauer betrachtet verbergen sich hinter dieser mystischen Gestalt tatsächlich zwei begnadete Musiker.

Sven Friedrich und Norman Selbig, beide Mitglieder der wohl bekanntesten, aber leider nicht mehr praktizierenden deutschen Gothic-Rock-Formation "Dreadful Shadows".

Parallel zur Auflösung der Shadows entstand damals auch das Projekt Helix, mit dem man schon zu diesem Zeitpunkt Liveerfolge einspielen konnte. Es stellte sich jedoch heraus, dass der Name Helix bereits vergeben war und nach kurzweiliger Suche entschied man sich für Zeraphine.

Wer Svens unglaubliche Stimme kennt, geht unweigerlich mit zielgerichteten Erwartungen an dieses Album heran und wird überrascht sein, wie weit diese noch übertroffen werden.

Lange habe gab es innerhalb dieses Genres keine derartige Veröffentlichung mehr.

Die einzelnen Songs beeindrucken nicht nur durch ihre vielfältigen Klangelemente aus dem Dark Wave und Gothic Rock Bereich, sondern auch durch die einfühlsame und zugleich zielstrebige Art und Weise, wie Sven sie stimmlich interpretiert und leitet.

Besonders die ruhigeren Songs wie z.B. Sterne Sehen haben Chansoncharakter wirken aber zu keiner Zeit klischeehaft oder unfreiwillig komisch. Der Grundtenor auf Kalte Sonne – schon der Titel birgt einen Widerspruch in sich – ist melancholisch düster angehaucht, Tod wird als zentrales Thema gesetzt. Metaphorik ist das vorherrschende Stilmittel, der Phatos dominiert vom ersten bis zum letzten Song. Trotzdem finden sich zwischen den, Zeilen noch Hoffnungsschimmer, werden Wege aufgezeigt, wie man mit diesem so endgültigen, aber vom ersten Atemzug an allgegenwärtigen Thema umgehen und leben kann. Es ist kein schwermütig, negativ gelenktes Werk, aber auch nichts für all diejenigen, in deren Weltbild Schmerz und Vergänglichkeit keinen Platz findet.

Durch das Zusammenspiel von Musik und Text animiert Kalte Sonne den Rezipienten auf angenehme Art und Weise genauer hinzuhören, die Details erkennen und schätzen zu lernen. Natürlich führt dies in der Konsequenz zur Selbstreflexion, die oft sehr unangenehme Nebenwirkungen mit sich führt, aber in ihrem Endeffekt immer wieder neue, noch unbekannte Wege aufzeigt.

Wer nicht davor zurückschreckt sein Werte und Normen System zu überdenken und sein Weltbild neu zu ordnen, hat ab dem 6. Mai Gelegenheit, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Für Dreadful Shadows Liebhaber ein Muß, für alle anderen eine dringende Empfehlung!

Mareike Meyer

 

Zeromancer - Eurotrash - (EastWest)

War das Debütalbum namens Clone Your Lover schon ein Knaller, so haben die Mannen um Bassist Kim und Sänger Alex mit diesem Werk noch eins drauf gesetzt. Im gewohnten Zeromancerstil geht es einmal quer durch das Repertoire an Möglichkeiten, die der Industrial Rock derzeit zu bieten hat. Von dem druckvollen, mit harten Gitarrenriffs untermalten und durch Alex´ Schreigesang begleiteten Rocksongs, wie z.B. Chrome Bitch und Plasmatic, über einen eher elektrodominierten, atmosphärischen Song wie Germany, bis hin zu Cupola, einer klassisch, melodiösen und gefühlvollen Rockballade. Das ist Eurotrash.

Der getragen melodiöse, aber durch die gitarrenlastigen Passagen in sich gespaltene Song Wannabe, erinnert stark an Songs aus der Seigmenzeit. Insgesamt betrachtet, wartet Eurotrash mit wesentlich mehr Ecken und Kanten auf, als sein Vorgänger. So ist z.B. Alex Stimme tragender und druckvoller geworden, was besonders den Balladen zu Gute kommt. Bassist Kim beteiligt sich deutlich öfter am Gesang und bildet, mit seiner aggressiver klingenden Stimme einen spannenden Kontrast zu den eher melodiösen Tönen von Alex. Besonders deutlich kommt dieses Gegensatzpaar bei der Interpretation des Real Life Klassikers Send Me An Angel zum Tragen. Für gewöhnlich sind Coverversionen ja etwas heikel und reichen mitnichten an das Original heran. Diese Version hat allerdings ihren ganz eigenen Charme und ist, isoliert betrachtet, ein Klassiker für sich, der den qualitativen Vergleich mit dem Original nicht scheuen muss.

Auf Eurotrash trifft man dann auch zwei alte Bekannte wieder, die die Jungs schon auf ihrer Clone Your Lover Tour begleitet haben: Die Rede ist von Need You Like A Drug und Neo Geisha. Insgesamt sind die einzelnen Songs etwas länger geworden, im Schnitt wird der geneigte Konsument nun 4,5 Minuten beschallt, wobei der letzte Song dann die Acht-Minuten-Grenze sprengt. Back to the roots? Nun ja, was den Kompositionsstil betrifft mag es hier und da stimmen, was das Image betrifft sicher nicht. Man fühlt und sieht es förmlich, die fünf Nice Guys haben sich viel vorgenommen. Das Artwork des Albumcovers bestätigt, was das Video zur ersten Singelauskopplung Dr. Online schon andeutete: Go for gold and platin. Nun, mit Eurotrash haben sie einen weiteren grossen Baustein in das Fundament eingefügt und wenn die Liveshows nur halb so überzeugend werden, wie dieses Album – meistens sind sie allerdings doppelt so gut – dann steht dem auch nichts mehr im Wege. Lykke til, Jungs! Und jetzt gibt´s noch was auf die Ohren. Zeromancer mit Plasmatic.

http://www.resistance-radio.de/album.html#zeromancer

Mareike

 

ZERO TOLERANCE - ZERO FOR ALL CD Active Records/Rough Trade

"Unter Anleitung von Produzent Dan Stone wurde jeder Song zu einer brachialen Soundcollage gemischt, die bisher mit nichts anderem zu vergleichen ist." So das Presseinfo über ZERO TOLERANCE. Hmm!? Also, mir kommt das ganze doch nicht ganz so unvergleichlich vor. Trashgitarre und -gesang gepaart mit Drumcomputer und elektronischen Effekten ist irgendwie nicht so ganz die neueste Erfindung der Menschheit. Wenn "Zero for all" nun wenigstens so richtig geile Songs hätten, ließe sich das ganze ja noch locker verschmerzen, aber das ganze Album klingt ziemlich gequält und hat weder besondere Höhepunkte noch irgendwelche absoluten Aussetzer. Es mosht halt so vor sich hin... Deshalb gibts für ZERO TOLERANCE auch die nichtssagende Note: 3-4 R.I.R.

 

Zoon Politicion - mentality Dark Star/Indigo

Überraschung! Neben der letzten Beborn Beton gibt es noch CD´s aus dem breiten Fahrwasser des Synthipops, die mich nicht sofort entsetzt aufschreien lassen. Bei Zoon Politicion, einem jungen Trio aus deutschen Landen (wem sagt schon "Rinteln" was?), dürfte das daran liegen, daß man Scheuklappen höchstens mal zu Karneval trägt und sich musikalisch nicht nur aus einem Genre bedient: Einerseits hat man seine Wurzeln klar in den wavigen 80ern, klingt man auch sehr gerne nach Synthipop, benutzt aber auch schon mal den einen oder anderen EBM-Einfluß, ohne die melancholische Stimmung, die vor allem durch den warmen Gesang und weiche Melodien hervorgerufen wird, auch nur zu gefährden. Da ich den Gesamteindruck nicht antasten möchte, greife ich lieber kein Stück exemplarisch heraus, sondern wage lieber die These, daß nicht nur Synthipopfans an diesem Debüt (zweite Überraschung) ihre wahre Freude haben werden. LS

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