| Blutengel
- Angel Dust - Out of Line
Das neue Blutengel-Album klingt so, als
hätte sich Chris Pohl etliche Nächte um die Ohren geschlagen,
um herauszufinden, was derzeit in schwarzen Clubs so angesagt ist, um
die Quintessenz dessen auf einen Tonträger zu pressen. Dies soll
nicht heißen, dass das Album schlecht geworden ist, sondern nur,
dass es weniger authentisch denn aufgesetzt wirkt - mit viel Pathos und
kalkuliert zugeschnitten auf den derzeit angesagten Sound. Und im Ergebnis
hätte auch tatsächlich jedes Stück das Potential für
einen Floorfiller. Eingängige Rhythmen paaren sich mit druckvollen
Beats, gewürzt mit schönen Vocals und noch schöneren Melodien.
Für Clubgänger ist Angel Dust also definitiv ein Muss. Diejenigen,
die sich nicht nur berieseln lassen wollen, werden sich mit dieser seichten
Gothic-Poppigkeit wohl etwas schwerer tun. Das fängt schon an, wenn
man sich einmal die Texte zu Gemüte führt. Bei diesem gruselig
holperigen Schulenglisch haben sich mir stellenweise die Fußnägel
aufgerollt... Kostprobe gefällig: "...I love the Way you make me
feel when you kiss me in the night...", "...we want to bite you we want
your Blood...", "...so Darling come with me tonight..." oder auch "I can
feel your Skin on mine I smell your Body I smell your Lust..." Na, das
muss man einfach nur gesungen auf sich wirken lassen - es hört sich
dann manchmal ein bisserl so an wie "You can say you to me". Wirklich
ärgerlich gemacht hat mich jedoch das Stück "The End of Love",
wo sowas von dreist von Diary of Dreams abgekupert wurde, dass es kaum
zu fassen ist. [Was steht eigentlich heutzutage auf Majestätsbeleidigung;-))]
Nichtsdestotroz, wenn man mal in der Stimmung ist, einfach nur abschalten
zu wollen, wirkt dieses Album wie eine Droge, wo es schwer fällt
aufzuhören, mit dem Fuß zu wippen oder im Takt auf's Lenkrad
zu klopfen. Insgesamt gilt: Für's Radio immer noch zu krass, für
einige schwarze Seelen zu flach und irgendwo dazwischen kann man dann
Angel Dust einsortieren.
Andrea Scherr |
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