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Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde

 

Archiv Rezensionen - Tiamat

 

 

Tiamat - Judas Christ - CD - Century Media

Um das schon mal vorwegzunehmen: Seit Paradise Lost mit ihrem Album Host um die Ecke kamen, hat mich kein musikalisches Machwerk je wieder so viel Nerven gekostet – bis jetzt!

Nun, zugegebener Massen ist es immer ein sehr schwieriges Unterfangen, gänzlich unvoreingenommen an das neue Album einer so vertrauten und geschätzten Band heranzugehen. Spätestens seit ihrem Meisterwerk "Wildhoney" eilt den Schweden ja ein durchweg positiver Ruf vorraus, dem sie bislang auch immer gerecht werden konnten.

Mit ihren letzen beiden Werken hat die erfolgreiche Gothic-Metall Formation TIAMAT ja bereits stilistisch neue, aber immer geradlinige Wege bschritten. Mit ihrem siebten Werk namens "Judas Christ" haben sie allerdings eine gehörige 90°-Kurve hingelegt.

Schon beim Hören des ersten Stücks mit dem verheissungsvollen Titel "The Return Of The Son Of Nothing" machte sich ein erstes Unwohlsein bemerkbar, obwohl es, retrospektiv betrachtet wohl der eindrucksvollste Song des gesamten Albums ist – aber eben so gar nicht dem Tiamat-Stil entspricht. Vier Stücke weiter war ich schon kurz davor zu kapitulieren und nach den letzte beiden legte sich meine Stirn in tiefe Sorgenfalten. Aber so schnell wollte ich dann auch nicht aufgeben, schliesslich hatte man nach dem elektronischen Eskapaden von Nick "As I Die" Holmes schon Übung. Wagemutig drückte ich die Repeat-Taste und stellte mir immer wieder die Frage: Was bereitet dir eigentlich solche Magenschmerzen?

Nun, nach dem sechsten Durchlauf hatte ich das für mich geordnet. Musikalisch betrachtet war es - wie erwartet – sehr gelungen. Die gedämpften Keybords , die schroffen und druckvollen Gitarrensequenzen und ein getragener Bass, gefühlvoll zusammengesetzt und begleitet von Johanns kühler, fast lethargisch wirkender Stimme. Der umjubelte Tiamatsche Klangkosmos eben. All das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass das gesamte Album doch eher so dahinplätschert, einen Song mit Clubhitpotential sucht man vergeblich. Auch der – laut Plattenfirma – "im positiven Sinn" kommerziellste Song namens "Vote For Love" ist allenfalls gehobene Mittelklasse. Der Songtitel lässt es schon erahnen, dass sich an der textlichen Gestaltung der einzelnen Kompositionen etwas grundlegendes verändert hat. Geprägt durch die Ereignisse des letzten Jahres, hat sich Johann Edlunds Weltbild verändert. Dies spiegelt sich auch in den Texten wieder, die uneingeschränkt positive, lebensbejahende Themen aber zugleich auch gesellschaftskritische Aspekte abhandeln. Vor allem die Scheinheiligkeit der Kirche, als christliche Institution wird schon durch den Albumtitel "Judas Christ" kritisiert.

Klingt ja eigentlich ganz gut und lebensbejahende Haltungen sind auch immer zu begrüssen, aber genau in der lyrischen Gestaltung findet sich die Ursache des Unwohlseins. Irgendwie drängten sich mir während des Hörens unweigerlich Assoziationen zu amerikanischen Cowboy-Kitsch-Filmen auf ..." hug me honey, drug me honey, kiss me til I´m in a coma" . Dies wiederum beeinträchtigt dann doch die Glaubwürdigkeit und zu allem Übel bestätigen die letzten beiden Songs dieses Szenario nur allzu deutlich. WildWest-Lagerfeuerromatik pur "... all I live for is my heaven up high, I´ll be there when the sun goes down..". Erinnert irgendwie an John Bon Jovis Blaze Of Glory Album, nur das Johnny die Nummer irgendwie glaubwürdiger rübergebracht hat.

Wie bereits gesagt, musikalisch ein gelungenes Album und ob der dahinter stehenden Plattenfirma erwartungsgemäss sehr gut produziert. An Einfällen und Offenheit mangelt es den Skandinaviern ebenfalls nicht und auch nicht an Talent, da bin ich sicher. Guter Ansatz, leider eben nur mit den aufgezeigten Mängeln in der Ausführung.

Lasst es einfach auf euch wirken, interessant ist es allemal .. und nicht vergessen : ".. it´s about time we all get out an vote for love..." !

Mareike

 

TIAMAT – VOTE FOR LOVE – MCD – Century Media

Nachdem Johan Edlund mit seinem Projekt LUCYFIRE mehr oder eher weniger erfolgreich Solopfaden gewandert ist, steht nun endlich wieder was neues von seiner Stammband TIAMAT ins Haus. Als Vorbote zum kommenden Album "Judas Christ", dass für den 18.2.2002 avisiert ist, gibt’s jetzt erst mal die Single "Vote for Love". Während der Titelsong "Vote for Love" sowohl stilistisch als auch qualitativ an "Brighter than the sun" angelehnt ist, gehen TIAMAT mit den weiteren Songs auf der Zeitskala wieder etwas weiter zurück, und schlagen ähnlich melancholisch-ruhige Klänge an, wie man es von der "A deeper kind..." gewohnt ist.... und das lässt wirklich hoffen.

TC      

 

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