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Archiv Rezensionen - t.A.T.u. -

 

t.A.T.u. – 200 km/h In The Wrong Lane – Interscope / Universal

Sex sells, das ist allgemein bekannt. Aber muß das ausgerechnet mit zwei kleinen Teenager-Mädels sein? Kaum wurde medienwirksam verkündet, daß die beiden t.A.T.u.s Julia und Lena ein lesbisches Liebespaar sind, schon ging es in fast sämtlichen europäischen Verkaufscharts steil nach oben und der Hit "All The Things She Said" dudelt einem fast im Minutentakt aus irgendeinem Radio entgegen. Dabei wäre das aus musikalischer Sicht gar nicht nötig gewesen, doch dazu weiter unten mehr. So treibt die Marketingstrategie (was anderes wird es wohl kaum sein) inzwischen seltsame Blüten. Die Mädels bieten sich dem Playboy an (der sich damit wohl ganz neue Käuferschichten hätte erschließen können: "wo verstecke ich das Heft nur vor meiner Mami?"), um sich für diesen zu entblättern, der aber glücklicherweise (bis jetzt noch) abgelehnt hat. Und die Fanschar, ebenfalls zum größten Teil aus Teenies bestehend, wartet bei Auftritten nur darauf, daß Julia und Lena auf der Bühne knutschen (was ganz am Rande nicht wirklich leidenschaftlich rüberkommt), um in hysterische Kreischorgien zu verfallen. Hallo? Worum geht es hier eigentlich? Um die Musik? Vielleicht nicht mehr so ganz. Doch kommen wir nun endlich zu eben dieser, denn sie ist dann doch recht interessant. Mit ihrer Mischung aus Pop und stakkatoartigem Prodigy-Breakbeat sticht sie zumindest aus dem Charts-Einheitsbrei hervor. Natürlich muß man auch hier Abstriche machen, wurde sie doch auf Massentauglichkeit glattgebügelt. Die Produzenten haben hier ganze Arbeit geleistet, so daß die (potentiellen) Hitsingles "Not Gonna Get Us", All The Things She Said" oder "Show Me Love" recht austauschbar daher kommen. Mit "30 Minutes" noch eine Ballade dazu, fertig ist das halbe Album. Insgesamt hat es dann auch nur für acht Songs gereicht, die um zwei russisch gesungene Versionen und zwei Remixe erweitert wurden (wobei der "30 Minutes" im abgedrehten Trip Hop-Gewand verziert mit östlicher Instrumentierung ziemlich cool daher kommt). Alles in allem etwas wenig, um bei den heutigen Preisen ein Verkaufsargument zu liefern (da würde die Maxi-CD vollkommen ausreichen). Von daher findet man als Multimedia-Bonus noch das Video zu "All The Things She Said", sowie ein Behind the Scenes-Part auf der CD. Bei letzterem gibt es neben einem Interview auch noch Live-Ausschnitte, natürlich auch wieder mit den beiden Mädels knutschend, dieses Mal in schicken Schuluniformen. Ob Mädels in Schuluniformen in diesen Posen dann nicht doch das falsche Zielpublikum ansprechen (diesem sei gesagt, daß man im Booklet auch noch schicke Fotos der Zwei in Unterwäsche zu sehen bekommt)? Ich bin mir nicht sicher. Womit wir wieder am Anfang dieser Rezension wären. Ganz zum Schluß vielleicht noch ein paar Worte zur Szenetauglichkeit dieses Produktes. Ich bin mir ziemlich sicher, daß t.A.T.u., nicht von Anfang an mit einem großes Label hinter sich, zumindest hier große Erfolge als neue Futurepop meets Heavenly (?) Voices-Sensationen hätten feiern können. Und die Coverversion von "How Soon Is Now" (zuletzt dank der Fernsehserie Charmed wieder in aller Ohren) der Smiths wäre wohl der neue Szenehit schlechthin geworden. Ohne Worte.

Thorsten Kübler

t.A.T.u. – 200 km/h In The Wrong Lane

 

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