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| Magazin für Dark Music, Kult(ur) und Avantgarde |
| Der Aldimarktblues, oder das Leben allgemein |
Zitternd schiebt sich eine schmuddelige Hand unter der Decke hervor, suchend tastet sie nach der Flasche Sprudel. Nachdurst!
Röchelnd nach Luft schnappend wachte er auf. Es war Samstag!
Der Gestank war kaum auszuhalten, diverse Körperausdünstungen und Biergeruch. Zeugnisse für eine gelungene Nacht. Vorsichtig öffnete er seine Zimmertür. Aber das erwartete anbölken seines Alten kam nicht. Er war wohl weg. In der Küche saß seine Mutter und verschlang einen Liebesroman, der menge nach geleerten Kippenschachteln zu urteilen war sie schon lange wach. "Na, wie war es gestern?" "Ging so Mutter!" Schleunigst zog er sich einen Kaffee rein und vertilgte 4 Brötchen mit Käse. Gute Sachen um wieder Munter zu werden. Das folgende Ritual, konnte er schon ohne hinzugucken. Waschen, Haarestylen und Geld abschwatzen. Heute entschied er sich für die Zerlöcherte Stretchjeans und das Sex Pistols T-Shirt. Seine Frisur dauerte nicht so lange. Borsten Naßmachen und Kopfüber mit Haarlack Einsprühen und trocken föhnen. In Fachkreisen heißt die Frisur Spike oder einfach Sid Vicious Style. Der eben genannte Interpret oder besser gesagt der Baßist der Pistols war sein Idol. Einige Bekannte meinten sogar er wäre genauso bescheuert. Nach getaner Arbeit ging er wieder in die Küche. "Hey Mum, kannst Du mir 20 Mark leihen?" "Ja ja, mal wieder Pleite der Junge, Kauf dir nicht immer so viel Schallplatten oder Bier" Gesagt getan er bekam seinen Schein. "Bekommst Du wieder" Mit diesen Worten verschwand er aus der Wohnung.
Der Weg führte Ihn an einer Schell-Tankstelle vorbei, ja hier gab es gutes Bier. Der Fette Tankwart Dieter laberte ihn an. "So früh schon am Saufen?", der Fettsack lachte. "Halts Maul und rechne den Sixpack ab". Solchen Arschkriechern mußte man so kommen, sonst hören sie nie auf. Mit dem Alk im Pack trollte er sich und lief zur Trampstelle. In der Innenstadt glotzten Ihn alle an. Scheiß Spießer dachte er sich. 400 Meter vor der besagten Tankstelle passierte es. Fröhlich das letzte Bier zischend schlackste er am Park vorbei als er etwas hörte. "Hey du Zecke, warte mal" Diese Stimme kannte er! Es war Burkhard Wanngemann der gefürchteste Dorfskinhead und seine Schlägertruppe. Besagter war dafür bekannt, daß er Hippies die Finger bricht, oder schon mal Punks vermöbelt. Unser Held hatte schiß. "Ach der Sonnenbaum, die fiese Punkerzecke. "Er machte sich schon auf eine Abreibung bereit. "Was hast Du da auf deiner Jacke?" Der Kerl meinte seinen nagelneuen `Gegen Nazis Aufnäher´ . "Haste was gegen uns?" Darauf antwortete er nicht, jede Antwort würde mit einem Schlag enden. Der Skinhead riß den Aufnäher ab. "Verpiß Dich Du Arschloch, heute lassen wir Dich leben." Glück gehabt! Eilig verduftete er sich. Wie gut, daß er noch 5 Aufnäher hatte. Reserve sozusagen.
Detmold, die Kreisstadt der Region, oder wie der Kenner sagt: das kleinere Übel. Kaum größer als der Heimatort unseres Helden, doch mit weitaus mehr Gesindel und einem akzeptablen Konzertschuppen. Der Ort der täglichen besäufnissen war der Schloßpark. Treffpunkt und Toilette in einem, äußerst Praktisch bei übermäßigen Alkoholkonsums. Harald und Rabenfuß waren noch nicht da. Das sind die besten Kumpels unseres Helden. Er setzt sich auf die Lieblingsbank und wartete. Hunde Lothar und seine Köter näherten sich von der Stadt aus. Dieser Obdachlose war nicht gerade beliebt bei den Leuten, da er sich des öfteren Bier nahm ohne zu fragen. "Hau ab du Penner!" Doch diese Worte schreckten Lothar nicht ab. "Laß mich mal von Deinem Bier trinken!" "Verpiß Dich oder ich hau Dir aufs Maul" Lothar ging beleidigt, die Köter folgten ihm. "Hey Alter, wie geht’s?" Da kamen seine Kollegen. "Geht so, eben war Lothar da und wollte Bier!" "Der Asi lernt es nie!" Harald zog seine Socken hoch. Rabenfuß zerrte an Haralds Alditüte und beförderte zwei Kannen hervor. "Los Leute wir saufen erstmal!" Und so ging es den ganzen Nachmittag bis Abend. "Im Ajz ist heute ein Gig. Irgend´sone Ami-Band!" "Könnte ganz lustig werden" Harry war begeistert. "Wieder´son Hardcore Scheiß" unser Held war nicht begeistert über diese Art von Musik. "Kann ja nicht immer Deutschpunk sein." Gesagt getan, das Trio wanderte zum Bahnhof. "Hat irgendeiner´ne Idee, wie wir die Tickets Bezahlen sollen?" Rabenfuß war beunruhigt. "Fahrn wie schwarz" antworteten die beiden anderen. Die Fahrt verlief ruhig und kein Konti kam.
Das Ajz Bielefeld, überregional bekannt und der anlaufort für Abschaum aus ganz Ostwestfalen-Lippe. Vor dem Laden lungerten schon ein paar bekannte rum. Specht, Mick und seine Tusse sowie der äußerst dünne Schlesie. "Hi Ihr Säcke!" Es gab ein riesiges Hallo und alle umarmten sich. "Wir haben schon 20 Eier geschnorrt". "Specht war Stolz auf seine reife Leistung. Gemeinsam schnorrten sie weiter. Obwohl sie den Eintritt von 6 DM schon hatten versoffen sie es lieber. Gegen 3.00 Uhr gingen sie rein. Zwei der vier Bands hatten schon gespielt und die Bagage merkte es sowieso nicht. Voll wie Haubitzen eierten sie durch den Laden. Harald war der erste der sich in die Ecke legte und schlief. Mick samt Madam raffte der Alkohol an der Bar dahin. Sie sackten auf den Boden. Alle mußten über sie klettern. Rabenfuß und unser Held baggerten Weiber an und holten ein Korb nach dem anderen. Beide fielen um, als sie übermütig ein Glas Wodka kippten. Schlesi der dünnste einer lagerte seinen dünnen Körper vor der Pissrinne im Herrenklo. Specht der letzte des illustren Haufens erlag einen Faustschlag eines Bikers den er angerempelt hatte. So lagen unsere Freunde selig bis zum Morgen herum. Irgendwann gegen 7.00 Uhr holte Harolds Vater das Trio ab. Rabenfuß und unser Held dachten sich, was für ein Idiot. Der Vater lachte.
Gemeinsam sangen sie den Blues, den Aldimarktblues
Stumpf